Aktie legte am Morgen zu
Daimler-Chrysler erhöht Umsatzprognosen

Rund zwei Jahre nach Beginn seiner schweren Ertragskrise sieht sich Deutschlands größter Industriekonzern Daimler-Chrysler wieder auf dem Weg nach oben. "Ich sage nur so viel: Wir sind vorsichtig, aber wir sind nicht pessimistisch", sagte Finanzvorstand Manfred Gentz in Stuttgart.

Reuters STUTTGART. Vor allem die defizitäre US-Tochter Chrysler, aber auch das Nutzfahrzeuggeschäft und Beteiligungen wie Mitsubishi hatten den Daimler-Chrysler-Gewinn im vergangenen Jahr einbrechen lassen und den Konzern zu drastischen Gegenmaßnahmen veranlasst, die inzwischen Wirkung zeigen. "Wir sind auf Grund der großen Erfolge, die wir bei unseren Umstrukturierungen und Restrukturierungen erzielt haben, sehr optimistisch, dass das auch in diese Richtung weiter geht. Aber, wir hängen natürlich auch von der Entwicklung der Märkte ab."

Die Daimler-Chrysler-Aktie legte in einem sehr festen Gesamtmarkt am Vormittag rund 6,3 auf 37,30 ? zu.

Gentz kündigte zugleich an, dass der Konzernumsatz in diesem Jahr wohl über der bisherigen Prognosen liegen und sich die Liquiditätslage des Autobauers weiter positiv entwickeln werde. Die Unterdeckung im Pensionsfonds dürfte sich infolge der Börsenschwäche weiter verschlechtern, werde aber das Ergebnis 2002 nicht belasten. "Langfristig sehe ich das Thema bei Daimler-Chrysler nicht dramatisch", sagte Gentz.

Konzernumsatz liegt 2002 über Plan

Die Phase der Entflechtung des Konzerns und der Fokussierung auf das Automobilgeschäft habe Daimler-Chrysler indes weitgehend hinter sich. "Wir folgen der Politik, uns auf unsere Fahrzeug-bezogenen Kerngeschäfte zu konzentrieren. Wir haben in den letzten Jahren sehr konsequent desinvestiert."

Daimler-Chrysler wird wegen der Verkaufszuwächse vor allem in den USA das bisherige Umsatzziel für 2002 wohl übertreffen. "Durch die insgesamt höher als erwarteten Absatzzahlen wird auch der Umsatz für das Gesamtjahr höher ausfallen als wir ihn bisher in der Ursprungsplanung hatten", sagte Gentz. Die Stuttgarter hatten mit einem Rückgang der Erlöse von über zehn Mrd. ? gerechnet. Ob der Vorjahreswert von knapp 153 Mrd. ? erreicht werde, könne er jedoch nicht sagen, betonte Gentz.

Gentz deutete auch an, dass sich die Liquiditätsentwicklung im dritten Quartal positiv fortgesetzt habe: "Die Verkaufs- und Absatzsituation in wesentlichen Teilen unseres Konzerns - das heißt vor allem bei Mercedes Benz und bei Chrysler - hat sich auch im dritten Quartal positiv fortgesetzt und dementsprechend müsste sich das auch in einer insgesamt positiven Entwicklung des Cash-Flows niederschlagen. Dies gilt auch für das Gesamtjahr, wenn die Märkte stabil bleiben." Doch Gentz will haushalten: "Im ersten Halbjahr haben wir mit einer positiven Netto-Liquidität von gut einer Milliarde Euro abgeschlossen. Langfristig bin ich damit aber noch nicht zufrieden."

Auf dem Weg zur alten Ertragskraft

Nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung einfließen werde indes das Defizit im Pensionsfonds, das wegen der Börsenschwäche weiter angewachsen sein dürfte. "Wir werden zum Jahresende den weitaus größten Teil der Unterdeckung durch Rückstellungen in der Bilanz ausgleichen. Die Pensionen sind in der Summe also abgedeckt und die Ansprüche der Mitarbeiter sind geschützt." Die Unterdeckung resultiere aus der Talfahrt an den Börsen, da die Fonds üblicherweise sehr stark in Aktien investiert seien. "Das hat sich niedergeschlagen in einer sich vergrößernden Lücke. Grundsätzlich ist es falsch, langfristige Verbindlichkeiten, die entsprechend langfristig angelegt sein sollten, auf Grund kurzfristiger Ereignisse zu bewerten."

Eine weiter gehende Vorhersage auch auf langfristige Sicht wollte Gentz mit Verweis auf die weltweiten konjunkturellen und politischen Unwägbarkeiten nicht abgeben. "Es ist extrem schwer, heute eine Prognose zu wagen, weil die Unsicherheit in den Märkten so groß ist. Wenn man diesen Unsicherheitsfaktor beseitigen könnte - was theoretisch ist - dann glaube ich in der Tat, dass wir auch im nächsten Jahr und in den Folgejahren gut voran kommen werden und dass dann realistische Aussichten bestehen, dass wir in die alte Ertragskraft zurückkommen."

Die Faktoren, die wir intern beeinflussen können, haben wir, glaube ich, relativ gut im Griff", fügte der Finanzchef hinzu. Auch sei Daimler-Chrysler bei der Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und auf allen wichtigen Märkte eigene oder verbundene Fahrzeugmarken anbieten zu können, gut voran gekommen. "Dieses Ziel können wir in der jetzigen Aufstellung erreichen. Im Großen und Ganzen sind wir heute, meine ich, richtig aufgestellt.

Verkaufsabsichten der Deutschen Bank dementiert

Einen Hinweise darauf, dass die Deutsche Bank derzeit einen Verkauf ihrer Anteile an dem Stuttgarter Autohersteller plane, habe er nicht, sagte Gentz. Ihm sei nichts davon bekannt, dass in der Richtung etwas unmittelbar bevorstehe.

Die Deutsche Bank hält gut zwölf Prozent an Daimler-Chrysler und hatte angekündigt, ihre Industriebeteiligungen abbauen zu wollen. "Die Entscheidung darüber, was mit dem Aktienpaket passiert, hat die Deutsche Bank zu treffen und nicht wir", sagte Gentz. "Wir haben mit der Deutschen Bank ein Verständnis, dass sie uns, wenn sie sich bewegen möchte, kurzzeitig informiert. Und dass wir dann auch Gelegenheit haben, mit der Deutschen Bank darüber zu reden, was aus unserer Sicht gut ist. Gut ist, wenn ein Desinvestment der Deutschen Bank unseren Aktienkurs möglichst nicht, jedenfalls aber nicht nachhaltig belastet."

Gentz bestätigte zugleich, dass Daimler-Chrysler auf mittelfristige Sicht keinen Ausstieg beim europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS plant, an dem der Autokonzern ein Drittel der Anteile hält. "Für uns stellt sich für die absehbare Zukunft diese Frage nicht. In den nächsten drei bis fünf Jahren sehen wir keinerlei Notwendigkeit, hier eine Veränderung herbeizuführen.

Mitsubishi plant keine Kapitalerhöhung

Unterdessen hat der japanische Autohersteller Mitsubishi Motor, eine Beteiligung von Daimler-Chrysler, mitgeteilt, dass eine Kapitalerhöhung nicht geplant sein. "Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine konkrete Entscheidung für eine Kapitalerhöhung oder eine Beteiligung von Daimler-Chrysler an einer solchen Kapitalerhöhung", sagte ein Mitsubishi-Sprecher in Tokio.

Hauptaktionär Daimler-Chrysler, der 37 % an Mitsubishi hält, bestätigte am Vortag Erwägungen Mitsubishis über eine Kapitalerhöhung, wollte aber eine möglich Beteiligung der Stuttgarter nicht kommentieren. "Mitsubishi denkt über eine Kapitalerhöhung frühestens 2003 zur Finanzierung der Neuentwicklung von Fahrzeugen nach", sagte ein Daimler-Chrysler-Sprecher. Eine Entscheidung von Daimler-Chrysler bezüglich der Kapitalerhöhung sei noch nicht gefallen.

Das Wirtschaftsmagazin "Capital" hatte am Mittwoch vorab berichtet, der Stuttgarter Automobilkonzern wolle rund 250 Mill. ? der insgesamt 680 Mill. ? schweren Platzierung übernehmen.

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