Aktie unter der Lupe
Analysten bewerten Metro-Aktie skeptisch

Als Old-Economy-Wert hat Metro von der Flucht aus High-Tech-Aktien profitiert. Analysten erwarten bei der Bilanzpressekonferenz des Handelskonzerns in der nächsten Woche kaum überraschende Neuigkeiten. Große Kurschancen sehen sie nach den jüngsten Zuwächsen nicht mehr.

FRANKFURT/M. Eine "überraschungsfreie" Bilanzpressekonferenz am 10. Mai hat der Vorstandssprecher der Metro, Joachim Körber, bereits im März versprochen. Doch die Jahresbilanz des Handelsriesen steht am kommenden Donnerstag ohnehin nicht im Blickpunkt.

Wichtiger seien die Zahlen zum ersten Quartal, die Metro erstmals nennt, sagt Nikolai Baltruschat, Analyst für Einzelhandelswerte bei der Deutschen Bank. Für die ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres rechnet er mit einem Umsatzanstieg von 6 % nach 7,3 % im Vorjahresquartal und einem "leicht negativen" Gewinn vor Steuern.

"Daraus sollten Anleger aber nicht ableiten, dass sich das Wachstum abschwächt", meint Baltruschat. Im dritten und vierten Quartal werde der Umsatz anziehen, da mehr Ladeneröffnungen anstünden. "Aus dem ersten Quartal einen Trend abzuleiten, hieße mit Kanonen auf Spatzen schießen," sagt er.

Der Deutsche-Bank-Experte bewertet Metro-Aktien mit dem eher skeptischen Urteil "Halten". Das tun dem Informationsdienst Bloomberg zufolge die meisten Analysten. Mit derzeit knapp 52 seien die Titel fair bewertet, urteilt Baltruschat. Zudem notierten die Titel auf einem 52-Wochen-Hoch.

Der größte deutsche Handelskonzern präsentiert am Donnerstag seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Das Unternehmen rechnet mit einem Vorsteuergewinn von rund 10 Prozent. Den Konzern-Nettoumsatz hatte das Unternehmen schon im Januar mit plus 7,1 % auf 91,8 Mio. DM angegeben. Die Prognose weiterer Zahlen halten Analysten für schwierig, denn die Metro bilanziert zum ersten Mal nach den International Accounting Standards (IAS) und nicht mehr gemäß dem Handelsgesetzbuch (HGB).

Expansionspläne reißen nicht vom Hocker

Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg, hat die Aktien Ende Februar von "Kaufen" auf "Halten" herabgestuft. Die Titel seien gut gelaufen - im Jahrestief notierten sie bei 44. Viel Steigerungspotenzial sieht der Warburg-Experte nicht mehr.

Auch Christian Riedel, Analyst für Handels- und Konsumwerte bei der WGZ-Bank, meint, dass die Aktien "keine großen Sprünge nach oben machen werden". Metro habe als defensiver Titel von Umschichtungen aus Technologiewerten profitiert. Wenn der Deutsche Aktienindex (Dax) anziehe, werde Metro davon nicht überdurchschnittlich profitieren. Allerdings rechnen viele Analysten und Händler auch nicht mit großen Kursverlusten, denn nachdem Karstadt-Quelle aus dem Dax-30 gefallen sind, bleiben nicht mehr viele Handelswerte im wichtigsten deutschen Kursbarometer.

Was Analysten bei Metro vermissen, ist Fantasie. Die könnte ein Verkauf der Praktiker-Baumärkte und der Filialketten Real und Extra bringen. Allerdings gilt es als unwahrscheinlich, dass Vorstandssprecher Körber auf der Bilanzpressekonferenz dazu Hinweise gibt.

Auch die Expansionspläne der Metro reißen Experten nicht vom Hocker. Ob die Übernahme der belgischen Warenhauskette Inno im April sinnvoll sei, müsse sich noch zeigen, meint Deutsche-Bank-Analyst Baltruschat. Das jüngste Scheitern des britischen Handelskonzerns Beispiel Marks & Spencer in Deutschland zeige, dass Warenhauskonzepte im Ausland nicht sonderlich erfolgversprechend seien. Positiver sieht WGZ-Experte Riedel die Expansion in Japan. Dort will Metro mit dem japanischen Handelshaus Marubeni Großhandelsmärkte für gewerbliche Kunden eröffnen. Dass aber der japanische Markt "kein einfacher" ist, davor hat Konzernchef Körber selbst bereits gewarnt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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