Aktie unter der Lupe
Analysten sehen EADS skeptisch

Der Kurs von EADS hat sich in den vergangenen sechs Monaten kräftig erholt. Dennoch ist Vorstands-Vize Rainer Hertrich unzufrieden mit der Entwicklung der Aktie. Analysten äußern sich verhalten, unter anderem wegen des politischen Gerangels um den Militär-Airbus. Große Kurssprünge erwarten sie daher nicht.

DÜSSELDORF. Seit dem Kursrutsch nach den Terroranschlägen vom 11. September hat sich die EADS-Aktie deutlich erholt. Gerechnet von ihrem Tiefstkurs bei 9,90 Euro gewann der Titel fast 70 %. Dennoch notiert die Aktie unter ihrem Emissionspreis, der im Juli 2000 bei 19 Euro gelegen hatte.

Kein Wunder, dass sich das Raumfahrt- und Flugzeugbauunternehmen unzufrieden mit der Kursentwicklung zeigt. Die Vorstandsetage äußerte sich auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA 2002) in Berlin zwar sehr optimistisch. Viele Analysten sehen die mittelfristige Entwicklung des Papiers jedoch skeptisch. Die Mehrzahl der Experten, die das Unternehmen betreuen, haben die Aktie daher auf "Halten" eingestuft.

"Ich sehe noch keinen Grund für Privatanleger, die EADS-Aktie zum jetzigen Zeitpunkt zu kaufen", sagt Martina Jung, Analystin beim Bankhaus Metzler. Zu viele Unbekannte lasteten auf der Umsatz- und Ertragsprognose. So lange der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags nicht grünes Licht gebe für die Beschaffung der ursprünglich geplanten 73 Militärtransportflugzeuge vom Typ "A400M", herrsche großer Unsicherheit.

Sollte es wider Erwarten kurzfristig eine Entscheidung geben, dann könnte EADS 18 Mrd. Euro Umsatz sicher verbuchen, die sich dann teilweise auch im laufenden Jahr noch bemerkbar machen dürften. Falls Deutschland aber weniger Flugzeuge bestellen sollte, rechnet sich das gesamte europaweite Projekt nicht. Bislang hat Verteidigungsminister Rudolf Scharping lediglich die Mittel für den Kauf von rund 40 Maschinen. "Sollte das so bleiben, dann müsste EADS nachverhandeln", sagt Peter Rieth, Analyst bei der BHF-Bank.

Erst stillgelegte Flugzeuge flottmachen

Auf dem zivilen Flugzeugmarkt ist die Situation kaum besser. Experten bezweifeln derzeit noch, dass sich die Auftragslage aufhellt und mehr Airbus-Passagiermaschinen bestellt werden. Fluggesellschaften wie die Lufthansa würden zunächst stillgelegte Flugzeuge wieder flugtauglich machen, dann bestehende Kaufoptionen ausnutzen und erst zum Schluß neue Aufträge erteilen, sagt Jung. Eine nachhaltige Erholung auf ein normales Auftragsniveau sei erst im kommenden Jahr zu erwarten.

Auch Rieth gibt zu bedenken: "In der Wüste stehen noch ca. 2000 stillgelegte Flugzeuge. Davon sind schätzungsweise 650 einsatzfähig. Allein die Lufthansa hatte im vergangenen September 27 Maschinen stillgelegt."

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs sind da optimistischer. Sie stufen die EADS-Aktie zwar ebenfalls mit "Halten" ein. In der Begründung heißt es aber: Der Airline-Sektor erholt sich, und zwar schneller als erwartet. Das wird Einfluss auf die Hersteller haben. Deshalb sehen die Goldman-Sachs-Experten sehen den Kurs auf Sicht von zwölf Monaten bei 22 Euro.

Kurzfristig hält BHF-Experte Rieth das Kurspotenzial für weitgehend ausgereizt. "Die Aktie dürfte maximal bis auf 18,50 Euro klettern", prognostiziert er. Erst wenn sich die Auftragseingänge nachhaltig stabilisierten und keine weiteren Stornierungen erfolgten, würde die Aktie interessant.

Als problematisch könnte sich schließlicher erweisen, dass eingehende Aufträge momentan in erster Linie über den Preis entschieden werden. Konzerntochter Airbus verhandelt derzeit mit Billigfluggesellschaft Go über den Kauf von 75 Maschinen. Die Verträge mit Billigfiegern hält Jung für kritisch: "Das drückt auf die Profitabilität." Zudem scheint der Auftrag keineswegs sicher: Sollte Go zwischenzeitlich vom Konkurrenten Easy-Jet übernommen werden, besteht Experten zufolge die Gefahr, dass die Order platzt.

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