Aktie sei derzeit fair bewertet
Analysten: Aktionärsstruktur spricht gegen Übernahme

Eine feindliche Übernahme von ThyssenKrupp durch die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG ist eher unwahrscheinlich. Diese Meinung vertritt der Analyst Thomas Weiß von der HypoVereinsbank. Er bezieht sich damit auf einen Bericht in der "Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (NRZ), die am Donnerstag berichtet hatte, ein solcher Schritt stehe kurz bevor.

vwd/dpa DÜSSELDORF. Der Analyst nennt als Hauptgrund, der einer feindlichen Übernahme entgegensteht, die Aktionärsstruktur von Thyssen-Krupp. So befänden sich mehr als 25 Prozent des Grundkapitals in Familienbesitz bzw familiennahmen Besitz.

Das Hauptinteresse dieser Aktionärsgruppe sei der Erhalt der Konzerns, was ja bereits bei der Fusion der ehemaligen Gesellschaften Thyssen und Krupp offensichtlich geworden wäre. Mit Sicherheit würde WCM nach der Übernahme eines Mehrheitsanteils an Thyssen-Krupp den Bereich Stahl abtrennen, meint der Analyst.

Dies jedoch entspreche nicht den Zielen der Familieneigner, weshalb mit einem hohen Widerstand gegen eine feindliche Übernahme zu rechnen sei. Anderseits sei eine Minderheitsbeteiligung für WCM momentan nicht interessant, so Thomas Weiß. Denn die Aktien von Thyssen-Krupp seien bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation aus fundamentaler Sicht fair bewertet. Im Kurs sei die Aussicht auf eine Verbesserung der Konjunktur in der Mitte des kommenden Jahres bereits eingepreist.

Für den Erwerb einer Beteiligung von mehr als 50 Prozent werde WCM sich trotz ihres hohen Bestandes an liquiden Mittel aus dem Verkauf der Foliensparte von Klöckner mit Finanzinstituten zusammentun. Diese würden mindestens drei Mrd. Euro Kapital einbringen. WCM hätte zwar seit geraumer Zeit ihr Interesse an einem Dax-Wert angekündigt, meint der Fachmann. Jedoch gebe es für die Beteiligungsgesellschaft mit Sicherheit auch "andere, interessantere Werte", so sein Resümee.

Winfried Becker, Analyst der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim, glaubt ebenfalls nicht an eine feindliche Übernahme. «Man muss nur auf die Aktionärsstruktur schauen, dann wird klar, dass eine vollständige Übernahme unmöglich ist», sagte er. Die Stiftungen werden sich seiner Einschätzung zufolge nicht von ihren Anteilen trennen.

Das bestätigte auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS), Ulrich Hocker. Mehr als 25 Prozent der Thyssen-Krupp-Aktien seien in der Hand langfristig orientierter Aktionäre. Zwar seien Gerüchte grundsätzlich gut, wenn sie den Kurs beflügelten. "Allerdings sind solche Gerüchte aus Eigeninteresse schnell geschürt, und die Aktionäre, die zu den angeheizten Kursen gekauft haben, haben dann das Nachsehen", warnte er.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung reagierte gelassen. "Ich halte das für ein Gerücht», sagte Arbeitsminister Harald Schartau (SPD) in Düsseldorf. Die Eigentümerstruktur von ThyssenKrupp mache eine feindliche Übernahme nicht einfach."

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