Aktie unter der Lupe
Aluminium-Riese Alcoa spart sich fit

Mit einem rigiden Sparkurs reagiert der Branchenprimus Alcoa auf die schwache Aluminium-Nachfrage. Zudem verlagert der Konzern seine Produktion in Regionen, wo Energie noch billiger ist als in den USA. Analysten ziehen daraus den Schluss: Wenn die Konjunktur wieder anspringt, dürfte die gebeutelte Aktie kräftig zulegen.

FRANKFURT/M. In einem Punkt sind sich Analysten einig: Wenn der lang ersehnte Konjunkturaufschwung denn kommt, wird die Aktie von Alcoa (Aluminium Company of America) zu den Werten gehören, die davon überproportional profitieren dürften. Der Dow-Jones-Titel ist der weltgrößte Hersteller von Aluminium. Der Haken an der Geschichte: Keiner weiß, wann die Weltkonjunktur wieder Fahrt aufnimmt. Das Unternehmen aus Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania selbst rechnet frühestens für kommendes Jahr mit einer Belebung der Wirtschaft und schätzt die Lage damit wie die Mehrzahl der Volkswirte ein.

Etwa die Hälfte der Analysten, die sich mit der Alcoa-Aktie beschäftigen, rät gleichwohl zum Kauf der Titel. Die andere Hälfte empfiehlt den Aktionären zumindest, die Papiere zu halten, sich über die Dividendenrendite von rund 2,6 % zu freuen und den Aufschwung erst einmal abzuwarten.

Diese Strategie wäre den Anteilseignern in den vergangenen beiden Jahren allerdings schlecht bekommen. Denn der Börsenwert des Konzerns halbierte sich, während die Standardwerte im Dow-Jones-Index mit durchschnittlichlichen Kursverlusten von einem Viertel glimpflicher davonkamen.

Das Leichtmetall Aluminium wird beim Bau von Autos, Flugzeugen oder Häusern verwendet - deren Verkauf stets ein Gradmesser der Konjunktur ist. Wegen der Konjukturabhängigkeit ging es in der Flaute steil bergab. Die Fachleute setzen nun auf den Umkehrschluss: Aufschwung als Kursturbo.

Aber der seit zwei Jahren niedrige Aluminiumpreis hat seine Spuren in der Konzernbilanz hinterlassen. Der Umsatz sank 2002 um knapp 20 %, nachdem er vorher jahrelang gestiegen war. Besonders stark fiel der Rückgang im Kernmarkt Nordamerika aus. Der Gewinn ging um mehr als die Hälfte zurück. Weil der Aktienkurs gleichermaßen absackte, liegt das Kurs-Gewinn- Verhältnis auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen vier Jahre.

"Bis die Konjunktur anspringt, muss Alcoa zur Ergebnisverbesserung weiter die Kosten senken", sagt Janne Koskela, US-Analyst der SEB. Koskelas Kursziel von 25 Dollar hat das Papier fast erreicht. Aus charttechnischer Sicht hat die Aktie den Abwärtstrend seit Dezember durchbrochen. Auch den massiven Widerstand bei 22,75 Dollar hat der Kurs laut Raphael Schindelholz von der Schweizer Banque Cantonale Vaudoise hinter sich gelassen. Ausgelöst haben die jüngsten Kursgewinne die Anfang April bekannt gegebenen Quartalszahlen. Zwar sank der Gewinn um fast ein Drittel. Auf der Kostenseite aber zeigte das Unternehmen laut Analyst Peter Ward von Lehman Brothers "bedeutende Verbesserungen". Bis zum Jahresende will Finanzchef Richard Kelson mindestens eine Mrd. Dollar einsparen. "800 Mill. Dollar hat Alcoa schon geschafft", sagt Schindelholz. Er erwartet, dass der Konzern seine Sparziele erreicht.

Der Sparkurs sieht auch Entlassungen vor. Noch beschäftigt Alcoa 127 000 Mitarbeiter. Zudem schraubt das Unternehmen die Produktion herunter oder verlagert sie an Standorte mit günstigen Energiepreisen wie Kanada oder Island. Denn die Energieausgaben stellen den Löwenanteil der Produktionskosten. Der Sekundärrohstoff Aluminium wird äußerst energieintensiv mit Schmelzelektrolyse bei etwa 950 º Celsius aus Bauxit gewonnen.

Doch nicht nur die konjunkturbedingt schwache Nachfrage hält den Aluminiumpreis niedrig. Die gestiegene weltweite Produktion führte zuletzt auch zu Überkapazitäten. "Im vergangenen Jahr war China erstmals Netto-Exporteur von Aluminium", sagt Koskela. Auch in China ist Energie billig, genauso wie Arbeitskräfte. "China wird künftig auf Grund gestiegener Effizienz als Wettbewerber vermehrt im Erscheinung treten", erwartet Koskela. Alcoa habe aber schon vorgesorgt, sagt sein Kollege Schindelholz: "Die strategische Partnerschaft mit Chinas Nummer eins Chinalco hilft Alcoa zu verhindern, dass neue Aluminium-Riesen in China entstehen. Langfristig ist Alcoa für uns deshalb und wegen seiner Weltmarktführerschaft ein Kauf."

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