Aktie unter der Lupe: Analysten halten Schering für unterbewertet

Aktie unter der Lupe
Analysten halten Schering für unterbewertet

Seit Monaten kennt die Schering-Aktie nur eine Richtung: nach unten. Zuletzt fiel der Kurs auf Grund von Währungsrisiken. Analysten fürchten, dass der starke Euro dem Pharmakonzern auch in diesem Jahr eine Delle beim Umsatzwachstum beschert. Alles in allem aber sehen sie Schering auf solidem Wachstumskurs.

BERLIN. Klaus Pohle, Finanzvorstand der Schering AG, spricht derzeit gerne über "fette Hasen". Damit meint er Firmen, die ein Kaufkandidat für den Berliner Pharmakonzern sein könnten. Schon 2002 hat Schering nach eigenen Angaben über 550 Mill. Euro für Firmenkäufe ausgegeben. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Pohle, auch im laufenden Jahr wolle der Konzern seine Einkaufstour fortsetzen. Allein an liquiden Mitteln stünden dem Pharmakonzern dafür rund 700 Mill. Euro zur Verfügung. Freilich gibt der Finanzvorstand zu: Schering stünde auch unter einem gewissen Druck, an der Börse wieder höhere Kurse zu erzielen. Denn die Aktie ist im Moment für Schnäppchenjäger so attraktiv wie schon lange nicht mehr - und damit wohl selbst ein fetter Hase.

Auch die Mehrzahl der bekannten Finanzanalysten hält das Schering-Papier derzeit für attraktiv und rät zum Kauf. Dabei fällt der Kurs seit August vergangenen Jahres stetig. Zuletzt enttäuschten die jüngsten Quartalszahlen. Denn der starke Euro hatte die Umsätze des Pharmakonzerns stark niedergedrückt: Kursbereinigt stiegen sie im vergangenen Geschäftsjahr 2002 um 4 % auf rund 5 Mrd. Euro. Ohne Wechselkurs-Schwankungen wären es 10 % gewesen. Da nützte es nichts, dass Schering beteuerte, die starken Wechselkurse hätten dagegen die Gewinne kaum beeinflusst. Dies, so das Management, habe der Konzern im Wesentlichen durch Kurssicherungsgeschäfte erreicht.

Damit weist der Pharmakonzern zurecht darauf hin, dass der starke Euro seinen Wachstumskurs de facto gar nicht gebremst hat. Und Schering rechnet nach eigenen Angaben auch im laufenden Jahr nicht damit, "dass Währungseinflüsse das Ergebnis wesentlich verschlechtern werden."

Gleichwohl erwarten die Analysten der Deutschen Bank und der Berenberg Bank, dass der starke Euro dem Aktienkurs von Schering auch in den nächsten Monaten noch zu schaffen machen wird. Beide Bankhäuser empfehlen das Papier aber dennoch zum Kauf. Die Deutsche Bank begründet dieses Urteil mit den starken Schering-Produkten. So habe das umsatzstärkste Medikament des Hauses, Betaferon - ein Mittel gegen Multiple Sklerose - der starken Konkurrenz zum Trotz wieder stark gewonnen: Der Umsatz sei um rund 20 % gestiegen und solle auch im laufenden Jahr zweistellig wachsen.

Auch die neue Antibaby-Pille Yasmin sei weiter erfolgreich. Hier rechnen die Analysten in den nächsten Monaten mit einem starken Wachstum, weil Yasmin erst kürzlich in einigen Ländern eingeführt wurde, zuletzt in Italien und in Spanien. Auf dem US-Markt hatte Yasmin im Jahr 2002 den größten Erfolg eines oralen Kontrazeptivums überhaupt erzielt.

Als Risiko werten die Analysten dagegen Gerüchte, dass Generika-Hersteller wie das US-Unternehmen Barr Schering mit einem ähnlichen Produkt wie Yasmin Konkurrenz machen könnten. Schering hält diese Sorge nach Aussagen eines Sprechers allerdings für "vollkommen unbegründet. Wir haben das überprüft und haben keinerlei Hinweise gefunden."

Positiv dürfte die Analysten stimmen, dass Schering auch langfristig an seinen Zielen festhält. Weiterhin soll der Umsatz bis zum Jahr 2005 auf über 6 Mrd. Euro steigen. Auch an dem Ziel, bis spätestens 2006 eine operative Umsatzrendite von 18 % zu erreichen, hat sich nicht geändert.

Aber die Börse bleibt unbeeindruckt. Seit Monaten ist das Schering-Papier einer der größten Verlierer im Dax. Das Papier fiel von über 60 auf unter 40 Euro. Analysten der Deutschen Bank halten 45 Euro für angemessen, die Commerzbank immerhin 42 Euro.

Auslöser der Kursverluste waren Fragen über den Sinn von Hormon-Ersatztherapien, nachdem der US-Pharmakonzern Wyeth eine Studie für ein Präparat abgebrochen hatte. Dabei wurde die Schering-Aktie, von dem allgemeinen Abwärtsstrudel erfasst, der alle Produzenten von Hormonersatz-Therapien betraf. Entscheidungen der US-Gesundheitsbehörde FDA, die Schering - Hormonpräparate Angeliq und Climara Pro auf dem US-Markt nicht zuzulassen, verstärkten die Talfahrt. Inzwischen geht die Mehrzahl der Analysten aber nicht mehr davon aus, dass die Haltung der amerikanischen Gesundheitsbehörde zu Hormontherapien den Schering-Kurs noch wesentlich beeinflussen wird.

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