Aktie unter der Lupe
Analysten wagen bei Jenoptik keine Prognose

Der Aktienkurs des ostdeutschen Technologieunternehmens Jenoptik rutschte in diesem September unter die Marke von neun Euro. Ein Sammelsurium an schlechten Nachrichten und Gerüchten hatte das Vertrauen der Anleger beschädigt. Vor den anstehenden Quartalszahlen sind Analysten jedoch wieder verhalten optimistisch.

DÜSSELDORF. Am kommenden Donnerstag veröffentlicht der ostdeutsche Technologiekonzern Jenoptik seine Ergebnisse für das vierte Quartal. Schätzungen darüber, wie das Unternehmen in den vergangenen drei Monaten abgeschnitten hat, möchten Analysten aber lieber noch nicht abgeben: "Die Quartalsergebnisse sind bei Jenoptik schwer prognostizierbar, weil sie stark von Abrechnungsterminen abhängig sind und daher sehr unterschiedlich ausfallen. Es ist schon vorgekommen, dass in einem Quartal der Umsatz erheblich gegenüber dem Vorjahr anstieg und im darauffolgenden Quartal deutlich einbrach", sagt Michael Busse, Analyst bei der Helaba Trust.

Zudem ist der Hauptgeschäftsbereich Clean Systems üblicherweise erst im vierten Quartal sehr stark. Da diese Sparte noch nach HGB bilanziert wird, können Projekte erst verbucht werden, wenn sie abgeschlossen sind. Die ersten drei Quartale sind daher oft schwächer. Bei Vorlage der Halbjahreszahlen im August hatte der Vorstand der im MDax notierten Jenoptik AG seine Prognose für das Gesamtjahr 2002 bestätigt. Es werde eine Konsolidierung auf dem Niveau des Vorjahres geben. "Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen auch bei der Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal an seinem Ausblick festhalten wird", erwartet Busse von der Helaba Trust. Ein Herabstufen der Prognose würde die Aktie, die sich gerade von schweren Kursverlusten im September erholt hat, schwer belasten.

Ein Sammelsurium an schlechten Nachrichten und Gerüchten hatte der Jenoptik-Aktie vor zwei Monaten heftige Verluste eingebracht. Der Kurs fiel sogar unter die Marke von neun Euro. Zum einen waren die Halbjahreszahlen sehr schwach ausgefallen. Der Konzernumsatz war in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von 833 Mill. Euro auf 564 Mill. Euro gefallen.

Zum anderen wurde das Thüringer Technologiekonzern von Aktionärsschützern kritisiert: Jenoptik habe seine tatsächliche wirtschaftliche Situation im ersten Halbjahr 2002 nicht transparent genug dargestellt. Durch die rückwirkende Übertragung von 43,5 Prozent der Anteile der Beteiligungstochter DEWB an einen Jenoptik-Pensionsverein, wäre das Halbjahresergebnis geschönt worden. Analysten halten diese Vorwürfe aber für unbegründet, da das Unternehmen kein Geheimnis daraus gemacht hätte, dass es ohne den Verkauf der DEWB-Anteile in die roten Zahlen gerutscht wäre. "Da wurden Themen aufgebracht, die längst bekannt waren", sagt Busse, dessen Empfehlung für das Jenoptik-Papier "neutral" lautet.

Maximilian Schoeller, Analyst bei Merck Finck & Co. empfiehlt, die Jenoptik-Aktie zu halten und räumt dem Papier ein Kurspotenzial von maximal 15 Prozent ein. Für die anstehenden Quartalszahlen ist Schoeller verhalten optimistisch: "Ich erwarte weder ein besonders negatives noch ein besonders positives Ergebnis."

Im Sommer hatte der Technologiekonzern durch mehrere Firmenübernahmen den Geschäftsbereich technische Gebäudeausrüstung gestärkt und ein Umsatzvolumen von rund 400 Mill. Euro dazugekauft. "Grundsätzlich ist es zu befürworten, dass Jenoptik in dieser Sparte wächst. Noch schöner wäre es allerdings, wenn der Bereich Photonics weiter zulegen würde, denn das ist die margenträchtigste Sparte bei Jenoptik", sagt Aktienexperte Schoeller. Der Thüringer Technologiekonzern hatte unter anderem die bayerische EADS-Tochter DIB sowie Teile der Krantz-TKT-Gruppe vom insolventen Maschinenbaukonzern Babcock Borsig übernommen. Damit erhöhte sich die Mitarbeiterzahl des Jenoptik-Konzerns um mehr als 1 000 auf über 8 000.

Auch Busse von der Helaba Trust hätte Zukäufe im Bereich Photonics als noch erfolgversprechender beurteilt: "Aber in diesem speziellen Fall lag ein gutes Chance-Risiko-Profil vor und Jenoptik konnte die Firmen zu einem angemessenen Preis einkaufen." Wenn die Unternehmensspitze auf die Übernahme verzichtet hätte, wäre sie zudem das Risiko eingegangen, dass verstärkt Konkurrenz aus dem Ausland nach Deutschland gekommen wäre. Mit Spannung erwarten Analysten jetzt die Veröffentlichung der Quartalszahlen, bei der auch bekannt gegeben wird, ob die Eingliederung der neuen Gesellschaften bereits erfolgreich war.

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