Aktie unter der Lupe
ACG hängt am Tropf der Halbleiterbranche

Umsatz über Plan, Gewinn darunter. Mit dieser verhaltenen Aussage konfrontierte der Wiesbadener Chip-Händler ACG zuletzt die Anleger. Trotzdem stieg die Aktie deutlich an. Dauerhaft rechnen die wenigen Analysten, die ACG noch beobachten, jedoch erst dann mit einem Kursanstieg, wenn es mit der Halbleiterbranche nach oben geht.

FRANKFURT/M. Wer eine Gewinnwarnung aussprechen muss, der veröffentlicht diese, weil ihn die Börsenregeln dazu zwingen. In die Medien drängt es die Firmenchefs dann kaum. Zu unangenehm sind die Fragen nach unternehmerischen Fehleinschätzungen. Zumindest darin unterscheidet ACG-Gründer und Vorstandschef Cornelius Boersch von der breiten Masse. "Ich habe schon mehr Spaß an der Arbeit gehabt", gab er nach der jüngsten Gewinnwarnung gegenüber dem Handelsblatt offen zu. Schließlich sind die geschäftlichen Rahmenbedingungen für ACG seit Jahresbeginn kontinuierlich schlechter geworden. Das lag allerdings in erster Linie nicht am Unternehmen selbst, sondern viel mehr an der miserablen Lage der Halbleiterindustrie. Für die ACG-Aktie spricht lediglich , dass zumindest der Umsatz im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten übertraf. Mit 88 Mill. Euro rechnete Oliver Drebing vom unabhängigen Hamburger Analysehaus SES Research. 96,6 Mill. Euro sind es zwischen Juli und September geworden. Womöglich ist das der Grund, warum die ACG-Aktie in den letzten Tagen trotz Gewinnwarnung deutlich zulegen konnte.

Sorgen bereitet hingegen die Ertragssituation. Der Nettoverlust betrug wie im zweiten Quartal 1,4 Mill. Euro, hier hatte Drebing lediglich mit 0,4 Mill. Euro gerechnet. Ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist damit nicht mehr möglich, lediglich vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sind noch schwarze Zahlen zu erwarten. Grund für die aktuelle Geschäftsentwicklung ist nach Drebings Ansicht, dass der Umsatzanstieg lediglich auf das margenschwache Überbestandsmanagement zurückzuführen ist, während die Umsätze mit Smart Cards stagnieren. "In diesem Bereich herrscht ein katastrophales Marktumfeld", gibt auch Cornelius Boersch zu.

Das ist der eine Grund, warum von Analystenseite das Interesse an ACG nachgelassen hat. Der andere ist die derzeitige starke Veränderung in den Research-Abteilungen der Banken. Befassten sich im Sommer noch acht Analysten mit ACG, so sind es jetzt noch drei. Neben Oliver Drebing ("marketperformer") rät das New Market Team von Independent Research zum "Halten".

Etwas positiver ist Thomas Becker von HSBC Trinkaus & Burkhardt gestimmt, der "Hinzufügen" sagt. Allen gemeinsam ist die Einschätzung, dass es mit der ACG-Aktie erst dann wieder ernsthaft nach oben gehen kann, wenn es auch innerhalb der Technologiebranche zu einem kräftigen Aufschwung kommt. Der ist jedoch derzeit nicht in Sicht. ACG selbst geht frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2003 davon aus. Unterstützung erhalten die Wiesbadener von prominenter Stelle. Der US-Konzern National Semiconductor hatte am Montag eine Erholung der Branche bis Juli 2003 vorhergesagt.

Bis es soweit ist, will Cornelius Boersch weiter kräftig auf die Kostenbremse treten. Die Restrukturierung ist zwar weitestgehend abgeschlossen, die Kosten müssen jedoch weiter runter. Um auf dem brachen Halbleitermarkt bis zu dessen Wiedererstarken eine bedeutende Rollen spielen zu können, soll vor allem der Vertrieb gestärkt werden. Was zählt sind Margen und Profitabilität, weniger das reine Umsatzwachstum. Die Konsequenzen sollen bereits im vierten Quartal zu spüren sein. Eine "Task Force Neukunden" wurde ebenfalls ins Leben gerufen.

Gleichzeitig soll die Konzentration wieder dem reinen Kerngeschäft gelten. Beteiligungen, die davon abweichen, stehen auf dem Prüfstand. Vor allem vom Geschäftsbereich Microidentt - hier sind vier Gesellschaften zusammengefasst, die kontaktlose Smart Card sowie Transponder produzieren - will man sich trennen. Die Analysten betrachten es mit Wohlwollen, sehen aber auch das Branchenumfeld. "Mehr Chancen als Risiken" lautet denn auch das Urteil von Oliver Drebing zur ACG-Aktie.

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