Aktie unter der Lupe: Analysten bleiben skeptisch bei Getronics

Aktie unter der Lupe
Analysten bleiben skeptisch bei Getronics

Mit einem Kurssprung von 285 % auf 0,45 Euro feierten die Anleger vor zwei Wochen den Strategiewechsel des niederländischen IT-Anbieters Getronics. Am Freitag zog die Aktie abermals an, weil der neue Vorstandschef Axel Rückert die Offerte seines Vorgängers zur raschen Schuldensanierung endgültig einzog. Danach wären zwei Obligationen von rund 600 Mill. Euro in Aktien gewandelt worden.

BRÜSSEL. Der Nachfolger des zu Jahresanfang abgesetzten Vorstands will den Konzern nun jedoch durch den Verkauf von Tafelsilber aus der Krise führen. Getronics stehe betrieblich besser da als gedacht, begründete Rückert seine Strategie. So soll angeblich der Cashflow mit 150 Mill. Euro drei Mal so hoch sein wie vom alten Vorstand behauptet.

Analysten sind trotzdem skeptisch. "Der Strategiewechsel ist sehr gefährlich", meint Sebastian Schreijen von Fortis. Er fände es besser, wenn sich der Konzern durch den Anleihe-Aktien-Tausch finanziell saniert hätte. Sein Kollege Ivo Steenbergen von Iris/Robeco sieht die Situation weniger kritisch: "Es gibt eine Chance, dass das neue Vorhaben gelingt - aber nur, wenn alles klappt wie geplant." Dazu gehöre, dass sich die Branchenkonjunktur nicht weiter verschlechtere. Unabhängig davon beurteilt Schreijen die von Rückert für Anfang kommenden Jahres erwartete Marktbelebung als zu optimistisch. "Geht die Strategie auf, wird das jedoch auch für die Aktionäre vorteilhaft sein", so der Experte.

Doch daran glaubt Schreijen nicht und empfiehlt wie die Bankhäuser Delta Lloyd, Insinger und Van der Hoop den Verkauf des Titels. Steenbergen dagegen rät wie die Großbank ING zum Halten der Aktie. Für überschäumenden Optimismus sieht er aber keinen Grund. "Das Spiel ist noch nicht gespielt."

Der drittgrößte europäische Anbieter von Unternehmenssoftware, der mehr als 25 000 Mitarbeiter beschäftigt, hat durch den Erwerb des US-Konkurrenten Wang Global 1999 einen stattlichen Schuldenberg von 670 Mill. Euro per Ende 2002 angehäuft.

Zu dessen Reduzierung soll nun die Tochter HRS verkauft werden. Verhandlungen laufen bereits. Die Transaktion beurteilen Analysten jedoch als riskant, denn HRS gilt als Goldesel. Fällt dieser weg, werden die Margen im Konzern hauchdünn. "Dann darf nichts mehr falsch laufen, sonst gibt es umgehend Liquiditätsprobleme. Das Konkursrisiko ist ziemlich hoch", warnt Schreijen.

Bei 95 Mill. Euro Umsatz weist HRS, niederländischer Marktführer für Lohnabrechnungen, einen Betriebsgewinn vor Steuern von satten 35 Mill. Euro aus. Dagegen erzielte Getronics bei einem Umsatz von 3,6 Mrd. Euro nur 106 Mill. Euro. "Erbärmlich", meint Victor Bareno von SNS Securities. Ohne HRS sei der Cashflow nur mühsam binnen zwei Jahren auf 200 Mill. Euro zu steigern, so Steenbergen.

Die Veräußerung von HRS und anderen Töchtern, die 300 Mill. Euro erbringen soll, löst auch nicht auf Anhieb die Schuldenproblematik, denn der Verkaufserlös reicht nicht zur Einlösung von 2004 und 2005 fälligen Obligationen. Analysten schätzen das Defizit auf bis zu 165 Mill. Euro. Überdies wollen die Amsterdamer zuerst einen Kredit von 55 Mill. Euro tilgen und auch noch Sanierungskosten von bis zu 50 Mill. Euro begleichen. Daher sorgen sich die Bond-Halter, dass die Kasse leer ist, wenn ihre Papiere fällig werden. Zumal: Der Verkauf halbiert den Unternehmenswert. Angesichts dessen ist fraglich, ob die Banken ihre Kreditlinien verlängern und so eine Einlösung der Anleihen ermöglichen, sagt Schreijen.

Rückerts Strategie setzt daher auf bessere Gewinnmargen. In Italien will er in diesem Jahr die Gewinnschwelle erreichen, nachdem dort noch 2002 ein hoher Verlust anfiel. Außerdem soll ein Teil des Personals dort bis zu zwei Jahre in eine staatliche Auffanggesellschaft kommen, wodurch die Sanierung preiswert würde. "Doch das klingt zu schön um wahr zu sein", meint Steenbergen.

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