Aktie im Sturzflug
EM.TV: Finanzkreise rechnen mit kräftiger Gewinnwarnung

Der Münchener Filmrechtehändler EM.TV & Merchandising AG wird nach Angaben aus Finanzkreisen bei der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen eine deutliche Gewinnwarnung für das Gesamtjahr äußern.

Reuters FRANKFURT. Der Münchener Filmrechtehändler EM.TV & Merchandising AG wird nach Angaben aus Finanzkreisen bei der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen eine deutliche Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2000 äußern. EM.TV werde seine Prognose für das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 600 Mill. DM um voraussichtlich "mehrere hundert Mill. DM" nach unten revidieren, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus den Kreisen. Ein Sprecher von EM.TV lehnte eine Stellungnahme ab. In Branchenkreisen hieß es, eine mögliche Übernahme von EM.TV durch Kirch werde wahrscheinlich noch nicht am Montag bekannt gegeben. Die EM.TV-Aktien fielen zeitweise um über 13 % auf ein Jahrestief bei 16,40 Euro.

EM.TV-Intraday-Chart



Der neue Finanzvorstand Rolf Rickmeyer und die Wirtschaftsprüfer hätten bei EM.TV offenbar klar Schiff gemacht und in der Bilanz unrichtig verbuchte Gewinne entdeckt, hieß es in den Kreisen. Dazu habe unter anderem die US-Tochter Jim Henson Company Verluste geschrieben. Ende Oktober hatte EM.TV-Vorstand Florian Haffa noch gesagt, die Jahresprognose von 1,6 Mrd. DM Umsatz und 600 Mill. DM Ebit sei nicht gefährdet.

"Das würde mich gar nicht überraschen", sagte ein Analyst zu dem möglichen Ausmaß der Gewinnwarnung. EM.TV habe in der Vergangenheit Beteiligungen in ihre Rechnung verbucht, die seiner Ansicht nach nicht hätten dazu gerechnet werden können. Auch Roland Pfänder, Medienanalyst bei der BHF-Bank, zeigte sich wenig erstaunt. Es sei schon lange klar, dass durch die Einrechnung von Goodwill-Abschreibungen und den erst ab Mai konsolidierten Anteil an der Formel-Eins-Holding SLEC die Prognose für das operative Ergebnis nicht zu halten sei. "Die Frage ist nur, ob sich das Kerngeschäft Junior TV auch schwächer als erwartet entwickelt", sagte Pfänder. Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung oder sogar die Zahlungsunfähigkeit von EM.TV hatten die Aktien in den vergangenen Tagen belastet. Am Freitag hatten die EM.TV-Aktien zunächst um mehr als neun Prozent zugelegt. Nach der Meldung über eine mögliche kräftige Gewinnwarnung büßten die Aktien ihre Gewinne jedoch ein und lagen am Nachmittag bei hohen Umsätzen mit gut elf Prozent im Minus bei 16,80 Euro.

Am Montag Pressekonferenz von EM.TV

"Kein Kommentar", hieß es bei einem Firmen-Sprecher von EM.TV zu dem Bericht über eine mögliche Gewinnwarnung. Er verwies darauf, dass der Vorstand und der Aufsichtsrat von EM.TV am Freitag tagten, um sich mit den Quartalszahlen auseinander zu setzen. Für Montag hat das Unternehmen eine Pressekonferenz angekündigt. Die "Financial Times Deutschland" hatte gemeldet, dass der EM.TV-Kauf durch Kirch am selben Tag bekannt gegeben werden sollte. Aus Branchenkreisen hieß es jedoch, auf der Pressekonferenz würden hauptsächlich die Quartalszahlen und der Ausblick auf das gesamte Geschäftsjahr erläutert. Vorstands-Chef Thomas Haffa und sein Bruder Florian werden sich aber auch Fragen zu den Übernahmegerüchten stellen müssen.

EM.TV und Kirch lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten über Übernahmeverhandlungen erneut ab. In Branchenkreisen hieß es, die Verhandlungen von Kirch und EM.TV liefen weiter.

Analysten rechnen mit Übernahme durch Aktientausch

Bei Analysten gilt ein Aktientausch als die wahrscheinlichste Variante für die Umsetzung einer Übernahme. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" würde EM.TV-Chef Thomas Haffa im Falle einer Einigung einen Anteil von zwei bis drei Prozent an der Kirch Media GmbH & Co KGaA erhalten. Den größten Teil der Übernahme der EM.TV-Aktien der Familie Haffa würde Kirch mit einer Barkomponente begleichen. Die Brüder Haffa halten nach Angaben des Unternehmens knapp 50 % der EM.TV-Aktien, der Rest befindet sich im Streubesitz. Kirch müsste für die Übernahme der Mehrheit also am Markt zukaufen. Die EM.TV-Aktien gehörten am Freitag wiederum zu den zehn umsatzstärksten Werten im Computerhandel.

Nach Angaben aus Branchenkreisen soll Kirch auch den 50-prozentigen Anteil an der Formel-Eins-Holding SLEC von EM.TV übernehmen. Im "Handelsblatt" hieß es, an den Verhandlungen sei Formel-Eins-Mogul Bernie Ecclestone beteiligt, der die restlichen 50 % an der SLEC hält. Kirch-Vize Dieter Hahn, Haffa und Ecclestone hätten sich am Mittwoch in London getroffen.

EM.TV hatte neben dem Formen-Eins-Anteil im Frühjahr auch noch den Muppets Jim Henson Company-Produzenten und 45 % and dem Münchener Filmrechtehändler TeleMünchen Gruppe übernommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%