Aktie legt um mehr als 5 % zu
HSBC nimmt Kurs auf China

Die größte britische Bank zeigte 2001 ein schwächeres Ergebnis als im Vorjahr. Vor allem die Argentinien-Krise machte dem Institut zu schaffen. Sorgen machen Analysten die fehlenden Wachstumsaussichten.

fs LONDON. Die größte britische Bankengruppe HSBC Holdings plc. hat 2001 stärker unter der Argentinien-Krise gelitten als erwartet. Wie die Bank gestern mitteilte, hat die Abwertung der Landeswährung Peso HSBC im vergangenen Jahr allein 520 Mill. $ (knapp 605 Mill. ?) gekostet. Weitere 600 Mill. $ verbuchte das Institut wegen des Argentinien-Risikos als Kreditrückstellung.

Das waren zwei der wichtigsten Gründe, warum HSBC 2001 einen Rückgang des Jahresgewinns von 14 % auf 8,8 Mrd. $ hinnehmen musste. Sir John Bond, Chairman der mit einer Marktkapitalisierung von fast 110 Mrd. $ zweitgrößten Bank der Welt, äußerte sich vorsichtig über die Aussichten für das laufende Jahr. Zwar sagte er, vermutlich sei das schlimmste überstanden. "Viel hängt von der Entwicklung der US-Wirtschaft ab. Die ökonomischen Indikatoren zeigen noch kein klares Bild." Die Situation in Argentinien bleibe unsicher, so Bond. Angesichts der politischen Situation im Land könne sich sein Institut das langfristige Engagement noch einmal überlegen.

Sir Bond bekräftigte, dass HSBC weiter nach geeigneten Akquisitionen schaue. HSBC ist weiterhin besonders am chinesischen Markt interessiert, allerdings sei eine Übernahme dort die Frage des richtigen Zeitpunktes. Erst im vergangenen Jahr hatte HSBC 8 % von der Bank of Shanghai erworben. Akquisitionen im Investment-Banking schloss Bond weitgehend aus. Hier wolle man organisch wachsen.

Erst kürzlich hatte HSBC die Investment-Bank-Aktivitäten wie die Unternehmensfinanzierung und das Aktiengeschäft mit dem Firmen-Kreditgeschäft zusammengelegt. Dieser Schritt hatte unterschiedliche Spekulationen ausgelöst. Von der einen Seite hieß es, HSBC könnte sich aus dem für die Gruppe verhältnismäßig geringen Corporate-Finance und Aktiengeschäft ganz verabschieden. Andere Stimmen vermuteten, HSBC könnte die Übernahme einer Investment-Bank vorbereiten. Bond betonte lediglich, er halte an dem Investment-Banking fest.

HSBC hält an Online-Banking fest

Bei HSBC entwickelten sich die beiden größten Säulen Private Finanzdienstleistungen (+ 15 % Vorsteuergewinn) und Corporate, Investment Banking and Markets (+ 13 %) am besten. Die Segmente Commercial Banking (- 14 %) und Private Banking (- 25 %) gingen dagegen deutlich zurück.

Über das von HSBC zusammen mit der Investment-Bank Merrill Lynch in 2001 gestartete gemeinsame Online-Banking sagte Bond nur, sein Institut halte an der Kooperation fest. Allerdings werden es in diesem Jahr nicht in andere Länder ausgedehnt. Bislang ist das Joint Venture in Kanada, Australien und in Großbritannien am Markt. Über konkrete Erfolge sagte Bond allerdings nichts, nur dass HSBC "dort sehr stark auf die Kosten schaut".

Analysten zeigten sich von den vorgelegten Resultaten für 2001 nicht übermäßig überrascht. Der Argentinien-Verlust von 1,12 Mrd. $ war zwar etwas höher als erwartet, doch die Resonanz auf die höheren Rückstellungen waren eher positiv. "Je höher die Vorsicht der Banken, desto freundlicher reagiert der Markt", sagte etwa Justine Shih, Banken-Analystin der Commerzbank. Sorgen machte ihr allerdings die geringe Aussicht auf organisches Gewinnwachstum bei HSBC. "Ich sehe momentan nicht, wo das Gewinnwachstum herkommen soll."

Die Aktie stieg bis zum Abend dennoch um mehr als 5 % auf 820 p. "Ich glaube nicht, dass das besonders viel mit dem Ergebnis selbst zu tun hat", sagte Shih. Die gesamte Peer-Gruppe der Finanzdienstleister konnte gestern deutlich zulegen. Zu Ausfällen durch den Enron-Bankrott machte HSBC keine Aussagen. Zu Buche schlagen im Jahr 2001 auch einmalige Ausfälle im Wert von 575 Mill. $ durch die so genannte Princeton-Note-Angelegenheit. Die US-Tochter von HSBC hatte Millionenverluste japanischer Anleger vertuscht, die sie nach einem verlorenen Prozess entschädigen musste.

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