Aktie unter der Lupe
Analysten loben den Autozulieferer W.E.T.

Obwohl die Deutsche Börse das Todesurteil für den Neuen Markt bereits gesprochen hat, gibt es hier noch Perlen zu entdecken. Eine davon ist die Aktie des Autozulieferers W.E.T. Automotive Systems. Die Firma ist Weltmarktführer bei Autositzheizungen und findet auch bei Analysten Anklang.

BUDAPEST. Wer in diesen Tagen eine deutsche Wachstumsstory sucht, findet sie in Pilisszentiván nahe Budapest. Dorthin hat die W.E.T. Automotive Systems AG ihre Produktion verlagert. Das seit 1998 am Neuen Markt notierte Unternehmen startete in Ungarn vor vier Jahren mit einer "verlängerten Werkbank" für Kabelmontage, erklärte der Vorstandsvorsitzende Peter Paul Moll auf einer Pressekonferenz in Ungarn. Seitdem ist die Zahl der Mitarbeiter von damals 80 auf heute weit über 1 000ewachsen - Tendenz steigend. Außerdem weihte der Lieferant von Sitzheizungen und Kabeln, der mit nahezu allen namhaften Automobilhersteller zusammenarbeitet, ein neues technisches Zentrum in Ungarn ein. Auch die Logistik wird inzwischen ganz von Ungarn aus gesteuert. In Deutschland sind nur 200ersonen beschäftigt, davon 13 im Musterbau.

Als nächsten Produktionsstandort hat W.E.T. China ins Auge gefasst. Schon Ende April kommenden Jahres soll die Produktion laut Moll in China starten. "Wir wandern aber nicht den günstigsten Löhnen nach", unterstrich Moll. Von China aus sollen die fernöstlichen Kunden aus bedient werden. In Japan hat die Gesellschaft nach eigenen Angaben bereits einen Marktanteil von 13 %.

Mit seiner Strategie stößt das Unternehmen bei Analysten auf Lob. "W.E.T. ist bei Kosten und Technologie sehr gut positioniert", heißt es etwa bei M.M. Warburg. Es sei eine "weiterhin glänzende Performance zu erwarten". Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler lobt: "Vieles stimmt bei dem Unternehmen." Er weist unter anderem auf die starke Marktposition hin - W.E.T. beliefert inzwischen rund 60 % des Weltmarktes für Autositzheizungen. Zudem gefällt Pieper das Umsatzwachstumon jährlich mehr als 10 % über mehrere Jahre und das noch wesentlich stärkere Ergebniswachstum.

Nach Angaben des Unternehmens stieg der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2001/02 um 13 % auf 146,4 Mill. Euro. Davon entfielen auf den Produktionsbereich Sitzheizungen 129,3 Mill. Euro (+10 %). Im Kabelbereich wurden mit 14,9 Mill. Euro sogar 44 % mehr umgesetzt. Das Ergebnis stieg dabei laut W.E.T. überproportional zum Umsatz. Der Jahresüberschuss (nach Steuern) wurde um 36 % auf 14,4 Mill. Euro gesteigert, obwohl die Aufwendungen in Forschung und Entwicklung um insgesamt 26 % auf 13,1 Mill. Euro angehoben wurden.

Auch für das laufende Geschäftsjahr ist die Gesellschaft optimistisch. "Unsere Voraussagen werden wir erfüllen oder sogar übertreffen", sagte Finanzvorstand Dieter Haap in Ungarn. Nach den bisherigen Planungen peilt W.E.T. für 2002/03 eine weitere Steigerung des Umsatzes auf 160 Mill. bis 165 Mill. Euro an. Grundlage dafür ist unter anderem, dass weltweit immer mehr Fahrzeuge mit Sitzheizungenusgestattet werden.

"Für den Investor bietet W.E.T. eine Situation, die man sucht", sagt Pieper: eben ein hohes Wachstum, gepaart mit hoher Rentabilität und einer niedrigen Bewertungn der Börse. W.E.T. sei nicht teurer als andere Zulieferer, die wesentlich weniger verdienten und weniger Dynamik aufwiesen.

Die Aktie hat sich gemessen an der Gesamtverfassung des Neuen Marktes zwar recht gut gehalten, Anfang Oktober rutschte sie allerdings zeitweise auf Werte unter 28 Euro. Obwohl sie im Zuge der jüngsten Kurssteigerungen an den Märkten zulegte, ist sie immer noch weit entfernt von den Kurszielen der Analysten. Pieper hat ein Kursziel von rund 50 Euro gesetzt. Bei M.M. Warburg, die den Wert ebenfalls zum Kauf empfehlen, liegt das Kursziel bei 42 Euro. Die Bewertung der Aktie reflektiere "die Profitabilität des Unternehmens nicht in angemessener Weise", schreibt die Bank. Dabei handele es sich um "ein eher konservatives Bewertungsniveau", und zwar einschließlich eines Abschlags für die recht geringe Liquidität der Aktie und die niedrige Marktkapitalisierung.

Der Metzler-Experte Pieper sieht ein einziges "grundsätzliches Risiko" für die Aktie: das Wachstum durch Zukäufe. Moll hat diese Absicht in Ungarn erneut unterstrichen und auf die "gut gefüllte Kriegskasse" verwiesen. Für denkbar hält Pieper den Ausbau des Kabelgeschäfts oder auch einen Zukauf im Bereich Zubehör für Autositze. Durch eine Übernahme könnte jedoch die hohe Rendite schrumpfen, fürchtet der Analyst und die Integration eines Zukaufs könnte Probleme bereiten.

Quelle: Handelsblatt

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