Aktie unter der Lupe
Analysten bei Gillette noch zwiespältig

Gute Nachrichten waren die Anleger von Gillette schon lange nicht mehr gewohnt. Sinkende Umsätze und sinkende Gewinne haben den Kurs immer weiter nach unten gezogen. Doch in der vergangenen Woche stieg die Aktie um fast 10 %. Grund: Der neue Unternehmenschef James Kilts macht die Runde bei Analysten und erklärt ihnen, wie er den Traditionskonzern umkrempeln will. Anscheinend kann er seine Zuhörer überzeugen.

NEW YORK. Jim Gingrich, Konsumgüteranalyst bei der Investmentbank Sanford Bernstein hat erst kürzlich die Aktie auf Outperform heraufgestuft. Er rechnet in den nächsten Jahren mit einem Kurs von 34 (aktuell knapp 30) $. "Jetzt ist der Zeitpunkt zu kaufen", ist er überzeugt. "Das Unternehmen unternimmt die richtigen Dinge, um das Geschäft wieder in Ordnung zu bringen", kommentiert er die Maßnahmen, die Kilts getroffen hat.

Auch andere Analysten konnte Kilts, der ehemalige Sanierer des Lebensmittelkonzerns Nabisco, für sich gewinnen. "Kilts hat einen guten Ruf und sein Plan für die Sanierung ist sehr glaubhaft", sagt Andrew McQuilling, Analyst der Investmentbank UBS Warburg. Doch werde es noch einige Zeit dauern, bis die Maßnahmen auch greifen.

Vor dem Antritt von James Kilts im Februar verloren vor allem die Duracell-Batterien ständig Marktanteile. Gillette hatte sich zu sehr auf die Hochpreissegmente konzentriert und die einfachen Batterien vernachlässigt. Die Kunden wechselten daher zu anderen Marken. Ähnliches galt bei den Rasierern. Die Kunden verlangten nicht nur nach High-Tech-Rasierern, sondern auch nach ganz einfachen Wegwerfmodellen, ein Segment, in dem Gillette ebenfalls Marktanteile an andere Anbieter verlor. Das will Kilts nun ändern. Und Analyst Gingrich weist darauf hin, dass der Konzern dank gutes Marketings bereits Marktanteile zurückerobert hat.

Um Kosten zu sparen, entlässt Kilts u.a. Mitarbeiter. Bereits im Dezember 2000 hatte der Konzern die Entlassung von 2 700 Angestellten angekündigt. Im Juni sagte Kilts, dass weitere 600 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Zudem schraubte er die Erwartungen für die Umsatzsteigerungen von 10 % auf 3 bis 5 % zurück und versprach, dass durch seine Maßnahmen 250 Mill. $ eingespart werden.

"Wir sind optimistisch über den Fortschritt beim Abbau der Lagerbestände", sagt Heather Hay Murren, Analystin von Merrill Lynch. Auch bei Duracell sei eine Verbesserung zu erkennen, vor allem bei Batterien der mittleren Preisklasse. Langfristig rät sie zum Kauf der Titel.

Trotz der Aussicht auf Besserung ist McQuilling dagegen vorsichtig und rät zum Halten. Mit einem voraussichtlichen Gewinn pro Aktie von 1 $ in diesem Jahr sei die Aktie aktuell immer noch hoch bewertet. Er rät nur den Anlegern zum Kauf, "die sich bei dem derzeitigen Marktumfeld und bei dem hohen Preis wohlfühlen". Gingrich von Sanford Bernstein verteidigt den hohen Preis: "Gillette sollte auch höher gehandelt werden als andere Vertreter der Gruppe, da das Wachstum der einzelnen Kategorien höher ist", sagt er.

Auch der schwächere US-Dollar könnte dem Unternehmen helfen. Andrew McQuilling weist daraufhin, dass 30 bis 33 % der Profite von Gillette aus Westeuropa stammen. Procter & Gamble steht den Angaben zufolge an zweiter Stelle mit 20 bis 25 %.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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