Aktie unter der Lupe
Analysten blicken gespannt auf neuen Electrolux-Chef

Analysten sind gespannt auf die Zahlen, die der schwedische Haushaltsgeräteriese Electrolux für das erste Quartal 2001 präsentieren wird. Denn im Konzern steht ein Führungswechsel an: Hans Stråberg wird von Michael Treschow das Konzernruder übernehmen. Für die Entwicklung der Aktie ist vor allem wichtig, wie das US-Geschäft läuft.

STOCKHOLM. Nicht der erste vollautomatische Staubsauger der Welt wird heute im Vordergrund stehen, wenn die schwedische Electrolux ihre Zahlen für das erste Quartal 2002 vorlegt, sondern der neue Chef Hans Stråberg, der beim weltweit größten Hersteller von Haushaltsgeräten das Ruder übernimmt. Er löst Michael Treschow ab, der in den letzten Jahren seinem Spitznamen "Mackie Messer" alle Ehre gemacht und den Konzern mit harter Hand wieder auf Kurs gebracht hat.

Für die Anleger hat sich der Sparkurs gelohnt: Ging die Stockholmer Börse seit Jahresbeginn um 3,7 % zurück, legte Electrolux im gleichen Zeitraum um 19 % zu. Nach dem Tief am 21. September 2001 hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.

Ob die Aktie diesen Trend fortsetzen kann, hängt Experten zufolge auch von Stråberg ab. Für die meisten Analysten ist der Mann ein Fragezeichen. Und das, obwohl er seit fast 19 Jahren im Konzern gearbeitet hat, zuletzt als USA-Chef. "Es ist recht schwierig, etwas über mögliche Veränderungen im Konzern zu sagen, da Stråberg ein unbeschriebenes Blatt ist", sagt Niklas Elmhammer, Analyst bei Swedbank.

Der Traditionskonzern, zu dem auch Marken wie AEG und Zanussi gehören, hat trotz massiver Kostensenkungen weiterhin mit Rentabilitätsproblemen und konjunkturellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Bis 2003 soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit um weitere 2 100 auf 85 000 gesenkt werden.

US-Markt im Fokus

Aufmerksam werden Analysten auf die Zwischentöne in Stråbergs Ausblick für das laufende Jahr achten. In einer Umfrage der schwedischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Direkt bezifferten die 14 befragten Analysten den erwarteten Quartalsgewinn auf rund 3,3 Mrd. Kronen (360 Mill. Euro). In dieser Summe sind aber 1,9 Mrd. Kronen aus Unternehmensverkäufen enthalten. Im ersten Quartal 2001 hatte Electrolux einen Vorsteuergewinn von 1,5 Mrd. Kronen ausgewiesen.

Wie Analyst Elmhammer betont, wird sich ein Hauptinteresse auf die Entwicklung in den USA richten. Der Markt ist extrem wichtig für die Schweden, wegen der Terrorattacken und der Nachfrageflaute derzeit aber problematisch. "Wir erwarten im ersten Quartal eine starke US-Nachfrage", sagt Elmhammer und hofft, dass die Umsatzrendite von etwa 1,4 % im vierten Quartal vergangenen Jahres jetzt auf 3 bis 4 % gestiegen ist. "Es gibt aber Befürchtungen, dass steigende Zinsen in den USA und die Lage auf dem Arbeitsmarkt die Nachfrage nach Haushaltsgeräten im Laufe des Jahres dämpfen könnten."" Swedbank hat das Kursziel auf 190 Kronen festgelegt, gestern notierte das Papier nach einem Gewinn von 5 Kronen bei 192 Kronen.

Dass es in den USA für Haushaltsgeräte-Hersteller seit Jahresanfang gut gelaufen ist, bestätigten die guten Quartalszahlen der beiden größten Konkurrenten in den USA, Whirlpool und Maytag. In Europa sind die Aussichten für eine deutliche Verbesserung der Nachfrage verhaltener. Die meisten Analysten glauben deshalb, dass die Schweden an ihrer verhaltenen Prognose für dieses Jahr festhalten. Fredrik Liljeval von UBS Warburg: "Das Problem für Electrolux sind die vielen Marken, unter denen das Unternehmen seine Produkte in Europa vertreibt und eine zu differenzierte Produktpalette. Das schafft höhere Kosten". Wie umfangreich die Produktpalette ist, zeigt das Beispiel der sprechenden Waschmaschine "Washy Talky", die in diesem Monat im indischen Markt eingeführt wurde. In Europa und den anderen Märkten wird das Gerät nicht zu kaufen sein.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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