Aktie unter der Lupe
Aktionäre von „Das Werk“ brauchen Geduld

Anders als viele andere Medienunternehmen konnte das Neue-Markt-Unternehmen Das Werk vor einem Jahr Gewinne vorweisen. Doch zurzeit dümpelt die Aktie unter 3 Euro dahin.

DÜSSELDORF. Vor einem Jahr war die Welt für Das Werk noch in Ordnung. Die Aktie notierte bei rund 30 Euro, das am Neuen Markt notierte Unternehmen bekam von allen Experten nur gute Noten. Der Spezialist für die digitale Bearbeitung von Werbe- und Kinofilmen genoss nicht nur in Medienkreisen und bei Regisseuren hohes Ansehen. Anders als viele andere Medienunternehmen konnte das Werk Gewinne vorweisen.

Das Geschäftsmodell schien auf Wachstum getrimmt. Mit Filmen wie "Buena Vista Social Club" oder "Lola rennt" war die Firma in aller Munde. Stolz konnte Vorstandschef Joachim Sturmes zudem den Einstieg bei der Hollywood-Firma Centropolis Effects verkünden. Mit dem von Roland Emmerich ("Independence Day") gegründeten Spezialisten für digitale Effekte schien sich jenseits des Atlantiks ein grenzenloser Markt zu öffnen. Und das war nur der Schlusspunkt einer internationalen Expansion mit Akquisitionen unter anderem in Spanien (En Effecto) und London (Glassworks).

Heute herrscht dagegen Katzenjammer. Die Aktie dümpelt unter 3 Euro dahin. Immer wieder musste das Unternehmen im vergangenen Jahr seine eigenen Prognosen zurückschrauben. Der vorläufige Tiefpunkt: Die vergangene Woche vorgelegten Zahlen für das Geschäftsjahr 2001. Der Umsatz stieg zwar von 88,8 Mill. auf 121,8 Mill. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) fiel jedoch von 13,3 Mill. auf minus 19,5 Mill. Euro. Bereinigt um einmalige Sonderfaktoren machte Das Werk einen operativen Verlust von 7,5 Mill. Euro. Bankschulden in Höhe von knapp 110 Mill. Euro stand ein Cash Flow aus operativer Tätigkeit von 4,8 Mill. Euro gegenüber. 2001 war das "wirtschaftlich schwierigste Jahr seit der Gründung des ersten Werks im Jahre 1991", heißt es denn auch im Konzernlagebericht.

Allein für En Effecto wurde eine Wertberichtigung in Höhe von 7,8 Mill. Euro fällig. "Damals wurden für solche Firmen Preise gezahlt, die heute nicht mehr realistisch sind", sagt Roland Pfänder, Analyst der BHF-Bank.

Das Unternehmen leidet darunter, dass die Werbekonjunktur schwächelt. Zudem sind laut Finanzchefin Babette Haas in den USA nach dem 11. September zahlreiche Spielfilmprojekte verschoben worden. Im laufenden Jahr soll jedoch wieder alles besser werden. Auf der Bilanzpressekonferenz versprach Haas wachsende Umsätze (145-155 Mill Euro), ein positives Ergebnis (8-10 Mill. Euro) und einen Gewinn pro Aktie von 0,10 bis 0,20 Euro. Im vierten Quartal hat die Geschäftsführung damit begonnen, Personal zu reduzieren, Investitionen zu begrenzen und die Kapazitäten der verschiedenen Standorte flexibler zu handhaben. 5 Millionen Euro will Haas auf diesem Wege einsparen.

"Diese Schritte hätten schon früher kommen müssen", kommentiert Pfänder. Erst wenn die Ergebnisse für das erste Quartal 2002 vorliegen, will er eine Bewertung der Aktie abgeben. Auch die anderen Analysten, die sich in den vergangenen Monaten mit der Aktie befassten, sind zurückhaltend. Die positivste Bewertung lautet "Akkumulieren".

"Entscheidend ist, wann der Werbemarkt wieder anspringt", sagt Alexander Kachler, Analyst beim Bankhaus Merck Finck. "Vor 2003 wird das aber wohl nichts." Er votiert deshalb für "Halten". Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft rechnet in diesem Jahr nur mit einem Plus von einem Prozent. Das Werk selbst kalkuliert nur "mit einem stagnierenden, allenfalls sich leicht erholenden Werbemarkt", sagt Wolfgang Borgfeld, ein Sprecher von Das Werk.

"Ein weiterer kritischer Faktor ist die Schuldensituation", analysiert Kachler. "Hier muss bald etwas passieren." Rund 40 Mill. Euro Schulden entfallen allerdings auf fremdfinanzierte Projekte, die mit Auslieferung der Filme wieder zurückgeführt werden, erläutert Haas.

Ein Hoffnungsschimmer: Mittlerweile sind Aufträge in Höhe von 20 Mill. Euro zur digitalen Bearbeitung von Spiel- und Fernsehfilmen eingegangen. Nach Angaben des Unternehmens ist der Bereich Postproduktion damit im laufenden Jahr ausgelastet. 2001 trug der Sektor zwei Drittel zum Umsatz bei. "Diese Aufträge hätten wir gerne schon im vergangenen Jahr verbucht", gesteht die Finanzchefin.

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