Aktie unter der Lupe
Analysten setzen Hoffnungen in neuen Linde-Chef

Das Wiesbadener Dax-Unternehmen Linde musste zum Halbjahr den Ausblick auf das Gesamtjahr 2002 nach unten korrigieren. Auch von den Zahlen für das dritte Quartal, die morgen präsentiert werden, erwarten die meisten Analysten keine positiven Überraschungen mehr.

DÜSSELDORF. Nach einem enttäuschenden zweiten Quartal für den Wiesbadener Linde-Konzern warten die Marktteilnehmer gespannt auf die für Donnerstag geplante Veröffentlichung der Zahlen für das dritte Quartal. Analysten erwarten beim operativen Ergebnis ein leichtes Plus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das Quartalsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) rechnen Experten jedoch mit einem deutlichen Verlust im Vergleich zu den im dritten Quartal 2001 erwirtschafteten 253 Mill. Euro.

"Etwas Risikopotenzial sehe ich aber noch für die Quartalszahlen", sagt ein Analyst, der nicht genannt werden möchte. "Es gibt Spekulationen darüber, dass Linde Restrukturierungsaufwendungen für die Gabelstaplersparte verbuchen muss. Das könnte das Ergebnis noch nach unten drücken." Davon abgesehen geht der Aktienexperte von positiven Ergebnissen für diesen Bereich des Unternehmens aus, weil Linde-Wettbewerber wie Jungheinrich ein Wachstum auf dem Gabelstaplermarkt melden konnten.

"Die Gassparte dürfte auch im vergangenen Quartal kontinuierlich aber moderat gewachsen sein", erwartet Richard Schramm, Analyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Spannender sei aber die Frage, ob sich der Bereich Fördertechnik, der im ersten Halbjahr sehr enttäuscht hatte, im dritten Quartal erholt hätte. Schramm gibt als Kursziel für die Aktie des Anlagenbauers und Herstellers technischer Gase 43 Euro an. Seine Empfehlung lautet "add".

Erhard Schmitt, Analyst bei Helaba Trust, gibt als Kursziel für das Linde-Papier 44 Euro an und empfiehlt, die Aktie unterzugewichten. "Das liegt nicht daran, dass ich Kursrisiken für die Linde-Aktie sehe, sondern daran, dass der Konzern im zweiten Quartal enttäuscht hat und auch den Ausblick für das Gesamtjahr 2002 nach unten revidiert hat", sagt Schmitt. Er sieht für die Werte des Konzerns die Gefahr einer Seitwärtsbewegung, während sich der Gesamtmarkt positiv entwickeln werde. "Die Marke von 40 Euro könnte sich als hartnäckiger Widerstand entpuppen", fügt Schmitt hinzu.

Große Erwartungen setzen Analysten in den Wechsel an der Linde-Führungsspitze. 2003 löst der frühere Automanager Wolfgang Reitzle den bisherigen Vorstandschef Gerhard Full ab. "Bisher hat der Konzern eher Kontinuität hoch gewichtet und versucht, das Risiko zu minimieren. Ein offensiveres Auftreten auch am Kapitalmarkt wäre für Linde eine gute Sache", meint Schmitt.

Einige Experten rechnen damit, dass Reitzle als neuer Linde-Chef stark auf die Autoindustrie setzen werde. Hier werde vor allem Gewicht auf den Wasserstoffantrieb für Autos gelegt. Bereits heute könne der Konzern für Wasserstoff Autotanks und Tankstellenausrüstungen liefern, hieß es in einem Zeitungsbericht. "Wasserstoff wird zwar erst in ein paar Jahren aktuell, aber die Weichen dafür müssen heute schon gestellt werden", sagt Analyst Schramm.

Im Bereich Kältetechnik zählt Linde zwar zu den Weltmarktführern, aber die Sparte ist nach wie vor nur schwach profitabel. Der Konzern hatte bereits einige Male angedeutet, die Kältetechnik zu veräußern. "Einem Externen wie Reitzle würde ein Verkauf leichter fallen, als einem Vorstand, der eine enge Bindung an alle Bereiche und die Mitarbeiter hat", erklärt Schmitt. Ein Verkauf der Kältetechnik würde seiner Meinung nach von den Kapitalmärkten positiv aufgenommen, weil einige Marktteilnehmer daran zweifeln, dass auf lange Sicht auf diesem Gebiet die Kapitalkosten verdient würden.

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