AKTIE UNTER DER LUPE
Aktie von Daimler-Chrysler fällt und fällt

Sorgen um das US-Geschäft drücken die Titel des Autokonzerns Daimler-Chrysler immer tiefer. Ein Ende des Niedergangs ist nicht in Sicht - im Gegenteil: "Die harten Zeiten fangen gerade erst an", warnt ein Analyst von Lehman Brothers. Experten halten sogar einen Verkauf der Chrysler-Sparte für denkbar.

DÜSSELDORF. Zu den "zehn dümmsten Dingen, die Leute über Aktien sagen" zählt der legendäre Fondsmanager Peter Lynch von Fidelity den Satz: "Sie ist schon so tief gefallen, sie kann nicht mehr viel tiefer fallen." Die Aktionäre des deutsch-amerikanischen Autokonzerns Daimler-Chrysler können davon ein Lied singen.

Die Titel waren am Montag wieder einmal Tagesverlierer im Deutschen Aktienindex und auch im Euro-Stoxx-50. Die Aktie markierte ein neues Rekord-Tief. Unzählige Male haben Analysten, Privatanleger und Journalisten schon ein Ende der Talfahrt prophezeit für den einst umjubelten, "einzigen wirklich globalen Autokonzern" (Vorstandschef Jürgen Schrempp). Doch eine Trendwende scheint ferner denn je, nachdem der Rauswurf von Chrysler-Chef James Holden ein Schlaglicht auf die massiven Probleme des Konzerns im US-Geschäft geworfen hat. Dabei ist der Kurs bereits um mehr als 50 % eingebrochen, seit Daimler und Chrysler sich vor zwei Jahren zusammenschlossen.

"Die harten Zeiten fangen gerade erst an", erklärte gestern Analyst Christopher Will von der US-Investmentbank Lehman Brothers. Der Analyst senkte sein Kursziel für die Daimler-Chrysler-Aktie von 43 auf nur noch 39 Euro. Händlern zufolge war das ein Grund für den gestrigen Kursrutsch. Das pessimistische Anlageurteil des Lehman-Experten lautet "Underperform" (unterdurchschnittliche Kursentwicklung).

Hier der 3-Monatsverlauf



Gestern reduzierte zudem die Deutsche Bank - einer der größten Aktionäre bei Daimler-Chrysler - ihre Ergebnisschätzung, ebenso wie die Hypo-Vereinsbank. Vor wenigen Tagen nahm bereits die US-Investmentbank Goldman Sachs ihr Anlageurteil herab. Ihr Kursziel drückten die Goldman-Experten, die den Zusammenschluss von Daimler und Chrysler maßgeblich einfädelten, gleich um ein Drittel auf 50 Euro.

Lehman-Analyst Will zweifelt in seiner gestern veröffentlichten Studie an, ob Daimler-Chrysler seine bisherige Dividende weiterhin zahlen wird. Das dürfte zusätzliche Nervosität bei vielen Investoren auslösen. Die hohe Dividende von zuletzt 2,35 Euro galt als einer der wenigen Pluspunkte der Daimler-Chrysler - Papiere. Denn der Konzern erwies sich bislang als zuverlässig bei der Dividendenzahlung. Experten erwarten weitere negative Überraschungen. Medienberichten zufolge soll die geschätzte Nachfrage bei der Chrysler-Sparte im Dezember um 94 000 Autos unter der geplanten Produktion liegen. Das dürfte neue Gewinnwarnungen bedeuten.

Die meisten Bankexperten halten die Dividende allerdings für sicher - vorerst. "Ich würde noch nicht so weit gehen, einen Ausfall der Dividende zu erwarten", sagte gestern der Londoner Analyst Howard Wheeldon von Prudential Securities dem Handelsblatt. Dennoch hat Wheeldon sein Anlageurteil vor wenigen Tagen gesenkt: Investoren rät er jetzt zum Verkauf ("Sell") statt zum "Halten". "Das Schlimmste ist, dass Chrysler gute Leute fehlen", sagt Wheeldon. Denn seit der Fusion verließen viele Manager den einst selbstständigen US-Konzern.

Wheeldon vergleicht die Chrysler-Krise bei Daimler mit der missglückten Integration des niederländischen Flugzeugherstellers Fokker. Daimler-Manager Jürgen Schrempp beendete vor Jahren das von ihm selbst eingeleitete Abenteuer, indem er Fokker schloss. Dabei nahm er Milliardenverluste in Kauf - ebenso wie BMW beim Rückzug vom britischen Autobauer Rover. Bislang dementiert der Konzern heftig Verkaufspläne für die US-Sparte. "Aber ich schließe für die Zukunft nichts aus", sagt Analyst Wheeldon.

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