Aktie stürzt nach Gewinnwarnung ab
Musikkonzern Emi muss Übernahme fürchten

Analysten in London erklärten, die drittgrößte Plattenfirma der Welt drohe mit einem Marktwert von umgerechnet nur noch 5 Mrd. DM erneut zum Übernahmekandidaten zu werden. Weil aus kartellrechtlichen Gründen andere Musikunternehmen jedoch kaum noch in Frage kommen können, rechnen die Marktbeobachter eher mit branchenfremden Interessenten.

and/pos LONDON. Als Interessenten werden speziell Walt Disney gehandelt, die schon vor längerem Interesse an Emi bekundet hatten, aber auch die Microsoft Corp. Letztere will mit der Software "Mediplayer" in den digitalen Medienvertrieb einsteigen, besitzt aber noch keine attraktiven eigenen Inhalte. Konkurrent Real Media ("Real Player") hat sich dagegen bereits mit den Branchenriesen Warner Music, Bertelsmann Music Group (BMG) und Emi ("Musicnet") zusammen geschlossen. Microsoft konnte wiederum Sony Music und Universal Music ("Pressplay") von seiner Technologie überzeugen. Ein Wechsel von Emi zu Microsoft würde die Ausgangspositionen im digitalen Musikhandel deutlich verschieben.

Emi hat rund 1 500 Künstler unter Vertrag und vermarktet unter anderem die Beatles, die Rolling Stones, Pink Floyd, Robbie Williams und die Spice Girls. Vor allem die bekannte Marke "Virgin Records" und eine riesige Bibliothek mit alten Musikrechten (Emi Music Publishing) macht Emi interessant für Aufkäufer.

Wie die EMI Group Plc am Dienstag mitteilte, erwartet das Management im laufenden Geschäftsjahr beim Vorsteuergewinn einen Rückgang von rund 20 %. Im Vorjahr wurden vor Steuern 162,8 Mill. £ (rund 505 Mill. DM) verdient. Vor allem in den USA habe Emi eine drastische "Verschlechterung am Markt" erlebt, begründete der Konzern seine Gewinnwarnung.

Der Konzern kündigte ein Sparprogramm im Umfang von 100 Mill. £ an. Davon sollen bereits 15 Mill. £ im ersten Halbjahr des kommenden Geschäftsjahres (31. März) umgesetzt werden. Dabei seien auch weitere Stellenstreichungen, die Restrukturierung der Platten-Label sowie ein Rückzug aus Herstellung und Vertrieb nicht ausgeschlossen.

Analysten zeigten sich überrascht von der pessimistischen Prognose. "Die Lage der Branche ist schlecht", meinte ein Banker gestern, "aber ich hätte nicht gedacht, dass sie bei Emi so schlecht ist." Emi drohe unter einem Wert von 300 Pence pro Aktie die Übernahme, hieß es. Die Aktie notierte gestern am Nachmittag bei 216 Pence.

Die Wettbewerbsbehörden haben bereits zweimal Fusionspläne des Konzerns untersagt. Emi hatte zunächst versucht, mit dem US-Rivalen Warner Music Corp zu fusionieren. In diesem Jahr scheiterte der erst seit 1999 amtierende Emi-Chef Eric Nicoli am geplanten Zusammenschluss mit der BMG.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%