Aktie legt deutlich zu: Großaktionär erhöht Druck auf MG-Management

Aktie legt deutlich zu
Großaktionär erhöht Druck auf MG-Management

Der mit dem Vorstand von MG Technologies im Dauerclinch liegende Otto Happel ist durch den Zukauf weiterer Aktienpakete überraschend zum größten Einzelaktionär beim Chemie- und Anlagenbaukonzern aufgestiegen.

Reuters FRANKFURT. Damit hat sich nach Einschätzung von Branchenexperten der Druck auf MG-Chef Kajo Neukirchen erhöht, mit dem Happel seit Jahren im Streit um die Geschäftspolitik des Frankfurter Unternehmens liegt.

Ein Sprecher von Happel sagte am Mittwoch, der frühere Chef der MG-Anlagenbautochter Gea habe seine von der MG zuletzt mit rund zehn Prozent angegebene Beteiligung auf knapp über 20 Prozent aufgestockt. Er bestätigte damit einen entsprechenden Zeitungsbericht. Die MG-Aktie legte gegen den leichteren Markttrend fast neun Prozent auf rund 5,90 Euro zu.

Der Zukauf durch Happel erfolgte im Wesentlichen über die Börse, erfuhr Reuters aus Branchenkreisen. Der Sprecher des mg-Großaktionärs wollte dies nicht kommentieren. Ein MG-Sprecher wollte sich nicht näher äußern, er sagte nur: "Offenkundig ist die MG-Aktie auch für Herrn Happel ein lohnendes Investment."

Die einstige Metallgesellschaft hatte zuletzt neben Happel die Münchener Allianz als größten Aktionär mit rund 13 Prozent ausgewiesen, die Deutsche Bank mit rund neun Prozent und das staatliche Kuwait Investment Office mit 7,9 Prozent. Deutschlands größte Bank erklärte, dass sie noch immer ihr Paket halte. "Unser Anteil beträgt weiter neun Prozent. Wir haben keine Aktien an Happel abgegeben", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt. Auch die Allianz hält nach Angaben aus Finanzkreisen weiterhin 12,8 Prozent an der MG.

Aus unternehmensnahen Industriekreisen hieß es, der überraschende Coup von seinem Dauergegner könnte Konzernchef Neukirchen in Bedrängnis bringen: "Es scheint, dass die Zeit für Neukirchen nun gekommen ist." Happel und der MG-Chef befinden sich seit Jahren im Dauerstreit. Der Großaktionär hatte der MG-Führung unter anderem vorgeworfen, ihn über die Lage des Konzerns beziehungsweise der MG-Tochter Lurgi getäuscht und Bilanzen manipuliert zu haben. Die Attacken des ihm unliebsamen Gegners, der vor Gericht mit einigen Vorstößen bislang gescheitert ist, hat Neukirchen aber stets scharf zurückgewiesen. Gleichwohl war der MG-Chef auf der vergangenen Hauptversammlung auch wegen des Widerstands von Happel mit Vorschlägen zur weiteren Unternehmensfinanzierung gescheitert.

Reuters erfuhr aus Branchenkreisen, Happel wäre angesichts seines nun weiter gestärkten Einflusses als inzwischen größter Einzelaktionär gewillt, einen Sitz im MG-Aufsichtsrat einzunehmen, sollte er vorgeschlagen werden.

Happel ist Sohn des Gründers des Bochumer Anlagenbauers Gea und war früher dessen Vorstand und Aufsichtsratschef. Die MG hatte 1999 gegen Bargeld und 20 Millionen mg-Aktien die Mehrheit an der Gea von Happel übernommen.

Börsianer sehen vor dem Hintergrund des Happel-Vorstoßes ein Wiederaufflammen der Übernahmefantasien um das Frankfurter Unternehmen. Nach Einschätzung von Analysten könnte auch eine mögliche Zerschlagung des auf den Säulen Anlagenbau und Chemie fußenden Konzerns - wie in der Vergangenheit in Branchenkreisen immer wieder spekuliert - erneut Thema werden. "Es scheint, dass die Zerschlagungsfantasie bei der mg wieder aufgewärmt wird", sagte Analyst Christopher Schardt von der Hypo-Vereinsbank (HVB Corporate and Markets). Es sei aber nicht so einfach, ein Konglomerat wie die mg mit einem Jahresumsatz von rund 8,6 Milliarden Euro aufzusplitten, gab er zu Bedenken.

"Die MG-Aktie gehört heute zu den Gewinnern auf dem deutschen Kurszettel. Triebfeder ist die wiederbelebte Übernahmefantasie", schrieb Helaba-Analyst Thomas Brenning am Mittwoch. "MG Technologies ist von der Bewertung sehr günstig und wurde daher schon des öfteren als Übernahmekandidat gehandelt. Da könnte jetzt ein bisschen Übernahmefantasie die Aktie beflügeln", sagte ein Händler. Aktuell beträgt der Börsenwert der profitablen mg 1,044 Milliarden Euro - nach Einschätzung von Branchenkreisen zu wenig.

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