Aktie unter der Lupe
Amazon.com wagt sich auf neues Territorium

Pünktlich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts startet Amazon.com einen neuen Geschäftszweig: den Online-Bekleidungshandel. Analysten großer amerikanischer Banken bewerten den Schritt insgesamt positiv. Doch auch die ambitionierten Wachstumsziele lösten keine Euphorie aus.

NEW YORK. Amazon.com, der Marktführer unter den Internet-Buchhändlern, geht neue Wege. Kunden können nun auch Kleidung online bestellen. Die Kooperation kommt beiden Seiten zu Gute. Die Bekleidungsfirmen profitieren von der großen Kundenzahl Amazons. Und Amazon profiliert sich neben dem Kerngeschäft mit CDs, Spielzeug und Software in einem weiteren Einzelhandelsfeld. Im Angebot sind unter anderem Produkte der Marken Lands' End, Gap und Nordstrom.

Nach Schätzungen von Analysten macht das Geschäft mit Kleidung einen großen Teil der gesamten US-Einzelhandelseinnahmen aus. "In den ersten neun Monaten des Jahres haben die US-Bekleidungsgeschäfte rund 118 Mrd. $ eingenommen, und im Gesamtjahr werden online Kleidungsstücke für mehr als 5 Mrd. $ verkauft", rechnet Analyst Safa Rashtchy vom Bankhaus US Piper vor. Er sieht die Aktie durchschnittlich gut positioniert (Market Perform). "Allerdings wird Amazon davon nur einen kleinen Teil sehen, denn voraussichtlich fungiert das Unternehmen nur als Bearbeitungs- und Vermittlungsinstanz. Vielleicht können sie im kommenden Quartal 100 Mill. $ damit erzielen, das würde pro Aktie einen Mehrgewinn von ein bis zwei Cent ausmachen."

Viele Analysten bewerten die Amazon-Aktie trotz guter Aussichten eher vorsichtig. Ende Oktober präsentierte der Internethändler in der Quartalsbilanz einen geringeren Nettoverlust und übertraf damit die Erwartungen. Zugleich gab Amazon einen optimistischen Ausblick und erhöhte die Umsatzprognosen --für das 4. Quartal erwartet das Management ein Wachstum von 19 bis 28 %. Doch mehrere Analystenteams, darunter Prudential Securities und Bancorp Piper setzten ihre Anlageurteile herab. Denn die Aktie sei fair bewertet und die Wachstumsziele niedriger als die eingepreisten Markterwartungen.

Den Kurs beeinträchtigte das nur kurz. Inzwischen ist die Aktie mit fast 20 $ wieder auf dem Weg zu den Jahreshöchstständen vom Mai. Seit Jahresbeginn legte der Kurs rund 80 % zu. Analyst Heath Terry von Credit Suisse First Boston (CSFB) erwartet sogar binnen Jahresfrist eine weitere Steigerung um rund 15 % auf 23 $ und rät: "Die Anleger sollten jeden Kursrückgang nutzen, um die Aktie noch vor den Feiertagen zu kaufen." Spätestens dann könnte das Geschäft weiter anziehen. "Es scheint sich ein Muster abzuzeichnen, dass Amazon vor allem in den zweiten und vierten Jahresquartalen stärker ist als der Online-Handel von Konkurrent Barnes and Noble", sagt Mark Rowen von Prudential Securities. Auch Terry kommentiert: "Das vergangene Quartal war eindeutig solide für Amazon, und wir erwarten, dass es den Auftakt für ein ausgesprochen starkes Weihnachtsgeschäft markiert."

Als eines der Erfolgsgeheimnisse gilt Amazons Angebot, ab einem Bestellwert von 25 $ die Lieferung kostenlos zuzustellen. Terry schätzt, dass sich die Verluste im 3. Quartal auf rund 10 Mill. $ beliefen, fünfmal mehr als im Quartal davor. Dennoch bewertet er das Angebot positiv: "Zwar sind niedrigere Bruttogewinne immer ein Grund zur Sorge, aber langfristig werden die Auswirkungen von günstigeren Preisen und gebührenfreier Zustellung die kurzfristigen Einbußen aufwiegen."

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