Aktie im freien Fall
Kanzleien prüfen Klagen gegen EM.TV

Der Münchner Rechtsanwalt Klaus Rotter prüft derzeit im Auftrag mehrerer Privatanlegern eine Klage gegen den angeschlagenen Medienvermarkter EM.TV wegen vorsätzlicher Täuschung der Aktionäre.

dpa MÜNCHEN. "Einige Klienten wollen Klagen einreichen, sie wollen ihr Geld zurück", sagte Rotter der Nachrichtebnagentur dpa. Derzeit versuche die Kanzlei Rotter Rechtsanwälte, den EM.TV-Vorstandsmitgliedern nachzuweisen, dass sie Kenntnis von geschönten Zahlen hatten. Der Nachweis sei aber schwierig, räumte Rotter ein.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ/Mittwochausgabe) prüft auch die auf Kapitalanlagerecht spezialisierte Kanzlei Tilp und Kälberer in Kirchentellinsfurt bei Tübingen Klagen auf Schadenersatz gegen EM.TV. Rechtsanwalt Andreas Tilp erinnerte an eine Pflichtmitteilung des Medienunternehmens vom 5. Oktober 2000, bei der noch nicht von geschmälterten Gewinnen die Rede war. Zwar schließe das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) bei Verstößen gegen diese Mitteilungspflicht einen Schadenersatz aus. Nach Darstellung von Tilp widerspricht dies aber einer EU-Richtlinie. Deshalb halten es sowohl Tilp als auch Rotter der SZ zufolge für möglich, über den Europäischen Gerichtshof Schadenersatzansprüche durchdrücken zu können.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hält Klagen von Privatanlegern gegen den angeschlagenen EM.TV-Konzern indes für wenig aussichtsreich. Das deutsche Recht ermögliche das Einklagen eines individuellen Schadensersatzes kaum, sagte ein DSW - Sprecher am Dienstag. Einen Tag nach der Verkündung des Einstiegs der KirchGruppe und der Neun-Monatszahlen war der EM.TV-Aktienkurs weiter im freien Fall. Am Dienstagvormittag sackte er zwischenzeitlich um mehr als 20 % ab und lag am Nachmittag noch mit rund 13 % im Minus bei neun Euro. Das Jahreshoch der EM.TV-Aktie hatte 120 Euro betragen.

Der Aktienkurs war bereits am Vortag um zwischenzeitlich mehr als 40 % eingebrochen. Auch die Nachricht vom Einstieg Leo Kirchs, der sich im Rahmen der strategischen Allianz 25 % der EM.TV - Stimmrechte sicherte und dem Medienkonzern eine Finanzspritze in Milliardenhöhe gibt, half dem Kurs nicht auf die Beine. Kirch wird über eine Kapitalerhöhung an EM.TV beteiligt und bringt dafür seine Anteile an dem bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Junior TV ein.

Angesichts der Talfahrt des Kurses und der drastischen Korrektur der Gewinnprognose bei EM.TV hatte die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) angekündigt, sie werde mögliche Haftungsansprüche prüfen. "Es ist skandalös, was hier berichtet wird", sagte ein SdK-Sprecher. In den ersten neun Monaten rutschte EM.TV in seinem Kerngeschäft tief in die roten Zahlen.

EM.TV rechnet jetzt für das Gesamtjahr nur noch mit einem Ergebnis vor Steuern und Zinsen in Höhe von 50 Mill. DM statt bisher eingeplanter 525 Mill. DM. Die Abschreibungen in Höhe von bis zu 300 Mill. DM wegen der milliardenschweren Zukäufe ("Muppetshow", Formel 1, Tele München) sind in die Prognose noch nicht eingerechnet. Auch beim Umsatz schraubte EM.TV die Erwartungen zurück und geht jetzt nur noch von Erlösen in Höhe von knapp 1,4 Mrd. DM aus.

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