AKTIE UNTER DER LUPE
Allianz muss Hausaufgaben erledigen

Der Start der Allianz-Aktie an der Wall Street lässt Analysten kalt. Kursphantasie kommt ihrer Ansicht erst dann in die Aktie, wenn der Münchener Konzern sein Vertriebsproblem in Deutschland löst.

DÜSSELDORF. Ganz in blau verpackte die Allianz AG das Gebäude der New York Stock Exchange, um für die Erstnotiz ihrer Aktie an der Wall Street zu werben. Doch Fondsmanager und Analysten lassen sich so leicht nicht einwickeln. Der US-Börsengang macht aus Sicht der Experten zwar Sinn für den deutschen Versicherungsriesen. Allerdings dränge sich ein Investment in die Allianz-Aktie derzeit nicht auf.

"Die Allianz kämpft derzeit an zu vielen Fronten", meint etwa Marc A. Thiele, Analyst bei J.P. Morgan in London. Die Investmentbank stuft die Allianz-Aktie derzeit als "Marketperformer" (durchschnittliche Kursentwicklung) ein.

Mit dem US-Listing werden für die Allianz Übernahmen in den USA einfacher, weil sie per Aktientausch abgewickelt werden können. Doch wichtiger als ein Zukauf in den Staaten ist nach Ansicht Thieles, dass die Allianz ihr Vertriebsproblem in Deutschland löst. Der Versicherungsriese teilt sich immer noch die Verkaufstresen der Dresdner und der Hypo-Vereinsbank mit der Ergo-Versicherung, der Tochter der Münchener Rück. "Diese Lösung ist nicht glücklich", urteilt der Experte von J.P. Morgan.

Zwar verhandelt die Allianz derzeit auch noch mit der Deutschen Bank über eine Vertriebs-Zusammenarbeit mit deren Tochter Deutsche Bank 24, "aber die Gespräche werden für die Allianz nicht einfacher, weil die Deutsche Bank jetzt erkannt hat, welchen Wert dieser Vertriebskanal besitzt", meint der J.P.Morgan-Experte. Außerdem hat der Versicherer noch keine Lösung für die Beteiligung an der Dresdner Bank gefunden, nachdem zwei Fusionanläufe mit der Deutschen und der Commerzbank gescheitert sind.

Auch unter Bewertungskriterien drängt sich die Allianz-Aktie derzeit für Anleger nicht auf: Das Papier weist ein Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) von 43,82 auf. Zum Vergleich: Der Dow Jones Europe Stoxx Insurance-Index der 31 wichtigsten europäischen Versicherungsaktien hat ein KGV von 34,82, der marktbreite Europe Stoxx-Index wird mit einem KGV von 27,79 bewertet.

Nicht nur die Allianz ist auf Schnäppchenjagd

Zwar hat die Allianz im Inland noch Hausaufgaben zu erledigen. Dennoch spekulieren Analysten bereits über mögliche Kaufkandidaten in den USA. Für Marc Thiele kommen Gesellschaften wie Hartford, Prudential of America und Metlife in Frage. Die beiden letztgenannten zählen zu den größten US-Lebensversicherern. Ein Kauf von Metlife kann sich auch Carsten Zielke, Versicherungsanalyst der WestLB-Panmure vorstellen.

Doch Rüdiger Weber, Fondsmanager beim DIT, warnt, dass nicht nur die Allianz in den USA auf Schnäppchenjagd ist. "Um gute Kaufkandidaten in den USA gibt es Wettbewerb mit anderen europäischen Versicherungskonzernen wie der Axa", meint er. Seine Befürchtung: Der Kampf um gute Kaufkandidaten treibt die Preise nach oben. "Überdies hinkt die Allianz bei Versicherungsübernahmen ihren Wettbewerbern wie der ING und Aegon hinterher", erklärt der DIT-Experte. Im Lebens- und Krankenversicherungsbereich rangiert die Allianz in den USA derzeit auf Platz 51.

Für WestLB-Analyst Zielke hat die US-Notierung weniger wegen Übernahmephantasien Charme. "Das Listing erhöht den Druck auf die Allianz, transparenter zu sein", sagt er. So müsse der bislang verschwiegene Versicherer künftig umfassende Quartalsberichte vorlegen. Zielke setzte sein Kursziel auf 436 Euro hoch und hält die Aktie für einen "Outperformer" (überdurchschnittliche Entwicklung).



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