Aktie stürzt ab
Kinowelt steht kurz vor dem Aus

Letzter Akt im Drama um die schwer angeschlagene Kinowelt: Die Großbank ABN Amro hat die Kredite gekündigt. Auch andere Banken verlieren die Geduld. Jetzt droht dem einstigen Börsen-Liebling die Insolvenz.

cbu MÜNCHEN. Schlechte Nachrichten aus München: Die Kinowelt Medien AG hat am Montag bekannt gegeben, dass die niederländische Bank ABN Amro ihre Kredite von gut 50 Mill. Euro gekündigt hat. "Kinowelt ist nicht in der Lage, diesen Betrag bis zum 28. November aufzubringen", teilte der Filmrechtehändler mit. Sollte es nicht zu einer kurzfristigen Einigung mit ABN Amro kommen, werde ein Insolvenzverfahren eingeleitet, hieß es. "Der Aufsichtsrat ist informiert", sagte dazu Aufsichtsrats-Chef Peter Bach. Weitere Mitteilungen wollte der Kölner Rechtsanwalt aber nicht machen.

Schon seit Monaten kreist der Pleitegeier über Kinowelt. Firmen-Chef und-Großaktionär Michael Kölmel hatte sich in der Euphorie des Medienbooms überhoben, insbesondere durch den Kauf eines 560 Mill. DM schweren Filmpakets des Hollywood-Studios Warner. Anfang September hatten die Gläubiger-Banken bereits mit der Sperrung der Kredite und dem Konkurs gedroht. Doch noch einmal gelang es Kölmel, die Banken hinzuhalten.

Zuletzt hatte der Kinowelt-Chef den Banken ein weiteres Sanierungskonzept vorgelegt. Es sah unter anderem den Verkauf der stark defizitären Multiplex-Kinos vor. "Einige Banken haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, einen Restrukturierungsbeitrag zu leisten", teilte Kinowelt gestern mit. Bisher hatten die Banken für einen neue Finanzspritze immer auf dem Einstieg eines finanzkräftigen Investors bestanden. Diesen konnte Kölmel aber trotz vieler Gespräche nicht präsentieren.

Kinowelt drücken derzeit Schulden von weit mehr als 400 Mill. Euro, die auf rund zwei Dutzend Banken entfallen. Den Hauptteil der Kredite teilen sich ABN Amro, die BHF-Bank und die Hypo-Vereinsbank (HVB). Nach dem Schritt von ABN Amro droht jetzt die Gefahr, dass auch andere Banken die Kredite kündigen. Bei der HVB heißt es, die Bank werde "kurzfristig ihre Vorgehensweise" entscheiden. Damit ist noch offen, ob auch die HVB ihre Kredite kündigen wird. "Wir stehen bis auf weiteres zur Verfügung", sagte am Montag dagegen ein Sprecher der BHF-Bank, die Kinowelt 1998 an den Neuen Markt geführt hatte. Die Bank warte ab, ob sich die "Sachlage ändert". ABN Amro gab keine Stellungnahme ab.

Noch laufen die Gespräche. Doch in Bankenkreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass Kinowelt noch eine Lösung für den Liquiditätsengpass findet. Denn die Filmbibliothek der Kinowelt dürfte angesichts der schweren Krise in der Medienbranche nicht sehr werthaltig sein, lediglich das DVD-Geschäft gilt derzeit als profitabel.

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Kredite etwa von ABN Amro nicht besichert sind. "Das Vorgehen der ABN Amro Bank widerspricht allen ökonomischen Überlegungen", haderte Kinowelt gestern mit dem Schicksal. Die Kinowelt-Aktie brach um rund 30 % auf nur noch gut 0,60 Euro ein.

Analysten zeigten sich nicht überrascht von dem bevorstehenden Aus der Firma. "Das war abzusehen", hieß es. Eine Insolvenz sei jetzt wahrscheinlich. "Wir raten von Spekulationen mit der Kinowelt-Aktie ab", schreibt West LB-Experte Stefan Weiss. Der Liquidationswert des Unternehmens dürfte zudem nicht sehr hoch sein.

Derzeit beschäftigt Kinowelt noch knapp 800 Mitarbeiter. Im ersten Halbjahr 2001 machte der Filmhändler einen Umsatz von knapp 119 Mill. Euro und einen Vorsteuer-Verlust von 196 Mill. Euro. Die Zahlen für das dritte Quartal will das Unternehmen an diesem Freitag präsentieren. Ein Erholung des Geschäftes ist aber nicht in Sicht. "Den Weg den wir jetzt beschreiten ist immer der schlechteste Weg", kommentierte ein Banker das wohl unausweichliche Insolvenzverfahren, das dem einstigen Börsenlieblings bevorsteht.

Erst Mitte Oktober hatte Kinowelt angesichts der Finanzprobleme die Rechte für den Kinofilm "Der Herr der Ringe" verloren. Kölmel hatte in die Verfilmung des Bestsellers von J.R. Tolkien große Hoffnungen gesetzt. Der Streifen soll im Dezember anlaufen. Für 2002 und 2003 war dafür ein Umsatz von rund 25 Mill. Euro einkalkuliert. Zuvor schon musste Kinowelt das Merchandising-Geschäft einstellen.

Anfang diesen Jahres hatte sich noch die Münchener Rück mit knapp 5 % an Kinowelt beteiligt und dafür eine Finanzspritze geleistet. Damals lag der Kurs bei etwa 17 Euro. Der Höchststand wurde im Sommer 1999 bei rund 85 Euro erreicht.

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