Aktie leidet unter mangelnder Aufmerksamkeit
Aktie unter der Lupe: Linde AG

Jeder hat das blaue Linde-Logo schon einmal irgendwo gesehen. Auf Gasflaschen, Gabelstaplern und auf der Tiefkühltruhe im Supermarkt prangt er, der weiße Linde-Schriftzug in altmodischer Schreibschrift. Was genau Linde eigentlich macht, wissen aber die wenigsten.

DÜSSELDORF. Das Wiesbadener Unternehmen - weltweit viertgrößter Anbieter von technischen Gasen, europäischer Marktführer in der Kältetechnik und Hersteller von Gabelstaplern und Industrieanlagen - fristet ein Schattendasein im Deutschen Aktienindex (Dax).

Genau das ist das Problem: Linde wird kaum Beachtung geschenkt, obwohl die Aktie und das Unternehmen dies laut Analysten durchaus verdienen. Das Papier konnte sich nach dem Tief von rund 37 Euro im September 2001 erholen; der Aktienkurs liegt wieder bei rund 53 Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Aktie kaum an Wert verloren.

Geschäftszahlen verheißen nichts Schlechtes

Die Geschäftszahlen des Unternehmens mit weltweit über 46 000 Mitarbeitern verheißen ebenfalls nichts Schlechtes. Am Donnerstag legt das Unternehmen das endgültige Jahresergebnis für 2001 vor. Die vorab veröffentlichten Zahlen zum Umsatz lagen zwar leicht unter den Erwartungen des Konzerns, der mit einem Wachstum von rund 8 % gerechnet hatte, aber nur 7,4 % erreichen konnte.

Trotzdem: "Im Hinblick auf das insgesamt schlechte Jahr 2001 hat Linde ein gutes Ergebnis erzielt", sagt Philip Bonhoeffer, Analyst beim Bankhaus Merck Finck. Er rechnet mit einem operativen Ergebnis (Ebit) von 3 %. "Die hohe Zahl der Auftragseingänge im Wert von 9,1 Mrd. Euro, gibt Anlass zu der Hoffnung, dass dieses Jahr auch recht erfolgreich wird", sagt er. Analyst Rolf Geck von der WGZ-Bank ist ebenfalls optimistisch. Er empfiehlt, die Aktie zu "akkumulieren". Denn "die Integration des schwedischen Gasunternehmens Aga, das Linde vor zwei Jahren gekauft hat, ist gut gelungen."

Kein Gemischtwarenladen

Das Papier ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 23 im Vergleich zu anderen Dax-Werten relativ günstig. Linde-Vorstandschef Gerhard Full, wird deswegen auch nicht müde zu beklagen, dass der Konzern unterbewertet sei. Er beschwert sich regelmäßig über den "Konglomeratsabschlag", mit dem die Börse Unternehmen, die in sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern aktiv sind, bestrafe. Dabei sei Linde doch kein Gemischtwarenladen, betonte Full noch im Januar in einem Interview.

"Linde hat - zu Unrecht - ein Imageproblem. Das Unternehmen verkündet eine positive Nachricht, die zwei Tage lang von der Börse honoriert wird, und danach vergisst man Linde wieder", sagt Analyst Bonhoeffer. Er teilt die Meinung, dass Linde unterbewertet sei. Die Aktie sei ein "Outperformer" - ein Wert, der sich besser als der Markt entwickeln sollte. Das Kursziel setzt er auf 54 Euro. Richard Schramm hingegen, Analyst bei HSBC Trinkaus ist nicht der Meinung, dass die Linde-Aktie unterbewertet ist. "Nach den jüngsten Kursanstiegen ist die Luft jetzt erst einmal etwas raus", sagt er. Er rät dazu, die Aktienbestände zu reduzieren.

Besonders zukunftsträchtig ist nach aus Sicht der Analysten die Sparte technische Gase - etwa für die chemische Industrie oder die Medizin -, die unabhängiger von der Konjunktur sei als die übrigen Geschäftsfelder. Mit 42 % trägt dieser Bereich am meisten zum Linde - Umsatz bei. Im Jahr 2001 setzten die Wiesbadener hier 3,9 Mrd. Euro um.

Sorgenkind von Linde ist die Kältetechniksparte, die im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang von 5,1 % verkraften musste. Diese Sparte leide besonders unter der schwierigen Lage des Einzelhandels, sagt Analyst Geck. "Ein Verkauf der Kältetechnik würde sich positiv auf die Rendite des Unternehmens auswirken."

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