Aktie rutscht auf Rekordtief
EM.TV und Kirch verkünden strategische Partnerschaft

Kirch erhält nach einer Kapitalerhöhung 16,74 Prozent der Anteile, zudem übernimmt die Münchener Gruppe für 1,23 Milliarden DM 49 Prozent der EM.TV-Anteile an der Formel 1. Florian Haffa zurückgetreten Porträt: Leo Kirch

Reuters MÜNCHEN. Die Kirch-Gruppe und der Münchener Filmrechtehänder EM.TV & Merchandising AG sind eine strategische Partnerschaft eingegangen. Kirch werde sich nach einer Kapitalerhöhung mit 16,74 % an EM.TV beteiligen, teilte das am Neuen Markt notierte Unternehmen am Montag mit. Im Gegenzug erhalte EM.TV die Kontrolle über das bisherige Gemeinschaftsunternehmen Junior TV. Kirch werde von EM.TV zudem für 550 Mill. $ 49 % ihres 50-prozentigen Anteils an der Formel Eins übernehmen. In den ersten neun Monaten 2000 rutschte EM.TV operativ in die Verlustzone. Der Lizenzhändler gab außerdem seinen nach eigenen Angaben größten Rechtedeal der Firmengeschichte bekannt.

EM.TV - Intraday-Chart

Am Neuen Markt brachen die EM.TV-Aktien im frühen Handel um mehr als 30 % auf ein Rekordtief von 10,95 Euro ein. Spekulationen über finanzielle Schwierigkeiten hatten den Aktienkurs bereits in der vergangenen Woche auf Jahrestiefststände fallen lassen.



Haffa bleibt größter Aktionär

Mit dem Einstieg der Kirch-Gruppe beende EM.TV die Phase der Unsicherheit und sichere seine Zukunft, hieß es in der Pflichtmitteilung. Im Rahmen der Vereinbarung bleibe EM.TV-Chef Thomas Haffa größter Aktionär, übertrage Kirch aber acht Prozent seiner Stimmrechte. Damit erhalte der Medienkonzern eine Sperrminorität von 25 %. EM.TV werde im Gegenzug künftig 100 % von Junior TV kontrollieren, der internationalen Rechtebibliothek von Kinder- und Jugendprogrammen. Bisher war Junior TV ein 50/50-Joint Venture von Kirch und EM.TV.

Im dritten Quartal 2000 verzeichnete der Rechtehändler im ursprünglichen Konzern den Angaben zufolge ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von minus 144,7 Mill. DM, in den ersten neun Monaten von minus 82,6 Mill. DM. Die Gesamtleistung betrage für neun Monate 254,9 Mill. DM. Vergleichszahlen nannte der Konzern nicht. Das Ergebnis des traditionell schwächsten Quartals sei vor allem durch unter den Erwartungen liegende Umsätze belastet worden, hieß es zur Begründung. In den Kosten seien die Ausgaben für die Integration und Finanzierung der Neuerwerbungen sowie Risikovorsorgen enthalten.



Analysten rechnen mit weiteren Rückschlägen

Bereits am Freitag hatte EM.TV seine Gewinnprognosen für das Gesamtjahr 2000 drastisch nach unten korrigiert und damit Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung bestätigt. Demnach rechnet der Konzern für 2000 nur noch mit einem Ebit von rund 50 Mill. DM statt der zuvor geplanten 525 Mill.. Der Umsatz werde mit 1,38 Mrd. DM rund 2,7 % unter den Prognosen liegen. Abschreibungen auf den immateriellen Firmenwert (Goodwill) aus Zukäufen aber auch in korrigierten Prognosen nicht enthalten. Analysten schätzen den Goodwill auf 100 bis 120 Mill. DM, die das EM.TV-Ergebnis in diesem Jahr nochmals belasten.

Die Ergebnisse der Beteiligungen Tele München Gruppe (TMG), Formel-Eins-Holding SLEC und der US-Tochter Jim Henson Company wies EM.TV getrennt aus. Demnach verzeichnete der Muppets-Produzent Jim Henson seit dem Erwerbszeitpunkt 1. April bis zum 30. September eine Gesamtleistung von 116 Mill. DM und ein Ebit von minus 8,4 Mill. DM. Die SLEC habe in den ersten neun Monaten ein Ebit von 428,1 Mill. DM und eine Gesamtleistung von 887,2 Mill. DM erzielt, wovon EM.TV 50 % ab dem 12. Mai zuflössen. Aus dem 45-prozentigen Anteil an dem Filmrechtehändler TMG erhalte EM.TV für die ersten neun Monate eine Gesamtleistung von 147,4 Mill. DM und ein Ebit von 33,6 Mill. DM. Eine konsolidierte Rechnung nach den International Accounting Standards (IAS) will EM.TV erst zum Abschluss des laufenden Jahres vorlegen.



Florian Haffa begründet Rücktritt mit mangelndem Vertrauen

Am Sonntagabend hatte Florian Haffa seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden erklärt und diesen Schritt mit mangelndem Vertrauen von Aktionären und Investoren begründet. In der Vergangenheit war der frühere Finanzvorstand kritisiert worden, er habe das Zahlenwerk des stark expandierenden Unternehmens nicht im Griff. Anfang November war der ehemalige Lahmeyer-Manager Rolf Rickmeyer als neuer Finanzvorstand berufen worden. Kirch werde im Rahmen der Vereinbarung auch mit Klaus Hallig auch ein Mitglied in den EM.TV-Aufsichtsrat entsenden, hieß es.

EM.TV teilte weiter mit, die New Yorker Stiftung Sesame Workshop erwerbe die zeitlich unbegrenzten Rechte an allen Charakteren der "Sesamstraße". EM.TV werde exklusiver Vermarkter der Merchandising-Rechte im gesamten europäischen Markt. Außerdem hätten sich die beiden Unternehmen auf einen langjährigen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung von Fernsehprogrammen geeinigt. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

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