Aktie notiert im Plus
Comdirect überrascht Analysten

Der Online-Broker Comdirect hat im ersten Quartal 2002 erstmals in seiner Unternehmensgeschichte ein positives Vorsteuerergebnis erzielt, hält das Erreichen der Gewinnschwelle noch in diesem Jahr jedoch weiterhin für schwierig.

Reuters/dpa FRANKFURT. Nach Steuern sei ein Fehlbetrag von 1,8 Mill. Euro nach einem Verlust von 18,047 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum verbucht worden, teilte die Commerzbank-Tochter am Freitag mit. Analysten bezeichneten die Zahlen insgesamt als gut. Vor allem bei den Kosten habe die Bank deutlich besser abgeschnitten, als erwartet. Die Aktie gab im frühen Handel dennoch kurzzeitig um mehr als drei Prozent nach, drehte aber später ins Plus.

Vor Steuern hatte die Comdirect im ersten Quartal trotz eines weiter rückläufigen Provisionsüberschusses und weiter sinkender Transaktionszahlen ein Plus von 298 000 Euro nach einem Verlust von von 19,798 Mill. Euro im Vorjahresquartal erwirtschaftet. Der Provisionsüberschuss sank auf 21,9 (Vorjahr: 29,5) Mill. Euro, das Transaktionsvolumen auf 1,4 Mill. nach 2,01 Mill. im Vorjahreszeitraum.

"Wir gehen davon aus, dass spätestens zum Ende des Jahres die Märkte wieder leicht anziehen werden", schrieb der scheidende Comdirect-Vorstandschef Bernt Weber im Zwischenbericht. "Aufgrund der immer noch ungünstigen Rahmenbedingungen wird es bis dahin allerdings schwierig werden, auf Konzernbasis den Break-Even zu erreichen."

Erheblich weniger Kosten produziert

Deutliche Verbesserungen verzeichnete Comdirect vor allem auf der Kostenseite. Die Verwaltungsaufwendungen sanken auf 38,9 Millionen Euro nach 70,2 Millionen Euro im ersten Quartal 2001. Unter anderem hatte Comdirect ihre defizitären Aktivitäten in Italien eingestellt und das Geschäft in Frankreich verkauft.

"Die Zahlen sehen sehr gut aus", sagte Johannes Thormann, Analyst bei WestLB Panmure. "Ein Unternehmen, das in diesem Aktienmarktumfeld ein positives Vorsteuerergebnis erzielt, muss ein sehr gutes Management haben."

Neue Produkte geplant

Die comdirect bank will künftig ihren Kunden beim langfristigen Vermögensaufbau helfen. "Mit neuen Produkten sind wir den Bedürfnissen der Kunden bereits gefolgt, die sich durch vorsichtiges Anlageverhalten und ausgeprägtes Risikobewusstsein auszeichnen", sagte Vorstandssprecher Bernt Weber bei der Jahreshauptversammlung am Freitag in Hamburg. Nach der Einführung von Fondssparplänen im Frühjahr vergangenen Jahres hätten rund 21 000 Kunden mehr als 27 000 Sparpläne abgeschlossen.

Auch in Zukunft will die comdirect bank vor allem das Internet für ihre Bankgeschäfte nutzen. "Der Automatisierungsgrad erlaubt hohe Handelsgeschwindigkeiten bei niedrigen Stückkosten. Für unsere Kunden ergibt sich daraus die Möglichkeit, den Status ihrer Aufträge sekundengleich zu verfolgen und zu überwachen", sagte der Vorstandssprecher vor den Aktionären.

Durch eine stärkere Aktivierung der bestehenden Kundenbasis solle die Ertragskraft der comdirect bank dauerhaft steigen. Knapp ein Drittel der deutschen Online-Brokerage-Kunden unterhielten ein Depot bei der comdirect bank, viele Kunden nutzten jedoch nur einzelne Angebote. "Dies werden wir durch gezielte Maßnahmen ändern, durch die wir die Aufmerksamkeit auf jeweils andere Angebotsgruppen lenken wollen." Der Ertrag je Kunde solle auf diesem Wege nachhaltig gesteigert werden. Im vergangenen Geschäftsjahr hatten sich weniger Kunden als im Jahr davor für den Online-Brocker entschieden. 85 000 Depotneueröffnungen standen in der AG rund 38 000 Kündigungen gegenüber. Zum Ende des ersten Quartals 2002 zählte die comdirect - Gruppe 647 242 Kunden.

Nach einem verlustreichen Vorjahr ist die comdirect bank mit leichtem Gewinn in das Jahr 2002 gestartet. Sie erzielte im ersten Quartal ein Konzernergebnis vor Steuern (EBT) von 298 000 Euro, während im gleichen Quartal des Vorjahres noch 19,8 Millionen Euro Verlust angefallen waren. Das sei auf ein erfolgreiches Programm zur Kostensenkung zurückzuführen. Nach Steuern habe das Minus im Konzern 1,82 Millionen Euro betragen, nach 18,05 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die aus Kostengründen angesetzte Kurzarbeit in ausgewählten Teilbereichen habe beendet werden können, sagte Weber. Im vergangenen Geschäftsjahr sank die Zahl der Mitarbeiter innerhalb des Konzerns um 245 auf 1291; Ende des ersten Quartals waren es 1220. Für das laufende Quartal kündigte Weber einen weiteren Rückgang der Mitarbeiterzahl an. Die Tochtergesellschaft in Italien war im vergangenen Geschäftsjahr geschlossen worden, die französische Tochter hatte der Konzern verkauft.

Die Aktie des Brokers startete mit Kursverlusten von zeitweise mehr als drei Prozent in den Handel. Am Vormittag notierte das Papier mit 0,88 Prozent im Plus bei acht Euro.

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