Aktie unter der Lupe
Adecco profitiert vom Trend zur Zeitarbeit

Adecco scharrt mit den Hufen. Bleibt es bei der strikten Umsetzung der Hartz-Vorschläge, wird die Bedeutung von Zeitarbeit in Deutschland deutlich zunehmen. Davon könnte auch der Weltmarktführer Adecco profitieren. Analysten halten die Aktie auch für interessant, weil Zeitarbeitsfirmen sehr früh auf einen möglichen Aufschwung reagieren.

DÜSSELDORF. Wolfgang Clement drückte es drastisch aus. Leih- und Zeitarbeit müsse in Deutschland "aus der Schmuddelecke herausgeholt werden.", sagte der Arbeitsminister vergangene Woche im Bundestag. Den Zeitarbeitsfirmen, allen voran Adecco, kann das nur recht sein. Mit einem Anteil von 0,9 % an allen Arbeitnehmern fristen die Zeitarbeiter in Deutschland bislang ein Schattendasein. Die "Hartz- Vorschläge" sollen das ändern.

Adecco wuchs in den vergangenen Jahren durch einen Mix aus organischem Wachstum und Übernahmen zum weltweit größten Zeitarbeits- und Personalvermittler mit 30 000 Mitarbeitern und 17 Mrd. Euro Jahresumsatz. Spielraum für die weitere Expansion ist vorhanden, denn die Personalvermittlungsbranche setzt jährlich weltweit etwa 400 Mrd. Euro um.

Analysten heben immer wieder den frühzyklischen Charakter von Adecco hervor. "Der Bedarf nach Zeitarbeit steigt bei Unternehmen in der frühen Phase einer wirtschaftlichen Erholung besonders stark an", sagt Fabrice Theveneau, Analyst von Société Générale Securities. Unternehmen setzen in der Frühphase eines Aufschwungs verstärkt auf Zeitarbeiter, bevor sie feste Verträge abschließen. "Die AdeccoAktie ist ein hochzyklischer Wert", schreiben auch die Analysten von UBS Warburg in einer aktuellen Studie.

Die Aktie stieg im Oktober bereits kräftig an; selbst ein enttäuschender Quartalsgewinn, den der Konzern am 23. Oktober vorlegte konnte den Kursanstieg nicht bremsen. Analysten elektrisierte, dass die Umsätze im dritten Quartal in den jeweiligen Landeswährungen wieder um 1% gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen. Für das vierte Quartal hält der erst im Frühjahr berufene Vorstandschef Jerome Caille ein Umsatzwachstum von 3 % für realistisch. "Der Umsatz steigt in den Kernmärkten wieder", sagt Ronald Wildmann, Analyst der Bank Leu. Er rät zum Kauf von Adecco mit einem Kursziel von 65 Franken. "Ich rechne für 2003 wieder mit einem konzernweiten Umsatzanstieg", sagt auch Merrill- Lynch-Analyst Andrew Ripper. Sein Anlageurteil ist "neutral". "Kursentscheidend ist zunächst die Profitabilität von Adecco", so Ripper.

Die Augen der Analysten richten sich vor allem auf die USA, da die Chancen auf eine Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt derzeit größer ist als in Europa. Auch Vorstandschef Caille betont: "Der US-Markt bleibt unser Wachstumstreiber". Gerade in den USA geriet die Gewinnmarge in den vergangenen Quartalen aber deutlich unter Druck, während Konkurrent Manpower seine Profitabilität sogar in der Krise steigerte. "Manpower setzt Adecco im wichtigen US-Markt deutlich zu", sagt Merrill-Lynch-Analyst Ripper. "Adecco hat in den USA zu sehr auf Umsatzwachstum gesetzt. Jetzt muss das Management dort den Margenverfall in den Griff bekommen", sagt UBS-Analyst Chum.

Nach dem jüngsten Kursanstieg ist Adecco mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 24 (2002) und 18 (2003) inzwischen luftig bewertet. "Der Kurs impliziert schon einen Aufschwung im nächsten Jahr. Bleibt der aus, geraten die Margen von Adecco noch stärker unter Druck", sagt Chum. Er hat einen fairen Wert von 52 Franken für Adecco errechnet. Sein Urteil lautet daher: Halten. Boris Bernstein, Analyst von Goldman Sachs empfiehlt Adecco hingegen zum Kauf. "Der aktuelle Kurs ist eine interessante Einstiegsgelegenheit für den Marktführer in einer attraktiven Branche", so Bernstein. Société Générale-Analyst Theveneau empfiehlt Adecco ebenfalls zum Kauf und sieht ein Kursziel von 90 Franken.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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