Aktie unter der Lupe
Analysten sehen Bilfinger am Wendepunkt

Der Baukonzern Bilfinger Berger schlägt sich trotz der Krise in der deutschen Bauwirtschaft recht wacker. Die Aktie profitierte in der vergangenen Jahren von Restrukturierungen des Konzerns. Analysten sind der Meinung, dass das Unternehmen nur noch durch Akquisitionen wachsen kann.

DÜSSELDORF. Der deutschen Baubranche geht es derzeit alles andere als gut: die Pleite des Frankfurter Baukonzerns Philipp Holzmann, die lahmende Baukonjunktur in Deutschland, Streiks, Stellenstreichungen. Und das Schlimmste ist noch lange nicht vorbei. "Ein Aufschwung 2002 ist unmöglich geworden", sagte der Vizepräsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie Thomas Bauer am vergangenen Mittwoch in Berlin. Die Pleiten in der Baubranche würden dieses Jahr außerdem um 25 Prozent steigen.

Ein Unternehmen, dass sich in der Krise recht wacker hält, ist der Baukonzern Bilfinger Berger. Die Zahlen des ersten Quartals 2002 bewegten sich im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Innerhalb eines Jahres konnte die Aktie des Mannheimer Unternehmens um rund 17 Prozent auf knapp 26 Euro zulegen; im Vergleich zu Anfang 2001 verdoppelte sich der Kurs sogar. Das Wachstum der vergangenen Jahre hatte der Konzern vor allem seiner Restrukturierung zu verdanken.

Ein Wehrmutstropfen trübt jedoch die Erfolgsstory der Bilfinger-Aktie. Das Unternehmen befinde sich momentan an einem Wendepunkt, sagt Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust. "Die größten Wachstumssprünge aus den Restrukturierungen scheinen vorbei zu sein." Wolle Bilfinger diese Gewinndynamik beibehalten, müssten sie akquirieren, meint Schmitt.

Und genau das haben die Mannheimer auch vor: Bilfinger Berger will sich vom Baukonzern zur "Multi Service Gruppe für Immobilien und Infrastruktur" weiterentwickeln. Das heißt Projekte planen, bauen, finanzieren und danach auch eine zeitlang betreiben (Build Operate Transfer, BOT). Damit will Bilfinger Berger unabhängiger von der schwachen Baukonjunktur werden. Dieser Bereich sei einfach profitabler als das Baugeschäft, meint auch Christiane Nestroy, Analystin bei der Hypo-Vereinsbank. Bilfinger-Chef Herbert Bodner will mit dem Dienstleistungsbereich mittelfristig ein Drittel des Ergebnisses einfahren, wie er auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch betonte.

Kontinuierlich kauft der Konzern im Service-Bereich Unternehmen dazu, im Januar etwa die Kölner Wolfferts Gruppe, eine Firma, die in der Gebäudetechnik tätig ist. Den jüngsten Coup gab Bodner am vergangenen Mittwoch auf der Hauptversammlung bekannt: die Übernahme von Rheinhold & Mahla, eines Münchener Unternehmens, das sich auf technische Dienstleistungen und Industrieservice spezialisiert hat. Prompt legte der Kurs der Bilfinger-Aktie um über drei Prozent zu.

Weniger Einfluss auf den Aktienkurs hat nach Meinung von HypoVereinsbank-Analystin Nestroy indes das Interesse von Bilfinger an den beiden Holzmann-Töchtern HSG und der US-Gesellschaft J.A. Jones. Die beiden Unternehmen gelten als Perlen in der Insolvenzmasse des Holzmann-Konzerns. Mit J.A. Jones könnte Bilfinger seine Position in den USA stärken, denn auch die Internationalisierung des Konzerns hat sich Bodner auf die Fahnen geschrieben. HSG würde die Dienstleistungssparte ergänzen. "Die möglichen Käufe von Teilen des Holzmann-Konzerns sind noch zu unkonkret und zu weit weg", sagt Nestroy. Sie stuft das Papier mit "neutral" ein. Die Analysten von ABN Amro hingegen sehen durchaus noch Kursphantasie durch weitere mögliche Übernahmen. Sie empfehlen die Bilfinger-Aktien zu kaufen. Zudem verweisen sie auf den möglichen Verkauf des Bilfinger-Anteils am lukrativen Heizungsbauer Buderus.

Die Bilfinger-Strategie, verstärkt durch Akquisitionen zu wachsen, berge allerdings mehr Risiken als internes Wachstum oder Kostenreduzierung, sagt Helaba-Analyst Schmitt. Er beurteilt daher die Aktie auch mit "untergewichten". Zudem sei das Papier im Vergleich zu den Wettbewerbern relativ hoch bewertet.

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