Aktie stürzt ab
S&P stuft Commerzbank-Ratings runter

Die Agentur Standard & Poors (S&P) hat wesentliche Ratings für die Commerzbank heruntergestuft. Die Aktie von Deutschlands drittgrößtem börsennotierten Kreditinstitut setzte derweil ihre Talfahrt an der Börse rasant fort und erreichte neue historische Tiefstände.

Reuters LONDON/FRANKFURT. Das fundamentale Kreditrating der Bank, das so genannte langfristige Counterparty-credit-Rating und das Rating für die Einlagenzertifikate seien auf "A-" von bislang "A" reduziert worden, teilte die Agentur mit. Die Rückstufung habe aber nichts mit jüngsten Spekulationen über angebliche Liquiditätsprobleme der Bank, eine zu niedrige Kernkapitalquote oder außergewöhnlich hohe Verluste in einem ihrer Geschäftsbereiche zu tun. Entsprechende Befürchtungen am Markt seien unbegründet. Die Herabstufung reflektiere aber das weiter abgeschwächte Geschäft der Commerzbank und das verschlechterte Risikoprofil in einem insgesamt schwachen wirtschaftlichen Umfeld, hieß es.

Gerüchte über eine angebliche Liquiditätskrise hatten die Aktie der Commerzbank in den vergangenen Tagen bereits massiv unter Druck gesetzt. Am Montag war das Papier schon auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Die Commerzbank hatte die Spekulationen - ohne Erfolg - zurückgewiesen und mitgeteilt, keine Kapitalerhöhung zur Verbesserung der Situation zu planen. Am Dienstag ging die Talfahrt unvermindert weiter. Am Nachmittag markierte die Aktie bei nur noch 5,25 Euro mit mehr als acht Prozent im Minus auf einem neuerlichen Tief.

Im Verlauf dieses Jahres hat die Commerzbank-Aktie damit zwei Drittel ihres Wertes verloren. Die Marktkapitalisierung ist bereits auf einen Bruchteil des Buchwertes gesunken. "Die derzeitigen Kursverluste bei deutschen Banken ist mit Sicherheit übertrieben, aber andererseits ist es auch eine schwierige Situation für Banken", sagte Andreas Schäfer, Fondsmanager bei Activest in München. Die Commerzbank leidet wie auch andere deutsche Geldhäuser unter der schwachen Börse und Konjunktur, die auf die Erträge drücken, sowie unter ihren hohen Verwaltungskosten.

S&P reduzierte unterdessen auch die Kurzzeitratings der Commerzbank für Kredite und Einlagenzertifikate auf "A-2" von bislang "A-1". Gleichzeitig sei das Langfrist-Kreditrating für die Hypothekenbank in Essen, an der die Commerzbank 51 Prozent hält, auf "BBB+" von bislang "A-" zurückgenommen worden, hieß es. "Die Zurückstufung der Ratings reflektiert das weiter abgeschwächte Geschäft und das Risikoprofil, da der wirtschaftliche Abschwung zu einer weiteren Verzögerung der Verbesserung der Kernprofitabilität und der mittelfristigen Kapitalstärke führen wird", schrieb Analyst Stefan Best zur Commerzbank. Außerdem berücksichtige die Zurückstufung die wachsenden negativen Bewertungsreserven im Investment-Portfolio der Bank, die aus dem Kursverfall an den Aktienmärkten in diesem Jahr resultierten. Auch wenn diese unrealisierten Verluste nach Einschätzung von S&P den finanziellen Handlungsspielraum der Commerzbank einschränken, werde die Kapitalquote der Bank komfortabel über den von den Aufsichtsbehörden geforderten Werten liegen.

Die Kurse der Commerzbank-Anleihen gaben in Reaktion auf die Herunterstufung nach. Der Senior-Euro-Bond der Bank zu 6,125 Prozent mit Laufzeit Oktober 2010 rentierte 130 Basispunkte über Bundesanleihen und damit rund 15 Basispunkte höher als am Montag. Die Rendite von Anleihen steigt, wenn ihr Kurs sinkt. "Die Herunterstufung kam nicht gerade als Schock, war aber auch nicht komplett eingepreist", sagte ein Rentenhändler. "S&P hat schneller gehandelt, als wir erwartet hatten."

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