Aktie unter der Lupe
Aegon-Titel profitieren von der Börsenflaute

Der niederländische Versicherer Aegon steht hoch in der Gunst der Analysten. Der Nettogewinn des Konzerns ist im letzten Halbjahr stark gestiegen. Denn in der aktuellen Börsenflaute finden seine konservativen Lebensversicherungs-Produkte reißenden Absatz.

HB DÜSSELDORF. Wenn sich Märkte drehen, können aus Problemen Chancen werden: Die konservativen Produkte des niederländischen Versicherers Aegon sind nun gefragt. Dabei habe Aegon in der Vergangenheit gerade unter seiner vorsichtigen Anlagestrategie gelitten, sagt Carsten Zielke, Versicherungs-Analyst bei der WestLB. Die Konkurrenten hatten Erfolg mit Fonds-gebundenen Produkten, bei denen der Anleger direkt am Aufschwung der Börse beteiligt war. Aegon dagegen bot im Börsenboom auch in den USA Lebensversicherungen an, die dem deutschen Modell ähnelten: Sie boten viel Sicherheit, aber wenig Teilhabe am Aktienmarkt.

Die Börsenflaute brachte die Wende. "Jetzt sind die Amerikaner ganz wild auf diese Produkte", sagt Zielke und erklärt auch damit das gute Halbjahresergebnis des Versicherers: Der Nettogewinn stieg um 15 % auf 1,2 Mrd. Euro, für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Plus von 12 bis 17 %. Zielke setzt hinzu: "Inzwischen hat Aegon seine Produktpalette aber ausgebaut - wenn die Börse wieder anzieht, haben die auch das richtige Angebot."

Kein Wunder, dass der Analyst die Perspektive des Unternehmens "hervorragend" nennt. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und sieht die angemessene Bewertung bei 49 Euro.

Andere Analysten sind vorsichtiger und führen den Titel mit Empfehlungen wie "Übergewichten oder "Halten". Grundsätzlich überzeugt von der "hohen Qualität" des Managements ist auch die britische Investmentbank Fox-Pitt, Kelton, die sich auf Finanztitel spezialisiert hat. Analyst William Hawkins sieht eine große Herausforderung für Aegon im Aufbau einer "wirklich weltweiten Position". Bisher ist die Gesellschaft vor allem in den USA, Großbritannien und den Niederlanden vertreten. Hawkins lobt das ausgewogene Produktangebot, das sowohl für Aktien- als auch für Anleihenanleger eine interessante Auswahl biete.

Aegon nimmt unter den europäischen Versicherern aus zwei Gründen eine Sonderstellung ein: Der Konzern erwirtschaftet einen Großteil seines Umsatzes in den USA und ist vor allem in der Lebensversicherung zu Hause. Auch das zeigen die Halbjahreszahlen: 61 % des Gewinns stammen aus den USA und mehr als 90 % aus der Lebensversicherung.

Was bedeutet diese spezielle Positionierung für die Anleger? Zurzeit erlebt der allgemeine Versicherungsmarkt außerhalb des Lebengeschäfts einen Aufschwung - davon spürt Aegon daher wenig. Langfristig bietet das Thema Altersvorsorge aber eine gute Perspektive für Lebensversicher, wobei Aegon in Deutschland keinen großen Auftritt hat und daher kaum vom erwarteten Schub durch die Riester-Reform profitiert. Analysten halten es aber für möglich, dass die Niederländer bei Gelegenheit in Deutschland ein Versicherungsunternehmen übernehmen werden.

Der amerikanische Markt wiederum ist sehr interessant, aber auch schon weitgehend gesättigt. Das glaubt jedenfalls Hejo Hauser von der Beratungsgesellschaft Tillinghast. "Viele US-Gesellschaften schauen sich im Ausland nach Expansionsmöglichkeiten um, weil zu Hause nicht mehr so viel möglich ist", sagt Hauser.

Fazit: Aegon ist eine Qualitätsaktie. Neue Dynamik dürfte aber erst durch weitere Übernahmen entstehen, die Aegon durchaus zuzutrauen sind.

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