Aktie steigt
Comroad-Skandal weitet sich aus

Der Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter Comroad zieht immer weitere Kreise. KPMG räumte gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) ein, dass auch frühere Bilanzen unrichtig gewesen sein könnten. Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass auch die Umsätze in den Jahren 1998 bis 2000 zu einem Großteil nicht existierten, sagte ein Finanzexperte am Freitag.

dpa MÜNCHEN. "Wahrscheinlich sind Aktionäre, Analysten und der Aufsichtsrat von Anfang an betrogen worden", sagte er. Anders als der Abschluss 2001 seien die Bilanzen vor 2001 von Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft KPMG testiert worden. "Die Parallelen zum Fall FlowTex sind sehr groß", sagte er. Die Aktie stieg auf Grund spekulativer Käufe um 18,5 Prozent auf 0,32 ?. In den vergangenen Tagen war der Kurs dramatisch eingebrochen.

Aktionärsschützer hatten KPMG bereits am Donnerstag aufgefordert, ihre Rolle im Fall Comroad umfassend aufzuklären. Die Wirtschaftsprüfer hatten ihr Mandat vor wenigen Wochen wegen des Betrugverdachts niedergelegt. Nach einer Sonderprüfung durch die Gesellschaft Rödl & Partner gab der neue Comroad-Vorstand am Mittwoch bekannt, dass wohl nur ein Bruchteil des Umsatzes aus dem Jahr 2001 tatsächlich existierte. 98 Prozent des Umsatzes seien hingegen über Geschäftspartner in Asien verbucht worden, die es anscheinend nicht gab. Die Münchner Staatsanwaltschaft sieht ihren Verdacht durch das Ergebnis der Sonderprüfung erhärtet.

Die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner sind nach eigenen Angaben zurzeit dabei, die Bilanzen für die Jahre 1998 bis 2000 gründlich zu analysieren. Zu den Ergebnissen wollte sich ein Sprecher am Freitag nicht äußern. "Wir sind noch eifrig dabei, alles zu prüfen", sagte er. Firmengründer und Ex-Vorstandschef Bodo Schnabel sitzt wegen des Verdachts des Kursbetrugs bereits seit Ende März in Untersuchungshaft. Seine Ehefrau Ingrid, die jahrelang im Aufsichtsrat des Unternehmens saß, wehrt sich gegen ihre Abberufung. Sie habe nicht an der Buchhaltung und der Erstellung des Jahresabschlusses mitgewirkt, teilte ihr Anwalt am Freitag mit.

Die Comroad-Aktie verteuerte sich auch bei dem Anstieg um fast ein Fünftel lediglich um fünf Cent. Nach Ausbruch des Bilanzskandals hatte sich der Kurs am Mittwoch halbiert und am Donnerstag um weitere mehr als 20 Prozent nachgegeben. Die Spekulanten versuchten am Freitag, durch ihre Käufe den Aktienkurs hochzutreiben und damit Anleger zum Kauf zu bewegen, erklärten Händler die Entwicklung. Wenn dann der Kurs weiter steigt, könnten sie ihre Papiere mit Gewinn wieder abstoßen.

Bodo Schnabel hatte das Unternehmen 1995 gegründet. Comroad hat sich auf Telematik-Netzwerke spezialisiert, die die mobile Überwachung von Autos oder Lastwagen ermöglichen und für die Navigation oder zum Flottenmanagement verwendet werden können.

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