Aktie setzt Kurssturz fort
Mobilcom in Angst vor der Pleite

Das Kanzleramt bemüht sich um Vermittlung zwischen Mobilcom und ihrem Großaktionär France Télécom. Der französische Konzern will heute Abend über Mobilcoms Zukunft entscheiden.

dri BERLIN. Einen Tag vor der Entscheidung von France Télécom über die Zukunft des deutschen Mobilfunkanbieters Mobilcom AG zeichnete sich am Mittwoch ein Rückzug der Franzosen aus Deutschland ab. Die französischen Zeitungen "Le Figaro" und "Le Mond" meldeten, France-Télécom-Chef Michel Bon habe die Pariser Regierung überzeugt, die deutsche Beteiligung (28,5 %) fallen zu lassen. Dieses Szenario würde für Mobilcom die Insolvenz nach sich ziehen. Die Aktie am Neuen Markt stürzte um 60 % ab, erholte sich aber im Tagesverlauf wieder und notierte am Abend mit einem Verlust von 35 % bei 2,96 Euro.

Kanzler Schröder nicht in die Gespräche einbezogen

Mobilcom-Vorstand Thorsten Grenz hat unterdessen das Bundeskanzleramt um Vermittlung gebeten. Wie ein Regierungssprecher sagte, gebe es "auf der Arbeitsebene" Gespräche mit der französischen Regierung und France Télécom, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sei aber in diese Gespräche nicht einbezogen. Bei einer Pleite wäre ein möglicherweise großer Teil der 5000 Mobilcom-Arbeitsplätze gefährdet. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums von Schleswig-Holstein sagte, das Land habe FT nicht näher bestimmte "Maßnahmen zur Unterstützung des Mobilcom-Standorts Schleswig-Holstein angeboten". Mobilcom-Betriebsräte und die IG Metall baten in einem Brief an die Arbeitnehmervertreter im FT-Verwaltungsrat um Unterstützung.

France Télécom wollte die Presseberichte nicht kommentieren. "Der Fall Mobilcom wird auf der Verwaltungsratssitzung untersucht und dann entschieden", sagte ein Sprecher Bons. Die Sitzung findet heute Abend statt, die Ergebnisse sollen am Freitag morgen veröffentlicht werden.

Bankenkreise erwarten bei Mobilcom keine Pleite

Bankenkreise gingen am Mittwoch davon aus, dass es nicht zu einer Pleite bei Mobilcom kommt: France Télécom (FT) wolle mit den Zeitungsberichten den Druck auf Banken und Lieferanten erhöhen, um die Vereinbarungen aufzuweichen. FT hatte sich mit den Banken geeinigt, 4,7 Mrd. Euro Schulden der Mobilcom in eine Wandelanleihe mit einem Kupon von 6,5% umzuwandeln, die frühestens in drei Jahren in FT-Aktien getauscht werden kann. Mit Nokia und Ericsson, die 1,2 Mrd. Euro Lieferantenkredite bereitgestellt hatten, erzielte FT ebenfalls Einigung.

Partnerschaft mit FT soll fortdauern

Vorstand und Aufsichtsrat von Mobilcom veröffentlichten am Mittwoch eine Erklärung, nach der sie davon ausgehen, dass die Partnerschaft mit France Télécom fortdauern werde. Nach dem Vertrag sei France Télécom verpflichtet, Mobilcom zu finanzieren. "Dieser Verpflichtung ist France Télécom trotz der - aus Sicht von Mobilcom rechtlich nicht fundierten - Kündigung bisher immer nachgekommen", heißt es in dem Schreiben. Auch die Vereinbarungen mit den Banken und die am Mittwoch bekannt gewordene Einigung mit Nokia seien deutliche Zeichen für eine gemeinsame Zukunft. "Bei Nichteinhaltung der finanziellen Vereinbarungen durch die France Télécom wären Schadensersatzforderungen unvermeidlich", so Mobilcom. Mobilcom-Großaktionär Gerhard Schmid wandte sich mit den selben Argumenten gegen die Meldungen aus Frankreich.

Deutsche Bankenkreise halten Insolvenz für unvermeidbar

In deutschen Branchenkreisen zeigte man sich am Mittwoch hingegen ziemlich sicher, dass eine Insolvenz für Mobilcom unvermeidbar sei. "France Télécom kann es sich doch gar nicht mehr leisten, die Schulden noch weiter zu erhöhen, indem sie Mobilcom übernimmt", sagte ein Experte. France Télécom hat derzeit knapp 70 Mrd. Euro Schulden. Nach früheren Aussagen Bons kämen bei einer Mobilcom-Übernahme bis zu 7 Mrd. Euro hinzu.

Analysten erwarteten, dass der Verwaltungsrat möglicherweise einen Kompromiss finden wird. Denkbar sei ein Szenario, nach dem die Franzosen nur teilweise die Schulden der Banken und Ausrüster in Form von Wandelanleihen übernehmen, meinte Chris-Oliver Schickentanz bei Dresdner Bank Anlagemanagement. France Télécom trenne sich dann aber trotzdem von ihren Mobilcom Mobilcoms-Aktien. Zukunft liege im Kerngeschäft, dem Weiterverkauf von Telefonverbindungen. 5 000 Beschäftigte würden dafür aber nicht benötigt.

Mobilcom-Aktie setzt Kurssturz ungebremst fort

Der Kurssturz der Mobilcom-Aktie hat sich am Donnerstag ungebremst fortgesetzt. Zu Handelsbeginn verlor das Papier des Mobilfunkanbieters aus Büdelsdorf rund 20 Prozent an Wert und notierte bei 1,66 Euro.

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