Aktie unter der Lupe
Analysten sehen bei Vivacon noch Kurspotenzial

Die Reaktionen darauf, dass die Kölner Vivacon AG Mitte Februar das ehemalige Grand Hotel in Bad Nauheim kaufte, waren gespalten: Vom Schuster, der bei seinen Leisten bleiben sollte, sprachen die einen. "Größenwahn" nannten es die anderen.

FRANKFURT/M. Schließlich kaufte Vivacon bisher sanierungsbedürftige "Kleine- Leute-Wohnungen" und veräußerte diese nach der Sanierung im Erbbaurecht weiter. Prunkobjekte wie das Grand Hotel mit 106 Eigentumswohnungen, elf Büros und Gastronomie gehörten bisher nicht zum Angebot.

Doch kaum zwei Monate am Markt, sind fast alle Wohnungen verkauft. Vivacon rechnete ursprünglich erst Ende 2003 damit. Ein Grund für die große Nachfrage sieht Klaus Baumann von SES Research darin, dass es sich beim Grand Hotel um ein Kulturdenkmal handelt, bei dem die Modernisierungskosten von den Käufern steuermindernd geltend gemacht werden können. Die Aktie machte wegen der hohen Nachfrage seit Anfang April bereits einen Sprung um 50 % auf über 4 Euro. Trotzdem sehen Analysten noch Potenzial. "Outperformer" urteilt Roland Könen vom Bankhaus Lampe und sieht das Kursziel auf Jahressicht bei 5 Euro. Klaus Baumann geht von einem fairen Wert von 5,36 Euro aus.

Für Vivacon kommt es durch den Verkauf dieses Objekts auch zu einer Verschiebung im jährlichen Umsatzaufkommen. Bisher erwirtschaftete das Unternehmen gut 80 % im letzten Quartal. "Unser Ziel ist es, das Ungleichgewicht zu glätten", sagt Vorstandschef Marc Leffin gegenüber dem Handelsblatt. Nach einem Umsatz von 33,3 Mill. Euro und einem Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,8 Mill. Euro rechnet das Management im laufenden Jahr mit einer Steigerung um je 20 %. Lampe-Analyst Könen geht sogar von einer Umsatzsteigerung um rund 30 % und einer Ergebnisverbesserung um 25 % aus. Als Gründe nennt er das positive erste Quartal sowie einen Nachholeffekt, der aus der Bundestagswahl und der anschließenden Diskussion um die Besteuerung von Immobilien herrührt. Ein Großteil der auf rund 24 Mill. Euro veranschlagten Gesamteinnahmen aus dem Grand Hotel wird Vivacon jedoch erst im kommenden Jahr nach der notariellen Beurkundung und weiteren Baufortschritten verbuchen können.

Eventuell können Anleger dann mit einer Dividendenzahlung rechnen. Die war ursprünglich schon für das abgelaufene Geschäftsjahr in Höhe von 0,15 bis 0,17 Euro geplant. Stattdessen will Vivacon nun 1,8 Mill. Gratisaktien ausgeben. Dadurch wird sich die Gesamtzahl der Aktien auf 7 Mill. erhöhen. Für drei Aktien erhält der Anteilseigner eine neue und kommt so wesentlich besser weg als bei der geplanten Dividende. Aber auch Vivacon soll profitieren. Schließlich genießt das Unternehmen wegen seiner niedrigen Marktkapitalisierung bisher nur wenig Aufmerksamkeit unter Anlegern.

Um im Gespräch zu bleiben, braucht Vivacon möglichst schnell ein neues Vorzeigeobjekt. Roland Könen kann sich vorstellen, dass das Unternehmen nach den guten Erfahrungen zuletzt wieder ein denkmalgeschütztes Objekt kaufen könnte. Bei drei Objekten ist Vorstandschef Leffin nach eigener Aussage derzeit im Gespräch. Bereits für Anfang Mai verspricht er erste Nachrichten. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigt aber, dass in der Branche Termine im Vorfeld nur schwer zu fixieren sind: Auch das Bad Nauheimer Grand Hotel wollte Vivacon bereits ein halbes Jahr früher kaufen.

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