Aktie ist immer noch teuer
Analysten lassen MLP fallen

Die Börse prügelt die MLP-Aktie auch am Freitag herunter. Nun stufen auch Analysten die Aktie herab. Die Düsseldorfer WGZ-Bank rät wegen des angeknacksten Vertrauens zum Verkauf. Und J.P. Morgan reduziert das Kursziel drastisch.

dpa/ mm DÜSSELDORF. Am Tag nach den veröffentlichten Spekulationen von "Börse Online" über vermeintlich unsauberen Bilanzen des Heidelberger Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner AG (MLP) stufen einige Analysten in den Finanzinstituten die Aktie herab. So haben die Analysten von J.P. Morgan das MLP-Kursziel von 90 auf 60 Euro drastisch gesenkt. "Die Vorwürfe und äußerst kritischen Kommentare könnten auf kurze Sicht zu einem weiteren Kursverfall führen", schreiben die Analysten von JP Morgan in einer am Freitag veröffentlichten Studie. Wenn sich der Rauch verziehe und die Aufregung nachlasse, werde sich die MLP-Aktie längerfristig aber erholen.

Auch die WGZ-Bank hat die Aktie (WKN 656 990) zurückgestuft. Wie WGZ-Analyst Dierk Schaffer am Freitag sagte, lautet die neue Bewertung nach zuletzt "Akkumulieren" nun "Reduzieren". Erst im Februar wurde die Aktie nach dem damaligen Kursrutsch auf "Akkumulieren" heraufgestuft.
Nach einer hauseigenen Definition rechnet Schaffer damit, dass sich die Papiere in den kommenden sechs Monaten um bis zu zehn Prozent unter dem Dax-Durchschnitt entwickeln werden. Selbst nach dem massiven Kursverfall am Donnerstag und Freitag sei die Aktie immer noch relativ teuer. Eine mögliche Kurs-Gegenreaktion auf die aktuell stark überverkaufte Aktie sei kurzfristig zwar wahrscheinlich. Doch danach könnte es erneut abwärts gehen.

Die Düsseldorfer WGZ-Bank sieht das Hauptproblem von MLP in der fehlenden Transparenz. Die Geschäftsberichte von MLP seien "schon immer intransparent gewesen", kritisiert Analyst Schaffer. "Wir würden gern in die Tiefe gehen, um den Wachstumswert zu bewerten." Doch der Finanzdienstleister behindere das durch seine Bilanzierung. Zudem sei es nicht gerade vertrauensbildend, wenn zu einem Analyse-Seminar ausschließlich angelsächsische Analysten eingeladen würden. Es müsse "Informations-Gleichheit" bestehen, um die angestrebten Wachstumsraten des Unternehmens checken zu können.

Für Dierk Schaffer habe MLP "nichts Verbotenes getan", schon gar nicht Bilanz-Betrug. Die Geschäfte mit den Rückversichern seien konform mit den Regeln des Handelsgesetzbuches (HGB). Dennoch sei das Vertrauen der Anleger mittlerweile angeschlagen. Der Vorstand hat es nach Angaben des Experten auch auf der am Donnerstag eilig einberufenen Pressekonferenz nicht verstanden, die Analysten zu überzeugen. Nach den Bilanzskandalen der vergangenen Monate würden die Anleger derzeit besonders empfindlich auf entsprechende Nachrichten reagieren, sagte der Experte. Analyst Schaffer würde es zudem begrüßen, wenn MLP seine Bilanz noch einmal neutral prüfen lässt. Nach seinen Angaben ist bei MLP seit 15 Jahren derselbe Unternehmensprüfer zuständig. "Es wäre sicher eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn hier ein anderer Prüfer zum Zuge käme", sagte er.

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