Aktie unter der Lupe
Altana trotzt der Pharmaschwäche

Dank des Medikaments Pantoprazol wächst der Pharmakonzern Altana trotz schlechten Marktumfelds mit zweistelligen Raten. Einen weiteren Schub sollen ab 2004 zwei Asthmapräparate bringen. Im August könnte es positive Nachrichten von der Börse geben: Altana winkt die Aufnahme in den Deutschen Aktienindex.

FRANKFURT/M. Mit einem Kurssprung über die 50-Euro-Marke hat die Aktie des Pharmaherstellers Altana auf dessen gute Halbjahreszahlen reagiert. Überraschend hatte Altana bereits am Montag die Bilanz präsentiert - statt wie ursprünglich geplant am Freitag. Wahrscheinlich habe das Unternehmen noch vor Monatsende den Aktienkurs und damit die Marktkapitalisierung nach oben treiben wollen, vermuten Analysten. Der Marktwert am 31. Juli ist ein wichtiges Kriterium für die Zusammensetzung des Deutschen Aktienindex (Dax), in den Altana aufgenommen werden möchte.

Im ersten Halbjahr hat Altana den Umsatz um 13 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um ein Viertel auf 262 Mill. Euro gesteigert. Hauptwachstumsträger war das Magen-Darm-Medikament Pantoprazol. "Altana hebt sich damit vom Weltpharmabereich durch sehr gute fundamentale Daten ab", lobt Frank von Collani, Analyst bei der Berenberg Bank. Er empfiehlt, die im Index für mittelgroße Werte, M-Dax, notierte Aktie mit einem Kursziel von 68 Euro zu "akkumulieren". Für Andreas Theisen, Analyst bei WestLB Panmure, ist Altana sogar ein klarer Kauf, auch wenn er das Kursziel von 70 Euro aufgrund der Branchenschwäche wohl leicht senken wird. "Die Story ist gut, das Wachstum ist gut, und die Aussichten sind positiv." Wichtiger noch als die gute Halbzeitbilanz ist ihm der gute Ausblick des Unternehmens: "Altana hat angekündigt, mit Pantoprazol 2002 1,9 Mrd. Euro umzusetzen. Damit bleibt das Präparat ein wichtiger Margenträger." In den USA hat Pantoprazol bereits einen Marktanteil von 15 Prozent.

Allerdings könnte Altana in den Staaten bald neue Konkurrenz bekommen, glaubt Sabine Eberhardt von Merck Finck & Co. "Der Markteintritt von Nachahmerprodukten könnte das Wachstum Pantoprazol bremsen." Dessen Patentschutz läuft zwar bis 2005, jedoch verliert ein wirkstoffähnliches Medikament von Astra Zeneca in Kürze sein Patent. Aufgrund der Ähnlichkeit der Präparate könnte auch Pantoprazol Marktanteile an Generika abgeben, befürchtet Eberhardt. Ihr WestLB-Kollege Theisen hält dieses Szenario aber für unwahrscheinlich: "Einen solchen Wirkungsmechanismus hat es noch nie gegeben."

Während Merck-Finck-Analystin Eberhardt empfiehlt, Altana zu halten, weil die Abhängigkeit von Pantoprazol zu groß sei, stufen die Analysten von Helaba Trust die Aktien auf "übergewichten". Sie setzen auf die gute Produkt-Pipeline der Bad Homburger, deren Asthmapräparate Ciclesonide und Roflumilast "ab 2004 für weitere Dynamik sorgen dürften." Auch Theisen hofft auf die beiden Produkte, deren Umsatzpotenzial er auf zwei Mrd. Euro schätzt. Dazu könnte ein Dax-Aufstieg von Altana dem Kurs Auftrieb geben, glaubt Theisen, ist aber noch skeptisch, ob dieser kommt: "Die Kriterien für eine Dax-Aufnahme erfüllt Altana auf jeden Fall, allerdings sehe ich im Moment keinen Kandidaten, der dafür zwingend raus muss", sagt Theisen. Die Deutsche Börse überprüft die Zusammensetzung der Indizes Mitte August, als Absteiger werden Degussa, Epcos und MLP gehandelt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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