Aktie unter der Lupe
Analysten loben BHW-Strategie und warten

Vom "Beamtenheimstättenwerk" mausert sich die BHW Holding zum Finanzkonzern. Die Aktionäre haben die ersten Schritte in dieser Richtung bereits mit Käufen belohnt. Der Kurs hat sich seit Anfang 2000 verdoppelt. Das genüge allerdings auch, meinen einige Analysten.

HANNOVER. Vom Niedergang der Börsen haben die Aktionäre der BHW Holding AG, Hameln, bisher wenig gespürt. Seit Anfang vergangenen Jahres hat sich der Wert verdoppelt. Doch jetzt wird die Luft dünn. Einem erneuten rapiden Anstieg in der vergangenen Woche folgten die Gewinnmitnahmen gestern auf dem Fuße. Auch mit jetzt 33 Euro hält Daniela Heyduck, Analystin bei der Hypo-Vereinsbank, die Aktie für fundamental hoch bewertet: "Underperformer" lautet ihr Urteil.

An der BHW-Strategie hat sie ebenso wenig zu bemängeln wie die meisten ihrer Kollegen. Die Frage ist nur, wie weit BHW auf diesem Weg schon gekommen ist. So vergleicht die CSFB das Unternehmen mit zeitweise sehr hoch bewerteten Finanzdienstleistern wie MLP und Tecis und findet die Aktie im Vergleich dazu eher günstig. Vor eine Heraufstufung von "Halten" auf "Kaufen" wartet man allerdings auch dort auf den Erfolg der Diversifizierung.

Die Strategie, sich von einer Bausparkasse namens "Beamtenheimstättenwerk" zum Spezialisten für die private Vorsorge zu wandeln, sei richtig, sagt auch Dirk Krieger von der Nord/LB, die Designated Sponsor der Aktie ist. Krieger hat BHW vor einem Jahr mit Blick auf das hohe Kursniveau auf "Halten" zurückgestuft, arbeitet jetzt aber an einer Neubewertung. Mit einer Bewertung nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis werde man der Aktie nicht mehr gerecht, sagt Krieger. Er arbeitet deshalb an einer Bewertung der vorhandenen Bausparkunden.

Dieser Kundenstamm soll BHW nach den Plänen von Vorstandschef Reinhard Wagner unter die ersten Drei des Marktes für private Finanzvorsorge bringen. Er baut den Vertrieb durch zusätzliches Personal und Partnerschaften massiv aus. Die Produktpalette wurde bis hin zum Fondssparen ausgeweitet.

Insgesamt hänge das BHW-Schicksal aber immer noch stark an der Baufinanzierung, sagen Heyduck und Krieger. Nach dem Ausnahmejahr 1999 ist das Leben für die Bausparkassen schwerer geworden, zudem geht die Expansion in den neuen Geschäftsfeldern vorerst noch zu Lasten der Rendite. Die Folgen waren in der BHW-Bilanz 2000 abzulesen. Daniela Heyduck erwartet zwar in diesem Jahr eine deutliche Ergebnisverbesserung, sieht aber vorerst keinen Anlass für Kursaufschläge gegenüber dem fundamentalen Wert.

Es wird immer unwahrscheinlicher, dass BHW die Expansion mit einem großen Partner angeht. Der Börsengang Ende 1998 sollte zwar nicht zuletzt Geld für eine Akquisition ins Haus bringen, aber der passende Partner fand sich nicht. Die Zahl der Kandidaten sei klein, sagte Wagner, so dass vorerst der Alleingang die Strategie der Wahl ist. Die Analysten nehmen es zumindest positiv auf, dass Wagner den Mut hatte, Nein zu sagen.

Auf der anderen Seite sind die BHW-Großaktionäre stets für Gedankenspiele gut. Je ein Drittel der Aktien liegt bei zwei Beteiligungsgesellschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Beamtenbundes. Während der DGB mindestens 25 % plus eine Aktie behalten und auch den Rest nur auf Wunsch des Managements verkaufen will, sind die Trennungsabsichten der Beamtenfunktionäre kein Geheimnis. Bei BHW rechnet man damit für 2002. Während Branchenbeobachter mutmaßen, es könne auf diesem Weg doch noch zu strategischen Allianzen kommen, sähe der Konzern diese Aktien lieber breit am Markt gestreut. Den Free Float von rund einem Viertel zu erhöhen, ist Wagners erklärtes Ziel.

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