Aktie stürzt nach Insolvenzgerüchten ins Bodenlose
Vivendi-Krise schockt Frankreich

Die Aktie stürzt ins Bodenlose, dem Konzern droht die Zerschlagung, hinzu kommen Berichte über Bilanzmanipulationen - die Krise bei Vivendi alarmiert die Regierung in Paris.

abo PARIS. Der französische Medien- und Versorgerkonzern Vivendi Universal ist in die schwerste Krise seiner mehr als 150 Jahre währenden Geschichte geraten. Die französische Regierung versucht nun, die drohende Zerschlagung des zweitgrößten Medienkonzerns der Welt zu verhindern. Am Dienstagmorgen hatte der bisherige Vorstandschef Jean-Marie Messier unter dem Druck der Politik seinen Rücktritt angekündigt. Nach Informationen des "Wall Street Journals" soll er eine Abfindung von 18 Mill. Euro erhalten.

Der Aktienkurs von Vivendi brach gestern um 40 % ein. Die Börse reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, der Konzern habe die Bilanz manipuliert. "Wir alle haben Angst, dass Vivendi der nächste Fall Enron sein könnte", sagte ein Händler. Vivendi drohte zwischenzeitlich die gesamte Pariser Börse mitzureißen. Auch weltweit reagierten die Börsen mit hohen Kursverlusten. "Vivendi kann binnen zwei Monaten in ernsthafte Liquiditätsprobleme geraten", bestätigte ein Analyst der Ratingagentur Standard & Poor?s am Dienstagabend die Sorgen der Beobachter.

Die französische Politik versucht nun, den Schaden unter Kontrolle zu halten. Jean-René Fourtou, Aufsichtsrat des Pharma-Konzerns Aventis, soll möglicherweise bereits heute Abend als Messier-Nachfolger präsentiert werden. Der 63-Jährige gilt als herausragender Manager mit guten Kontakten zur Regierung. Er hat die Fusion von Rhône-Poulenc und Hoechst zu Aventis eingefädelt.

Aufgabe des neuen Vivendi-Chefs ist es nach dem Willen von Staatspräsident Jacques Chirac, die drohende Zerschlagung des Konzerns zu verhindern. An einer Aufspaltung arbeiten nach Informationen aus Unternehmenskreisen die großen US-Investoren um die Familie Bronfman. Sie wollen sich günstig in den Besitz wichtiger Konzernteile bringen, wie etwa der Film- und Musiksparte Universal.

Während des Wahlkampfs hatte Chirac kürzlich bereits die Richtung vorgegeben: "Vivendi darf nicht in irgendwelche Hände geraten, schon gar nicht in ausländische." Vivendi ist größter privater Arbeitgeber Frankreichs und gilt auch als kultureller Bannerträger des Landes. Deshalb sind weite Teile der Öffentlichkeit und der französischen Aktionäre daran interessiert, den Konzern vor der Zerstückelung zu bewahren.

Vivendi ist als Wasserversorger groß geworden. Erst unter Messiers Führung wandelte sich das Unternehmen innerhalb weniger Jahre durch milliardenteure Übernahmen zu einem Medienkonzern, ehe es in den Sog der High-Tech-Krise geriet. Auf dem Konzern lasten Schulden von insgesamt fast 34 Mrd. Euro.

Am Abend verabschiedete sich Messier, der Vivendi seit 1996 geführt hatte, von seinen Mitarbeitern. Dabei räumte er ein, dass der Konzern in den vergangenen Tagen gegen "finanzielle Schwierigkeiten" habe kämpfen müssen. "Ich gehe, damit Vivendi weiterleben kann", sagte er.

Quelle: Handelsblatt

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