Aktie unter der Lupe
Analysten loben Metro

Knapp halbiert zwischen Ende August und Anfang Oktober, anschließend ein Plus von 20 % an einem einzigen Tag - geht es nach dem Kursverlauf in den letzten Wochen, so wirkt die Metro wie ein Neuer-Markt-Wert, nicht wie ein Handelskonzern mit über 50 Mrd. Euro Jahresumsatz.

DÜSSELDORF. Nach einem Tiefstand von Anfang Oktober von 15,77 Euro notiert das Papier bei rund 23 Euro. "Die Aktie hat sich von einer exzessiven Unterbewertung erholt", sagt Alain du Brusle, Analyst von UBS Warburg.

Jürgen Elfers von der Commerzbank meint: "Der Markt hatte Anfang Oktober bereits eine Gewinnwarnung eingepreist, wurde dann aber von positiven Bemerkungen des Konzerns zum Geschäft im dritten Quartal überrascht." Er hat Metro daher Mitte Oktober von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Dennoch gehen die meisten Analysten davon aus, dass Metro das Gewinnziel knapp verfehlen wird. Der Konzern hatte angekündigt, den Gewinn je Aktie im Gesamtjahr um 10 % zu steigern. Morgen gibt er weitere Zahlen bekannt.

Zwar treibt Metro die Auslandsexpansion weiter voran, aber noch immer erwirtschaftet der Konzern 55 % der Umsätze in Deutschland. "Der herbe Kursverlust von Metro in den letzten Monaten ist vor allem auf die schlechte Stimmung im deutschen Einzelhandel zurückzuführen", glaubt Thilo Kleibauer, Analyst bei M.M. Warburg. Er rät zum Kauf der Aktie. "Die Bewertung ist attraktiv, und Metro kann aus einem stabilen Cash Flow die Investitionstätigkeiten von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr zahlen und vor allem im Ausland expandieren."

Wachstumsmotor für den Konzerngewinn bleiben der Großhandel (Cash & Carry-Geschäft) sowie die Elektronikmärkte (Mediamarkt, Saturn). Auf diese Konzernbereiche entfielen im ersten Halbjahr 70 % der Investitionen und sogar 90 % der Neueröffnungen, während die Bereiche Lebensmitteleinzelhandel (Extra, Real) und Kaufhäuser (Kaufhof) konjunkturbedingt schwächeln. DWS-Fondsnanager Martin Schneider plädiert sogar langfristig für eine volle Ausrichtung auf die beiden erfolgreichen Segmente Cash & Carry und Großhandel. "Damit würde sich Metro auf seine Stärken konzentrieren", sagt Schneider. Er hat Metro übergewichtet, denn "in Krisen profitieren vor allem die Marktführer".

Auch Julia Muenchschwander, Analystin bei Metzler Equities, würde eine Konzentration der Aktivitäten begrüßen, gibt aber zu bedenken: "In den vergangenen Jahren hatte Metro im Hinblick auf Investitionen und Desinvestitionen nicht das glücklichste Händchen" Sie rät zum Halten der Aktie, sieht für Metro aber vor allem in Osteuropa und Asien gute Wachstumschancen. "Allerdings zeigt das Engagement von Konkurrent Carrefour in Südamerika, dass ein Einstieg in Schwellenländern auch mit Risiken behaftet ist", sagt Muenchschwander. Heute erwirtschaftet Metro knapp ein Viertel des Vorsteuergewinns in Osteuropa; in China will Metro in den nächsten Jahren 600 Mill. Euro investieren und 40 Filialen eröffnen. Auch DWS-Fondsmanager Schneider lobt: "Die Expansionsmaschine im Ausland läuft auf Hochtouren und macht den Konzern zunehmend unabhängiger vom schleppenden Konsum im Inlandsgeschäft."

Inzwischen erwarten die Analysten im Schnitt einen Gewinn von 1,31 Euro je Aktie im laufenden und 1,50 Euro im kommenden Jahr. Das entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 für das Jahr 2002 und 16 für 2003. Schon seit Jahren schüttet Metro eine Dividende von 1,02 Euro je Aktie aus. Auf Basis des aktuellen Kurses von 22,95 Euro hat Metro damit eine Dividendenrendite von 4,4 % Prozent. "Das sichert den Kurs nach unten ab", sagt M.M.- Warburg-Analyst Kleibauer.

Quelle: Handelsblatt

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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