Aktie unter der Lupe
Analysten sehen Licht bei der Deutschen Bank

Die Insolvenzen von Holzmann und Kirch, faule Kredite, hohe Verwaltungskosten - das alles hatte den Aktienkurs der Deutschen Bank gedrückt. Quartalszahlen und hochgesteckte Ziele des designierten Vorstandssprechers Josef Ackermann nähren nach Meinung von Analysten nun neue Kursphantasie.

DÜSSELDORF. Nichts zu lachen hatten Anleger in der vorigen Woche. Mit einer Ausnahme: Freuen konnten sich nämlich die Inhaber von Deutsche Bank-Aktien. Die Papiere des Frankfurter Instituts legten rund sieben Prozent auf über 76 Euro zu. Vergessen schienen die Verwicklungen der Bank in die Insolvenzen von Holzmann und Kirch, welche die Aktie in den vergangenen Monaten gebeutelt hatten.

Die Analysten sind sich weitgehend einig: die Quartalszahlen, die die Deutsche Bank in der vorigen Woche veröffentlicht hat, wecken die Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Analysten von Helaba Trust etwa stuften die Aktie von "verkaufen" auf "neutral" herauf. Andere wie Sal. Oppenheim, WestLB oder Merck Finck sehen die Aktie gar als Outperformer, das heißt sie soll sich besser entwickeln als der Markt.

Beeindruckt haben die Analysten allerdings nicht der gestiegene Vorsteuergewinn der Deutschen Bank, den sie vor allem dem Verkauf von Beteiligungen verdankt. "Die Ertragszahlen im ersten Quartal waren zwar nicht ganz so rosig, aber vor allem die Personalkosten konnten deutlich gesenkt werden. Das hat dem Kurs gut getan", meint Sebastian Reuter, Analyst bei Helaba Trust. Betrachte man das Verhältnis von Marktwert zu Buchwert, sei das Papier historisch günstig. "Ermutigend" findet Georg Kanders, Analyst bei WestLB Panmure, das Ergebnis.

Angetrieben wurde der Kurs der Deutsche Bank-Papiere nach Meinung der Analysten auch durch die vollmundigen Versprechungen des designierten Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Er will den Marktwert der Bank verdoppeln und damit auch den Aktienkurs erhöhen, um eine Übernahme des Finanzinstitutes durch größere Konkurrenten zu verhindern. Außerdem will Ackermann bis zum Jahr 2003 zwei Mrd. Euro einsparen. Die Eigenkapitalrendite will er im gleichen Zeitraum von derzeit 5,9 auf 15 Prozent erhöhen.

Beobachter haben allerdings Zweifel, ob Ackermann seine Ziele erreichen wird. Analyst Reuter findet Ackermanns Ziele "ein bisschen zu ambitioniert". Georg Kanders, Analyst bei WestLB Panmure bleibt ebenfalls skeptisch. "Alleine schafft Josef Ackermann die angekündigte Verdoppelung des Marktwertes nicht. Da müssen auch Konjunktur und Markt mitspielen", meint Kanders, der die Aktie bei 88 Euro sieht.

Auch die Ankündigung der Deutschen Bank, eigene Aktien mit den Erlösen aus Beteiligungsverkäufen zurückkaufen zu wollen, habe den Kurs gestützt, sagt Reuter. "Damit setzt das Management nach außen hin das Zeichen, dass man in die eigene Strategie vertraut und die Aktie für günstig bewertet hält."

Noch-Vorstandsprecher Rolf Breuer schließt nicht aus, dass das Rückkaufprogramm zu einer Herabsetzung des Aktienkapitals genutzt wird. Damit würde ein Teil der Aktien vom Markt genommen werden. Der Gewinn pro Aktie (Earnings per Share), eine wichtige Kennzahl zur Bewertung von Aktien, würde sich durch diesen Schritt verbessern. Skeptisch sieht dies dagegen ein Analyst: "Der Kurs muss eigentlich durch die operative Profitabilität eines Unternehmens gesteigert werden und nicht durch einen Rückkauf künstlich in die Höhe gezogen werden. Wenn die Deutsche Bank überschüssiges Kapital hat, sollte sie es lieber an die Aktionäre ausschütten."

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