Aktie unter der Lupe
Analysten schätzen Henkels weiße Weste

Während einige Aktienkurse innerhalb der vergangenen zwölf Monate ins Bodenlose stürzten, behielt die Henkel-Aktie festen Stand. Vor allem die Konzentration auf das Kosmetikgeschäft zahlt sich für den Waschmittel- und Konsumgüterkonzern aus. Analysten rechnen damit, dass die Aktie noch Potenzial nach oben hat.

DÜSSELDORF. Nur selten macht der Waschmittel- und Kosmetikriese Henkel aus Düsseldorf von sich reden. Keine Skandale, keine Hiobsbotschaften. Nicht einmal der Aktienkurs zeigt Spektakuläres. Ausreißer nach oben oder nach unten gibt es nicht. Die im Deutschen Aktienindex (Dax) gelistete Henkel-Vorzugsaktie kostet mit momentan rund 65 Euro fast genauso viel wie vor zwölf Monaten. Vor zwei Jahren wäre sie dafür als Langweiler verschmäht worden. Doch in diesen turbulenten Zeiten wissen Anleger solide Titel zu schätzen. "Gewaschen wird eben immer", bringt es Bernd Schnarr, Analyst bei der WGZ-Bank auf den Punkt.

Am Freitag dieser Woche dürfte Henkel allerdings für etwas Aufmerksamkeit sorgen, denn dann präsentiert das Unternehmen, das mit dem Waschmittelklassiker Persil berühmt wurde, seine Ergebnisse für das dritte Quartal. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters gehen eine Reihe von Analysten von einem Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) um rund 20 Prozent aus. Auch WGZ-Analyst Schnarr erwartet einen Anstieg des Ebit auf 163 Mill. Euro. "Ich glaube nicht, dass es am Freitag große Überraschungen geben wird, da Henkel ein sehr solides Unternehmen ist", sagt Schnarr.

Michael Otto, Analyst bei Helaba Trust, rechnet sogar mit einem Anstieg des Ebit um 25 Prozent auf 174 Mill. Euro. Beim Umsatz geht er von einem Plus von 4,3 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro aus. "Die Konzentration auf die Kosmetiksparte zahlt sich für Henkel aus, da dort die höheren Margen zu erwirtschaften sind", sagt Otto. Trotz der weltweiten Konsumflaute halte sich die Kosmetik gut. "Die Zahl der über Dreißigjährigen nimmt zu und gerade Frauen in diesem Alter geben immer mehr Geld aus für Anti-Falten-Produkte und Haarfärbemittel", meint Otto. Bereits im Vorjahr hatten die Düsseldorfer die Chemiesparte namens Cognis verkauft und das Joint-Venture im Hygienebereich Ecolab aufgelöst.

Etwas vorsichtiger mit ihren Schätzungen als die Kollegen ist Petra Meyer, Analystin bei Sal. Oppenheim. "Die Situation ist momentan sehr schwer einzuschätzen. Zum Beispiel könnte sich die Konjunkturflaute auf die Industriebereiche von Henkel stärker niedergeschlagen haben als erwartet." Trotzdem teilt sie die Meinung der meisten Analysten, dass die Henkel-Aktie noch Potenzial nach oben hat. Sie rechnet mit einem Kurs von 76 Euro.

Helaba-Analyst Otto empfiehlt das Papier mit dem Urteil "übergewichten", da die Aktie unterbewertet sei. "Henkel wird immer noch mit einem Bewertungsabschlag im Vergleich zu anderen Konsumgüterherstellern wie zum Beispiel Beiersdorf gehandelt. Vor allem bei angelsächsischen Investoren gilt Henkel immer noch als Mischkonzern, was er aber gar nicht mehr ist." Zum Vergleich: die Henkel-Aktie liegt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 22 deutlich unter dem KGV von Beiersdorf mit rund 33. WGZ-Analyst Schnarr lobt Henkel als "langfristiges Value-Investment".

Der sonst so stille Konsumgüterriese sorgte kürzlich immerhin für einen kleinen Wirbel, als Gerüchte kursierten, dass Henkel den Darmstädter Kosmetikkonzern Wella kaufen wolle. Die Rede war von einem Kaufpreis von rund 5,3 Mrd. Euro. Bisher lehnte Henkel jeden Kommentar zu Wella ab. Möglicherweise könnte sich Henkel-Chef Ulrich Lehner am Freitag dazu äußern. Geld, um Wella zu kaufen, hat Henkel genug. Und Akquisitionen gehören auch zur Strategie von Lehner, der immer wieder mal kleinere Firmen dazu kauft, wie im Oktober in Spanien einen Klebstoffhersteller. Henkel würde gut zu Wella passen, sagt auch Oppenheim-Analystin Meyer. "Dennoch erwarte ich eine Übernahmen nicht", fügt sie hinzu. Denn bei Wella hat immer noch die Eigentümerfamilie das letzte Wort.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%