Aktie unter der Lupe:
Amadeus kommt langsam wieder aus der Talsohle

Viele Urlauber sind schon mit Amadeus verreist. Den Aktionären von Europas führendem Dienstleister für Reisebuchungen, Amadeus Global Travel Distribution S.A., Madrid, hat das in den vergangenen Monaten jedoch nicht viel genutzt. Seit sich im März 2000 das internationale Börsenklima eingetrübt hat, kennt die Aktie wie viele andere eigentlich nur eine Richtung - die nach unten. Und nach den Terroranschlägen in den USA ging es weiter kräftig bergab.

MADRID. Im bisherigen Jahresverlauf 2001 hat Amadeus an der Börse mehr als 45 % an Wert verloren; 2000 waren es knapp 50 %. Die heftigsten Einbußen erfolgten in den Tagen nach den Anschlägen in den USA, als den Menschen die Lust am Fliegen schlagartig verging. Amadeus verkaufte eigenen Aussagen zufolge in den ersten vier Tagen nach dem 11. September 28 % weniger Tickets.

Deutlich weniger Flüge am US-Markt

Mit einem Minus von 74 % war vor allem der US-Markt betroffen, wo mehrere Tage lang nationale wie internationale Flüge ausgesetzt oder verzögert waren. Reservierungen in anderen Ländern gaben Amadeus zufolge im Durchschnitt um 19 % nach.

Antonio López, Analyst bei der Fortis Bank in Madrid, hält ein knappes Urteil bereit: "Die Lage ist schlecht." Gleichzeitig verbreitet er aber schon wieder Optimismus, der von anderen Beobachtern wie Nick van den Brul, Analyst bei BNP Paribas in London, und Ibersecurities in Madrid geteilt wird: Amadeus, so die übereinstimmende Meinung, habe einen Vorteil vor der Konkurrenz Sabre und Galileo, weil diese stärker auf den US-Markt ausgerichtet sei und dort im Normalfall 75 % ihrer Tickets verkaufe.

Amadeus wurde 1987 unter anderen von den Fluggesellschaften Air France, Iberia und Lufthansa gegründet, die noch heute die Kapitalmehrheit halten. Der Rest befindet sich im Streubesitz. Das Unternehmen wickelte im vergangenen Jahr rund um den Globus 394 Millionen Reise-Reservierungen ab. Amadeus ist in fast 200 Märkten präsent. Das größte Gewicht hat der westeuropäische Heimatmarkt. Dort hat Amadeus einen Marktanteil von 50 %. Der Anteil in den USA liegt Amadeus zufolge bei 12 %.

Von Vorteil für Amadeus ist auch die Art der Vertragsgestaltung mit den Fluggesellschaften: Die Gesellschaft, erklärt López, erhalte für jedes elektronisch ausgestellte Ticket eine feste Gebühr, die nicht an den Kaufpreis des Tickets gebunden sei. So hänge Amadeus zwar vom Reiseaufkommen ab, nicht aber von den schwankenden Ölpreisen. Zudem ist Amadeus in alternativen Geschäftsbereichen wie Anwendungen für Online-Reisebüros aktiv.

Einig ist sich López mit den Analysten von Ibersecurities bei der Bewertung des drastischen Kursrückgangs nach den Anschlägen: eine Überreaktion der Märkte. Mittlerweile scheint sich die Situation etwas stabilisiert zu haben. Die Reisebranche hat Hoffnung geschöpft und gibt sich tendenziell optimistisch.

Das half auch Amadeus: Bereits am Dienstag legte der Kurs um 1,2 % auf 4,25 Euro zu. Gestern setzte sich die Aufwärtsbewegung fort: Bis zum Mittag registrierte das seit Oktober 1999 am Neuen Markt in Madrid notierte Unternehmen ein Plus von knapp 4,5 % auf 4,4 Euro.

Test neuer Tiefstände noch möglich

Ibersecurities empfiehlt Amadeus weiter zum Kauf, weist aber darauf hin, dass die Investition nicht ohne Risiko sei. Der Kurs könnte durchaus ein weiteres Tief testen.

Der Grund liegt nicht nur in der Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Reiseverhaltens nach den US-Anschlägen. Amadeus hatte bereits vor den Anschlägen den weltweiten Konjunkturabschwung zu spüren bekommen. Im 1. Halbjahr 2001 nahmen die Buchungen gegenüber der Vorjahreszeit nur um 3,1 % zu. In den USA war das Volumen um 9 % gesunken. In diesem und nächstem Jahr kann Amadeus wohl keine großen Sprünge bei den Buchungen erwarten. Ibersecurities geht erst ab 2003 wieder von steigenden Zahlen aus. Auch BNP Paribas-Analyst van den Brul erwartet, dass die Buchungen erst "mittelfristig wieder zulegen". Sein Kursziel liegt bei 6,5 Euro in sechs Monaten.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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