Aktie steigt trotz Skepsis der Analysten
Swiss Life hat das Vertrauen zurückgewonnen

Der Kursverlauf der Aktie von Swiss Life, dem größten Schweizer Lebensversicherer, bestätigt mal wieder alle Analysten-Kritiker: Während sich die Expertenzunft skeptisch gegenüber dem skandalgeschüttelten Unternehmen zeigt, gingen dessen Aktien durch die Decke. Von Niveaus von gut 40 Schweizer Franken im März hat sie sich mehr als verdreifacht und kratzte jüngst wieder an der Marke von 150 Schweizer Franken.

Richtig: Damit erscheint dieser Artikel rund drei Monate zu spät. In naher Zukunft ist nunmehr kaum damit zu rechnen, dass sich diese stürmische Entwicklung der Aktie weiter fortsetzt - auch, oder gerade weil vermutlich nun einige Analysten eilig ihr Urteil auf kaufen revidieren werden.

Eines scheint aber klar: Das neue Management unter CEO Rolf Dörig hat das Vertrauen der Anleger wiedergewonnen. Dieses war schwer erschüttert worden, nachdem der größte Schweizer Lebensversicherer das vergangene Jahr mit einem Verlust von 1,7 Mrd. Schweizer Franken abgeschlossen hatte und zudem aufgedeckt wurde, dass sich Ex-Manager mit Hilfe eines internen Anlage-Fonds über 10 Millionen Franken in die eigene Tasche geschleust hatten. Konzernchef Dörig spricht nun von "neuer Bescheidenheit" und stutzt die Schweizer Rentenanstalt wieder zu dem zurück, was sie mal war: ein klassischer, solider Lebensversicherer. Das kommt an.

Nun droht aber der Swiss - Life-Aktie erst einmal der Nachrichten-Stoff auszugehen, um die Fortsetzung der Rally zu begründen. Zwar könnte der geplante Verkauf der Privatbank Banca del Gottardo noch einmal für Stimmung sorgen. Ob das so sein wird, dürfte letztlich davon abhängen, welchen Preis die Swiss Life für die defizitäre Bank bekommt. Da sich der Verkauf lange hinzieht, erscheint Skepsis angebracht.

Das gilt auch für die Zukunft des Stammgeschäfts der Swiss Life, der betrieblichen Vorsorge in der Schweiz, die bei den Eidgenossen für jeden Arbeitnehmer Pflicht ist. Hier hat die Swiss Life im vergangenen Jahr 1,2 Mrd. Schweizer Franken verloren. Der Grund: Die Prämien waren nicht kostendeckend, da die Versicherer in der Schweiz ihren Kunden im Kollektiv-Geschäft eine 3,25-prozentige Verzinsung garantieren müssen - das ist mehr, als sie mit zehnjährigen Schweizer Obligationen (und damit ohne Währungsrisiko) erwirtschaften können. Kein Wunder, dass die Swiss-Life-Aktie an einem Tag rund 20 Prozent zulegte, als eine Expertenkommission eine erneute Absenkung des Mindestzinses auf 2 Prozent empfahl. Die Regierung will dem folgen, was die Swiss-Life-Ergebnisrechnung um 250 Millionen Schweizer Franken verbessern würde.

Dies zeigt aber vor allem eins: Das Stammgeschäft der Swiss Life bleibt im hohen Maße vom Wohl und Wehe der Politik abhängig. Sicher, man könnte dagegenhalten: Auf Grund ihrer großen Bedeutung für die zweite Säule der Schweizer Altersvorsorge dürften die Swiss-Life-Vertreter offene Ohren in der Politik finden. Aber die Tatsache, dass politische Entscheidungen unmittelbar auf die Erfolgsrechnung durchschlagen, hinterlässt ein ungutes Gefühl.

Das gilt auch für die mittlerweile sehr niedrige Aktienquote von unter 2 Prozent. Ein Lebensversicherer sollte so viel Aktien halten, wie seine Bilanz aushält; das bedeutet, mögliche Wertverluste von Aktien sollten die Erträge auf der Anleihenseite nicht in zu großem Maße aufzehren können. Die Swiss Life will künftig aber grundsätzlich nie mehr als 5 Prozent Aktien halten. Hier droht Ertragspotenzial verschenkt zu werden.

Und wer sagt eigentlich, dass Rentenpapiere ohne Kursrisiko sind? Kurzum: Der neue Chef Rolf Dörig hat von der Börse bereits reichlich Vorschusslorbeeren für seine Arbeit bekommen. Jetzt muss er auch liefern. Wer aber auf die Swiss-Life-Restrukturierungs-Story setzen will, ist schon zu spät dran.

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