Aktie unter der Lupe: 3M wird den Analysten langsam unheimlich

Aktie unter der Lupe
3M wird den Analysten langsam unheimlich

Der US-Mischkonzern 3M hat in den vergangenen Jahren kaum einen Aktionär enttäuscht. Seine Prognosen hielt das Unternehmen immer ein, meist übertraf es sie sogar. Der Aktienkurs spiegelt die Zuverlässigkeit wider: Seit Jahrzehnten steigert das Unternehmen seinen Börsenwert. Analysten raten, jetzt Gewinne mitzunehmen.

FRANKFURT/M. Die Entwicklung des Aktienkurses des US-amerikanischen Mischkonzerns 3M ist mehr als beeindruckend. Der Aufwärtstrend der Aktie ist seit 1982 intakt. Seit Beginn der Börsenbaisse im März 2000 hat das Papier seinen Wert um zwei Drittel gesteigert. Der US-Standardwerteindex Dow Jones, dem das früher als Minnesota Mining and Manufacturing Company bekannte Unternehmen angehört, büßte in diesem Zeitraum fast ein Drittel seines Wertes ein. Doch obwohl 3M unter Experten als hervorragendes Unternehmen gilt, raten sie vom Kauf der Aktie ab. Der Konzern sei mit einer Marktkapitalisierung von über 50 Mrd. Dollar zu hoch bewertet.

In Europa war 3M bislang vor allem durch seine gelben "Post-it"-Klebezettel ein Begriff. Mehr oder weniger traurige Anlässe haben zuletzt die Bekanntheit des Konzerns diesseits des Atlantischen Ozeans erhöht. Zunächst kauften amerikanische Bürger nach Warnungen der US-Regierung vor möglichen Giftgasanschlägen auf amerikanische Städte die Läden leer, um ein bestimmtes 3M-Klebeband zum Abdichten ihrer Fenster zu erwerben. Seit Ausbruch der Lungenkrankheit SARS mehren sich Fernsehbilder, in denen verängstigte Asiaten ihre Atemwege mit 3M-Mundschutzapparaturen vor Viren zu schützen hoffen. Die Gesundheitsprodukte sind mittlerweile das größte Geschäftsfeld von 3M. Daneben ist das Unternehmen mit Konsumenten- und Industrieprodukten sehr breit aufgestellt.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der 3M-Aktie aber liegt bei 22. "3M ist damit um fast ein Drittel höher bewertet als der Durchschnitt der Unternehmen des Dow-Jones-Index", sagt Fondsmanager Leif Millarg von Activest, der für die Fondsgesellschaft global aufgestellte Fonds verwaltet. Das Unternehmen mit Sitz in St. Paul, Minnesota, stehe für praktisch alles, was in der New-Economy-Boomphase Ende der 90er-Jahre "out" gewesen sei - wie vorsichtige Bilanzierung, eingehaltene Prognosen und verlässliche Produkte. Das habe einen großen Anteil besonders an der guten Wertentwicklung in der Aktienbaisse gehabt. "Jetzt aber sind diese Vorteile mindestens eingepreist", sagt Millarg. Die von ihm betreuten Fonds hätten den Wert verkauft.

Auch Raphael Schindelholz, Analyst für US-amerikanische Werte bei der Schweizer Banque Cantonale Vaudoise lobt 3M über den grünen Klee: Das "starke Management, das effektive Business-Modell und das diversifizierte Portfolio der Aktivitäten" beeindrucken den Analysten besonders. Doch auch ihm erscheint "die Prämie von 36 Prozent gegenüber der Peer- Group zu hoch". Er empfiehlt, den Wert zu reduzieren.

Wenn die Aktienmärkte allgemein wieder steigen, würden - auch wegen der hohen Bewertung des Unternehmens - andere Werte stärker anziehen, sagt ein US-Analyst einer großen europäischen Bank. "Denn für ein trotz aller Diversifizierung immer noch zyklisches Unternehmen ist 3M einfach extrem teuer."

Auch die Dividendenrendite von nur zwei Prozent zeige, dass die Bewertung zu hoch ist. Denn sie liege deutlich unter dem Durchschnitt des Dow Jones von knapp drei Prozent. Gerechtfertigt wäre sie nur, wenn 3M seine Gewinne Jahr für Jahr um "mindestens zehn Prozent" steigern würde. Das klappte zwar im vergangenen Jahr, in manchen Vorjahren sank der Gewinn aber sogar. Bald werde der Markt die Überbewertung bereinigen. Am 21. April legt 3M seine Quartalszahlen vor. Sie sind ein Indikator, wie sich das Konzernergebnis im Gesamtjahr entwickeln könnte.

Charttechnisch sieht 3M viel versprechend aus. "3M ist einer der wenigen Werte mit einem intakten langfristigen Aufwärtstrend", sagt Charttechnik-Experte Hans-Peter Reichhuber von der Bayerischen Landesbank. Vor einer Woche markierte die Aktie ein neues Allzeithoch. Kurz zuvor hatte der Wert den Widerstand bei 130 Dollar durchbrochen, mit dem er seit fast einem Jahr gekämpft hatte - für Reichhuber ein "klares Kaufsignal". Er warnt aber vor einer "Bullenfalle", also davor, dass die Aktie wieder unter 130 Dollar fällt und der Ausbruch über diese Marke nicht von Dauer sein könnte. Dies gelte es zu beobachten.

Für Aktionäre wären Rückschläge im Aktienkurs sogar wünschenswert. "Auf einem niedrigeren Niveau ist 3M auf jeden Fall ein Wert, den Anleger einsammeln sollten", sagt Fondsmanager Millarg. Auch Schindelholz rät bei Kursen um 110 Dollar zu kaufen. Momentan sollten Anleger aber eher Gewinne mitnehmen.

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