Aktie legt nach Spekulationen über Telekom-Interesse deutlich zu
United Internet profitiert von Übernahmegerüchten

Auslöser des Kurssprungs war ein Bericht der „Telebörse“, wonach Telekom-Chef Ron Sommer den Internet-Vermarkter übernehmen und dessen Firmenchef Ralph Dommermuth zum T-Online-Chef machen wolle.

hz FRANKFURT/M. Spekulationen über eine Übernahme von United Internet AG haben zeitweise ein Kursfeuerwerk für die Aktien der am Neuen Markt gelisteten Internet-Beteiligungsgesellschaft ausgelöst. Der Kurs der Firma mit Sitz im rheinland-pfälzischen Montabaur kletterte in der Spitze um mehr als 30 %. Auslöser des Kurssprungs war ein Bericht des Anlegermagazins "Telebörse", wonach Telekom-Chef Ron Sommer den Internet-Vermarkter übernehmen und dessen Firmenchef Ralph Dommermuth zum Vorstandsvorsitzenden der Telekom-Tochter T-Online International AG machen wolle. Der einstige T-Online-Chef Wolfgang Keuntje war im Sommer im Streit geschieden und wird seither vom Telekom-Mann Detlev Buchal vertreten.

Analysten bewerteten eine mögliche United-Internet-Übernahme allerdings für T-Online zurückhaltend. Auch der Finanzmarkt bezweifelte offenbar die Vorteile eines solchen Deals für den Darmstädter Internet-Provider. Die T-Online-Aktie gab gestern am Neuen Markt nach.

Dommermuth und die Telekom wollten auf Nachfrage den Bericht nicht kommentieren. United Internet, zu der Beteiligungen wie das Portal GMX und der Online-Finanzdienst Gatrixx gehören, war erst im März aus der Telekom-Partnerin 1 x 1 entstanden. Dommermuth und Telekom-Chef Sommer kennen sich aus diesen Zeiten gut, da 1 x 1 mit der Vermarktung von Mobilfunk- und ISDN-Anschlüssen der Telekom groß geworden ist.

I-D-Media-Chef Kolb aus dem Rennen? Vor Dommermuth wurde bereits der I-D-Media-Vorstandschef Bernd Kolb als Nachfolger Keuntjes gehandelt. Die Telekom sucht seit August einen Nachfolger für den T-Online-Chefsessel, der sich sowohl "mit Medien und Inhalten als auch dem Internetgeschäft gut auskennt". Telekom-Analyst Frank Rothauge von Oppenheim Finanzanalyse bezweifelt jedoch, dass Dommermuth der richtige Mann an der Spitze von T-Online wäre. "Dafür fehlt ihm die Erfahrung in der Führung einer internationalen Gruppe." Rothauge hält eine Übernahme für sinnvoll, gibt ihr aber nur wenig Chancen, da Dommermuth nur interessiert sein dürfte, wenn die Telekom hohe Aufschläge auf den derzeitig niedrigen Aktienkurs zahle.

Auch Ralf Hallmann, Analyst der Bankgesellschaft Berlin, zeigte sich eher skeptisch. Mit United Internet würde T-Online zwar weitere Inhalte für das Portal erhalten, aber auch in Geschäftsfelder vordringen, mit denen es bisher nichts zu schaffen hatte. So betätige sich United Internet auch als Inkubator für junge Start-up-Firmen - ein Geschäft das besser zur Telekom-Tochter T-Venture passe. "Zur Zeit fällt es mir schwer, bei einer Fusion der beiden Firmen den Added Value zu erkennen", sagte der Experte.

United Internet war im März 1998 unter dem Namen 1x1 an den Neuen Markt gegangen und ist heute an 18 Internet-Gesellschaften beteiligt, von denen die ersten bereits an die Börse gebracht wurden.



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