AKTIE UNTER DER LUPE
Aareal Bank gilt als günstig bewertet

Im ersten Jahr der Eigenständigkeit hat die Aareal Bank den Gewinn kräftig gesteigert. Analysten loben die gute strategische Position der Bank und erwarten deutliche Kursgewinne der Aktie.

DÜSSELDORF. Mit den deutschen Banken wird der Vorstandschef der Aareal Bank, Karl-Heinz Glauner, nicht gerne in einen Topf geworfen.Er sieht sein auf Immobilienfinanzierung spezialisiertes Institut lieber als internationales Finanzhaus. Und tatsächlich unterscheidet sich die Aareal Bank von den anderen deutschen Geldinstituten in einem Punkt ganz deutlich: Während die Branche allgemein über hohe Risiken, gewaltige Wertberichtigungen und - wenn überhaupt - schwache Gewinne stöhnt, läuft das Geschäft der Wiesbadener Bank ausgezeichnet.

Im Jahr 2002, dem ersten nach Abspaltung von der Depfa Deutsche Pfandbriefbank, hat die Aareal Bank ihren Gewinn nahezu vervierfacht. Der Jahresüberschuss betrug 87 Mill. Euro, nach 22 Mill. Euro im Jahr zuvor. Für 2003 kündigte Glauner weiteres, wenn auch deutlich moderates, Wachstum an. Der Jahresüberschuss soll auf 90 Mill. Euro steigen. An der Börse wurden die Zahlen der Aareal Bank erfreut aufgenommen: Der Aktienkurs kletterte bis über 14 Euro-Anfang April notierte das Papier noch bei Werten um 10 Euro. Aber damit sollte der Kursanstieg noch nicht vorbei sein. Neun Investmentbanken haben sich in den vergangenen Wochen über Aareal geäußert, und alle kommen zu dem gleichen Ergebnis:Die Aktie ist ein "Kauf".

Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim bewertet Aareal sogar mit "Strong Buy" (starker Kauf). Seiner Ansicht nach spricht allein die günstige Bewertung schon für weitere Kursgewinne: "Bei einem Kurs von 14 Euro ist die Aareal Bank mit einer Marktkapitalisierung von 500 Mill. Euro bewertet. Gleichzeitig beträgt das Eigenkapital aber rund 1 Mrd. Euro", sagt er. Damit liege das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bei 0,5. "Da wir aber davon ausgehen, dass die Bank ihre Eigenkapitalkosten decken kann, wäre ein KBV von eins angemessen." Sen sieht den fairen Wert für die Aktie daher wesentlich höher, bei 25 Euro. Auch in puncto Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist Aareal sehr günstig bewertet. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank kommen in einer Studie auf ein KGV von 4,9 auf Basis der für 2003 erwarteten Gewinne. "Damit gehört das Papier zu den am günstigsten bewerteten Papieren am deutschen Markt", heißt es in der Studie.

Neben der Bewertung spricht auch die strategische Position für die Aareal Bank, findet Jörn Kissenkötter von M.M. Warburg:"Aareal ist eine grundsolide Bank mit einem weit diversifizierten Geschäftsfeld und einer großen Expertise." Ihm gefällt vor allem, dass das Institut nicht nur auf das Volumen schaut. Vielmehr setze es konsequent auf hohe Margen und fahre das Volumen in Märkten, in denen die Preise niedrig seien, zurück. Diese Strategie hat dazu geführt, dass der deutsche Markt für die Aareal nur noch eine geringe Rolle spielt. "Die Bank finanziert nur noch Projekte, die ihren hohen Renditeanforderungen entsprechen. Daher kommen inzwischen drei Viertel des Neugeschäftes aus dem Ausland", so Kissenkötter. Wichtige Märkte seien neben Westeuropa vor allem Kanada und die USA, wo die Aareal Bank ihr Engagement wieder verstärken will.

Zwar hat die Bank noch eine Reihe deutscher Kredite mit geringeren Renditen und höheren Risiken, die sie aus dem Portfolio der Depfa Bank übernommen hat. Große Risiken erwarten die Analysten hieraus aber nicht mehr:"Ich gehe davon aus, dass die Bank ihr Kreditbuch ausgeglichen hat", sagt Sen. "Neben den Problemkrediten hat das Depfa-Portfolio auch einige Ertragsperlen zu bieten, so dass per saldo die Risiken gering sein sollten", glaubt auch Kissenkötter.

Sen erwartet, dass die gute strategische Position der Aareal Bank helfen wird, ihr Kreditbuch künftig wesentlich aufzubessern: "Viele Banken haben sich aus dem Bereich Immobilienfinanzierung zuletzt zurückgezogen. Dadurch wird der Wettbewerb unter den Unternehmen, die Kredite brauchen, schärfer und verschafft der Aareal eine günstige Position, weil sie höhere Preise erzielen kann. Im Neugeschäft sind Eigenkapitalrenditen von 15 und mehr Prozent möglich."

Viel versprechen sich die Analysten auch von dem Dienstleistungssektor, in den die Aareal Bank in den vergangenen Jahren kräftig investiert hat. Über die IT-Tochter Aareon bietet das Institut in Kooperation mit SAP IT-Lösungen für die Immobilienverwaltung an. Außerdem ist die Bank in den Bereich Immobilien-Asset-Management (Vermögensverwaltung) eingestiegen. "Die Strategie, sich in diesen Wachstumsfeldern zu verstärken, ist absolut richtig und trägt zu einer breiteren Diversifizierung der Bank bei", lobt Kissenkötter. Zwar würden die Bereiche auf kurze Sicht noch keine nennenswerten Erträge liefern, mittelfristig sei von ihnen aber ein wichtiger Ergebnisbeitrag zu erwarten. Wie Sen sieht er den fairen Wert für die Aktie bei 25 Euro.

Quelle: Handelsblatt

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%