Aktie stürzt auf neues Jahrestief
Hypo-Vereinsbank will für Beratung künftig Geld haben

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) hat im zweiten Quartal offenbar die allgemeine Marktschwäche deutlich zu spüren bekommen. Dem Vernehmen nach ist der Gewinn unter das Niveau des bereits enttäuschenden Erstquartals gerutscht. Unter Umständen muss die Prognose für das Gesamtjahr nach unten revidiert werden, heißt es in München.

cbu MÜNCHEN. Die zweitgrößte Bank Deutschlands plante bisher für 2001 eine Eigenkapital-Rendite von 10 bis 12 %. Die Aktie rutschte gestern zeitweise um über 5 % auf ein Jahrestief, erholte sich aber wieder leicht. Am Donnerstag nächster Woche will die HVB die Zahlen für das zweite Quartal präsentieren.

Gleichzeitig wird die HVB das Privatkundengeschäft grundlegend umbauen. Der Konzern will durch die Restrukturierung dieses Bereichs bis Ende 2003 Synergien von 400 bis 500 Mill. Euro erzielen, sagte HVB-Vorstand Eberhard Rauch in München. Kern des Umbaus ist eine deutliche Ausdünnung des Filialnetzes und eine Differenzierung nach Kundengruppen.

Umfangreiche Beratung für vermögendere Kunden

Rauch berichtete, dass vermögendere Kunden ab einem Anlagevolumen von 75 000 Euro fünfmal mehr Beratung in Anspruch nehmen. Dem soll durch die geplante Restrukturierung Rechnung getragen werden. So soll das Filialgeschäft rentabler gemacht werden. Umfangreiche Beratung müsse künftig gesondert bezahlt werden.

"Mehrwert-Dienste haben ihren Preis", betonte Rauch, der von einer so genannten "Club-Lösung" sprach. Vermögende Kunden werden auf Wunsch von gesonderten Beratern in Extra-Bereichen gegen Gebühr betreut.

Die Deutsche Bank hatte bereits im vergangenen Jahr für die vermögende Privatkundschaft Beratungsgebühren eingeführt. Im Gegenzug wurden die Preise für ausgeführte Transaktionen gesenkt.

Standardisierter Service für "Universalkunden"

Die große Zahl der "Universalkunden" der HVB erhält laut Rauch dagegen einen standardisierten Service. In diesem Segment wurden bisher rote Zahlen geschrieben. Deshalb müsse hier weiter rationalisiert werden. Die Produktpalette werde gestrafft, der Selbstbedienungsgrad soll steigen.

Im kommenden Jahr werden dazu weitere 90 Filialen geschlossen und mindestens erneut 500 Mitarbeiter abgebaut. Seit Herbst 1998 ist damit das HVB-Filialnetz von mehr als 1 300 auf rund 840 geschrumpft. Wie berichtet, werden die Noris-Bank und die Vereins und Westbank - in das HVB-Netz integriert, ebenso die Filialen der Bethmann-Bank.

Synergien von bis zu 1,2 Mrd. Euro

Die Deutsche Bank hat das Massengeschäft in die Bank 24 ausgegliedert. Rauch erklärte dazu, alle Kunden würden weiter im HVB-Konzern betreut. Auch künftig wird es seiner Aussage zufolge kein "Zwei-Klassen-System" geben.

HVB-Chef Albrecht Schmidt baut derzeit den Konzern grundlegend um. Insgesamt werden Synergien von bis zu 1,2 Mrd. Euro erwartet. Neben dem Privatkunden-Geschäft wird derzeit der Bereich Immobilienfinanzierung restrukturiert. Die Gründung der HVB Real Estate Bank soll Synergien von 160 Mill. Euro bringen. Gleichzeitig wird der Bank-Austria-Konzern integriert (Synergien 600 Mill. Euro). Zudem arbeitet Schmidt an der Umsetzung der Allfinanz-Kooperation mit der Münchener Rück.

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