Aktie unter der Lupe
Analysten sehen General Electric ohne Sorge

Die Botschaft an den Mischkonzern General Electric (GE) war deutlich und schmerzhaft: Kritische Worte über die Firmenfinanzlage sind Gift für die Kurse, auch wenn es um das Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert der Welt geht. Bill Gross, Chef der Fondsgesellschaft Pacific Investment Management (Pimco), hatte dem Mischkonzern heftig die Leviten gelesen: Die GE-Bilanzen seien undurchschaubar und der Konzern zu stark auf kurzfristige Firmenanleihen angewiesen, damit der zweistellige Gewinnzuwachs stimmt.

NEW YORK. Sofort rutschte der Aktienkurs unaufhaltsam ab. GE-Chef Keith Sherin bemühte sich zwar, den Schaden in Grenzen zu halten: In Zukunft werde sein Unternehmen weniger kurzfristige Firmenanleihen (Commercial Papers) für die Finanzierung nutzen und außerdem die Bankkredite auf 50 Mrd. $ erhöhen. Die Gewinne werde man wie angekündigt erreichen. Doch die Nervosität der Anleger konnte er nicht zerstreuen. Der Kurs blieb unter Druck und notierte gestern im frühen US-Geschäft mit rund 37 $ um fast 13 % unter dem Niveau vom Monatsanfang.

Die Wertpapierexperten der Banken halten die heftigen Marktreaktionen für übertrieben - wenn auch für verständlich. "Seit dem Enron - Debakel finden viele Investoren, dass sie ein größeres Recht auf Aufklärung über die Finanzlage ihrer Firmen haben", sagte Nicholas Heymann von Prudential Securities. Roger Arner von der Ratingagentur Moody's erklärte zudem, gerade der Bereich Commercial Papers habe schon immer stark auf Vertrauensfragen reagiert.

Dennoch besteht bei GE kein Grund zur Sorge, sagen viele Analysten. Als Vorteil des Unternehmens aus Connecticut gilt die Produktpalette: Unter anderem liefert General Electric Haushaltsgeräte, Flugzeugmotoren, Lokomotiven und medizinische Geräte. "Damit besitzen sie ein Betriebsvermögen, das sich einsetzen ließe, wenn die Banken das verlangen sollten", sagte Analyst Bentley Myer vom Bankhaus William Blair der Nachrichtenagentur Reuters. Die Lage sei also anders als etwa bei Finanzdienstleistern, die bei Problemen mit kurzfristigen Anleihen nicht immer auf solche Absicherungen zurückgreifen könnten.

"Die richtigen Schritte unternommen"

Mehrere Banken empfehlen den Anlegern, bei den niedrigen Kursen zuzugreifen. "Dies ist die richtige Zeit, um aggressiv zuzukaufen", hieß es bei Credit Suisse First Boston (CSFB), vor allem wenn der Kurs in den nächsten Tagen noch weiter nachgeben sollte. JP Morgan Chase verteidigte GE ebenfalls und riet dazu, Anleihen der Tochter GE Capital überzugewichten.

Gut gefällt den Experten offenbar die Strategie, mit der die Verantwortlichen bei GE mit der angespannten Lage umgehen. "Wir glauben, dass das Unternehmen die richtigen Schritte unternimmt, um auf die Bedenken der Ratingagenturen einzugehen und um die Transparenz der Finanzen zu verbessern", kommentierten die Analysten bei JP Morgan. Das Bankhaus hatte Mitte März den Verkauf von GE-Anleihen im Wert von 11 Mrd. $ mit unterzeichnet. Nicholas Heymann lobt: "Nachdem die Forderung nach mehr Klarheit laut wurde, ist GE dem auch aktiv nachgekommen."

Übereinstimmend sind viele Analysten der Ansicht, dass sich die Attacke des Bill Gross im Kern nicht wirklich gegen das Unternehmen General Electric richtet. Gross habe vielmehr gegen die Geschäftspraktiken von US-Firmen allgemein gewettert, "die ihre Bilanzbögen zum Schaden von Anleihen-Investoren einsetzen", erklärte CSFB-Analyst Michael Regan. General Electric sei vor allem deshalb ins Kreuzfeuer geraten, weil das Unternehmen der größte Aussteller von Schuldpapieren sei, hieß es auch bei anderen Banken.

Die große Mehrzahl der Analysten hegt deshalb keine Bedenken, was die weitere Entwicklung des GE-Kurses angeht. Unter 17 Anlageurteilen listet die Nachrichtenagentur Bloomberg 15 Kaufempfehlungen auf. Nicholas Heymann kommentiert, GE sei "so stark wie eh und je in den vergangenen 25 Jahren". Und Salomon-Smith-Barney- Analyst Jeffrey Sprague hält sogar die GE-Bilanz zum Jahresende 2001 für "so stark wie wahrscheinlich nie zuvor" - schließlich stünden den 2,5 Mrd. $ Schulden rund 10,4 Mrd. $ Barguthaben gegenüber.

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