AKTIE UNTER DER LUPE
Analysten vermissen bei Sinnerschrader Größe

Die Zeiten, in denen die Anleger die Mär von der Goldgrube Internet widerspruchslos glaubten, sind vorbei. Auch die Hamburger Web-Agentur Sinnerschrader sieht sich wegen der weltweit sinkenden Nachfrage nach Internetdienstleistungen einer immer schärferen Konkurrenz ausgesetzt. Im Gegensatz zu den ebenfalls am Neuen Markt notierten, sehr viel umsatzstärkeren Multimedia-Agenturen Pixelpark, Kabel New Media und WWL Internet schreibt das Unternehmen, das im abgelaufenen Geschäftsjahr lediglich 14,7 Mill. Euro umsetzte, jedoch bereits seit Jahren Gewinne.

ant FRANKFURT/M. Den von Analysten immer wieder geäußerten Vorwurf, die kritische Größe noch erreicht zu haben, lässt Vorstand Oliver Sinner nicht gelten. "Wir betreuen mindestens genau so große Etats wie unsere Mitbewerber", sagte er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Zu den Großkunden der kleinen Gesellschaft zählt bereits seit längerem die Deutsche Bank24, für die Sinnerschrader auch die Oberflächen des brandneuen Finanzportals "Maxblue" gestaltete. "Maxblue" bietet zusätzlich zu dem reinen Brokerage-Geschäft eine Reihe von Zusatzinformationen, die sich der Kunde dank der offenen Gestaltung der Plattform individuell zusammenstellen kann. Neben der Anbindung an die verfügbaren Researchberichte des Bankhauses soll der Online-Auftritt auch Live-Übertragungen aus dem Handelsraum der Deutschen Bank beinhalten.

Um nicht unter die Räder der Dotcom-Krise zu geraten, in deren Folge vielen Webagenturen ein wichtiger Teil der Kundschaft wegbrach, begann Sinnerschrader bereits relativ früh, sich auf Kunden der so genannten Old Economy zu konzentrieren. "Die zahlen weniger und erwarten mehr für ihr Geld als die Internetstartups, die bis vor wenigen Monaten mit Investorengeldern zugeschmissen wurden", sagte Sinner.

Da die Wartung und der Ausbau der vorhandenen Seiten für sein Unternehmen die wichtigste Einnahmequelle darstellt, ist er vor allem an Aufträgen für Internet-Auftritte mit hohen Umsätzen interessiert. "Tchibo setzt mit der von uns gestalteten Seite jeden Tag siebenstellige Beträge um, da ist das Interesse an der Instandhaltung und Weiterentwicklung der Seite sehr massiv", sagt er. Ähnliches gilt für den Auftrag der Deutschen Bank24, den das Unternehmen einer Tochtergesellschaft der ebenfalls am Neuen Markt notierten GFT Technologies wegschnappte.

Analysten bleiben trotz der großen Kunden vor allem wegen der trüben Branchenaussichten eher skeptisch. Lorntie Jung von der Commerzbank stuft den Titel zwar auf "Akkumulieren" ein, rät jedoch dazu, den gesamten Sektor unterzugewichten. Sinnerschrader würde er für einen geeigneten Übernahmekandidaten für eine weltweit tätige Beratungsfirma halten. Drastischer fällt die Bewertung von DG Bank-Analyst Rainer Raschdorf aus: "Sinnerschrader ist ein mittelgroßes Unternehmen, das sich in keinem Punkt vom Wettbewerb unterscheidet." Die von Sinner erwartete Halbierung der Gewinnmarge, die im Gesamtgeschäftsjahr 1999/2000 noch bei 25 % gelegen hatte, ist im 1. Quartal des neuen Geschäftsjahres bereits eingetreten. "Ich sehe keinen Grund, warum sich das im Jahresverlauf verbessern sollte", sagte Raschdorf, der den Titel im Rahmen einer gerade publizierten Studie über Multimedia-Agenturen mit "Reduzieren" bewertet. Auch Ralph Blum von CAI Chevreux empfiehlt den Titel - wie bereits zu einem Aktienkurs von damals noch 35 Euro - zum Verkauf.

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