Aktie stürzt ab
Analyst: Cargolifter ist de facto pleite

Die im MDax gelistete Aktie des Luftschiffbauer Cargolifter ist nach Berichten über finanzielle Schwierigkeiten des Unternehmens am Mittwoch drastisch eingebrochen. Der Kurs der Titel stürzte am Mittwochnachmittag um 50 % auf ein Rekordtief von 2,70 ? ab. "Ich würde mich bombastisch schnell aus der Aktie verabschieden", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Das Unternehmen sei de facto Pleite. "Ohne staatliche Hilfe kann es nicht überleben. Das sagt doch alles", fügte der Händler hinzu.

Reuters FRANKFURT. Zuvor hatte eine Sprecherin von Cargolifter, bestätigt, dass der Luftschiffhersteller ohne staatliche Hilfen vor dem Aus steht. Vorstandsvorsitzender Carl von Gablenz war zuvor in Presseberichten mit den Worten zitiert worden: "Das Cargolifter-Projekt (ist) im veränderten Umfeld ohne Staatshilfe nicht mehr zu machen." Das Unternehmen befände sich mit Bund und Ländern im Gespräch, sagte die Sprecherin am Mittwoch weiter. Die liquiden Mittel würden, wie bereits im November bekannt gegeben, noch mindestens bis zum Ende des ersten Quartals 2002 reichen.

Aufgrund von Sparmaßnahmen könnten die Mittel noch etwas länger reichen, hieß es weiter. Details zum Sparprogramm sollen am 25. Januar vorgestellt werden. Eventuell könnten dann auch schon neue Informationen zur Finanzierungslage von Cargolifter bekannt gegeben werden, sagte die Sprecherin. Derzeit liefen Gespräche in verschiedene Richtungen, um die fehlenden Mittel zu beschaffen.

Die bis zum Beginn der Serienproduktion 2004/05 benötigten 283 Mill. ? sollen über öffentliche Förderungen, Kredite über Bürgschaften oder der Beteiligung strategischer Partner hereingeholt werden, berichtete die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Aussagen des Firmenchefs bei einer Unternehmenspräsentation am Dienstagabend in München. Die Möglichkeit einer strategischen Partnerschaft sehe von Gablenz eher skeptisch. "Die Frage ist, wie kriegen sie einen Großen, ohne selbst gefressen zu werden?", wird von Gablenz in der Online-Ausgabe der Zeitung zitiert.

Im November 2001 hatte Cargolifter über eine Kapitalerhöhung 34 Mill. ? eingenommen. 2002 würden für die Entwicklung des Schwertransporters CL 160 weitere 100 Mill. ? benötigt, hatte es damals bereits geheißen. Von Gablenz wollte nun eine weitere Verzögerung im Zeitplan für die Zeppelinnachfolger, die mit 260 Metern Länge Gewichte von 160 Tonnen transportieren sollen, nicht ausschließen. Die Serienfertigung soll nach dem Zeitplan 2004/05 aufgenommen werden.

Die Aussagen des Firmenchefs seien als Appell an Bund und Länder zu verstehen, auch andere Luftfahrtprojekte zu fördern, sagte die Sprecherin weiter. Sofern sich keine Alternativen zur Finanzierung böten, seien auch staatliche Hilfen eine Möglichkeit. Neben dem Schwertransporter CL 160 entwickelt Cargolifter auch den Transportballon CL 75. Der erste Prototyp sei bereits fertig. Die kommerzielle Einführung ist für 2002/03 geplant.

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