AKTIE UNTER DER LUPE
Analysten von Schering überzeugt

Deutlich niedriger als anderer Pharmawerte bewertet die Börse derzeit die Schering-Aktie. Allein das rechtfertigt nach Analysten-Einschätzungen ein Kurspotential von bis zu 60 Euro. Der Börsenliebling 2000 verlor am Freitag nach Vorlage der Bilanzdaten bei hohen Umsätzen aber fast 5 % auf 51,47 Euro.

BERLIN. Nach den neuen Bilanzdaten der Schering AG und den vorsichtigen Prognosen von Finanzvorstand Klaus Pohle fühlen sich die Analysten in ihren Erwartungen im wesentlichen bestärkt. Daher sind keine grundsätzlichen Änderungen der Anlage-Empfehlungen zu erwarten.

"Der schwache Kurs um die 50 Euro ist eigentlich nicht zu rechtfertigen", sagte etwa Andreas Schmidt, Pharma-Analyst bei Merrill Lynch Global Securities, nach dem Analystentreffen am Freitag. Er hält Schering langfristig für einen klaren "Kauf". Auch mittelfristig tendiert er beim aktuellen Niveau von 51,50 Euro von "Neutral" zu "Kaufen". Schmidt verwies auf das breite Portfolio des Pharmakonzerns, der in vielen Segmenten Marktführer sei: "Wenn da ein Produkt ausfällt, merkt man das kaum."

Wie Schmidt sieht auch Holger Blum von Deutsche Bank Equity Research den hohen Abschlag, mit dem die Märke die Schering-Aktie gegenüber anderen europäischen Pharmawerten belegt haben. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis belaufe sich der auf 15 bis 20 %, bei anderen Relationen liege er noch höher. Auch deshalb habe er keinen Grund, seine Kaufempfehlung zu revidieren, sagte Blum.

Die hohen Anlaufkosten für Produkteinführungen in den USA, die das Betriebsergebnis 2001 laut Schering-Vorstand Pohle auf eine einstellige Wachstumsrate reduzieren werden, besorgen Blum wenig. Einerseits habe Schering einen Teil der Kosten schon 2000 verdaut, andererseits sei Pohle bei seinem Ausblick immer sehr vorsichtig. Deshalb wäre Blum nicht überrascht, wenn das Betriebsergebnis wie der angekündigte Gewinn in zweistelliger Größenordnung wachsen würde.

Auf die Bedeutung der US-Einführung der neuen Anti-Baby-Pille "Yasmin" wies Oliver Kaemmerer vom Bankhaus Julius Bär hin. Da die Pille Gewichtsverluste erleichtern soll, gilt sie als "Lifestyle-Medikament" mit großen Marktchancen. Die US-Zulassung im Mai/Juni und die Einführung im Spätsommer könnte der Aktie Schwung geben. Zunächst stellt er sie auf "halten".

Nach dem guten Start in Europa könnte "Yasmin" höhere Erlösbeiträge als die 200 Mill. Euro bringen, die Schering für 2003/4 erwartet, sagte Schmidt. Für Schering sei die US-Einführung von strategischer Bedeutung, weil die Berliner dort stark wachsen wollen. Deshalb müssten die Kapazitätsprobleme in der Fertigung nun schnell behoben werden.

Schering will 3 % über dem Branchendurchschnitt wachsen

Insgesamt vertrauen die Experten den Prognosen von Pohle, wonach Schering bis 2003 zwei bis drei Prozentpunkte stärker wachsen will, als der Branchendurchschnitt.

Auch weisen sie darauf hin, dass der angekündigte Gewinnzuwachs schon durch die sinkende Steuerbelastung und das wieder positive Finanzergebnis erleichtert werde. Hier hatten einmalige Aufwendungen von 59 Mill. Euro bei der 24-%-Beteiligung Aventis Crop Science Schering ein negatives Finanzergebnis beschert. 2001 wird von Aventis Crop nun ein positiver Beitrag von bis zu 20 Mill. Euro erwartet. Allerdings warnt Kaemmerer: "Wenn wir dieses Jahr wieder Probleme bei Aventis Crop sehen, dann reißt es Schering die Beine weg."

Positiv aber gelassen sehen die Pharma-Experten die Ausgliederung der Schering-Biotech-Tochter Metagen. Die soll nun nicht 2001 sondern erst später an die Börse gehen. Blum veranschlagt den Wert von Metagen auf rund 90 Mill. Euro. Damit dürfte der neue 50-%-Investor 45 Mill. Euro einschießen.

Für Schering mache die Ausgliederung Sinn, heißt es. Einerseits spare man mit der Einbringung als Sacheinlage in die neue AG Steuern und müsse Metagen nicht mehr finanzieren. Andererseits behielte man den Zugriff auf Produkte der Genom-Forscher und könne bei einem Börsengang in einem positiveren Biotech-Umfeld profitieren.

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